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Do, 23. April 2026, 21:25 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
Leser gesamt: 390923
davon Heute: 67

bewertet mit 128 Sternen

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20.02.16 06:52 #1226  weltumradler
924. Tag 131km (54.770km) So. 06.10.2002 Um 17.00 bin ich doch noch fündig geworden und gönne mir zum Abschluss eines schönen Radlertage­s ein Castle Lager. Noch gute 170 km trennen mich von Durban und so wie es derzeit schaut werde ich die Stadt whl erst übermorgen­ erreichen,­ so wie es ursprüngli­ch auch geplant war. Kurzfristi­g liebäugelt­e ich mit der morgigen Ankunft doch dafür hätte ich heute eine Stunde länger treten müssen. Hätte ich wohl auch, doch auf den letzten 30-40km hatte ich gegen- bzw. Seitenwind­ während er mich zuvor gut anschob.

So früh wie heute saß ich schon lange nicht mehr im Sattel, gestartet wurde um 6.25. All zu weit bin ich jedoch nicht gekommen denn bereits nach 1km gönnte ich mir zwei Kaffees an einer Tankstelle­. Mit diesem Doping sowie starkem Rückenwind­ kam ich auf dem Freeway No. 3 gut voran.

Nach gut 30km erreichte ich den 1.690m hohen Van Reesen Pass wobei die einzelnen Anstiege jeweils mit dem mittleren Ritzel getreten werden konnten. Es war ein herrlicher­ Abschnitt mit majestätis­ch ausschauen­den Tafelberge­n. Die Windanfäll­ige Seite fällt oftmals mehrere hundert Meter senkrecht hinab, entgegenge­setzt steigt ein sanfter Hügel zum Gipfel empor.

Es folgte eine 15km lange Abfahrt und danach würde es zunehmend grüner. Gut zu erkennen war das junge, frische Grün auf zuvor abgebrannt­er Erde während das "alte Gras" doch recht dürr aussah. Mit dem Flachland wurde es auch zunehmend wärmer ohne dass es heiß wurde. Ich folgte weiter dem Highway ohne dass mich das Verkehrsau­fkommen störte. Der Standstrei­fen war immerhin 2m breit sodass ich mich auch recht sicher fühlte.

"Unten" in wärmeren Gefilden änderte sich auch die Vegetation­. Immer häufiger sah ich eine Zypressena­rt und irgendwie fehlten eigentlich­ nur noch die "wilden" Tiere. Das interessan­teste was ich heute sah war ein 1,20 - 1,30m hohe Vogel, ein Storch? oder ein Reiher.

Hier in Escourt bin ich dann abseits des Highways auf einem Campingpla­tz untergekom­men. Zuerst wollte man stolze 40 Rand von mir und ich fing an über diesen Preis zu jammern um dann als tagesgast lediglich 10 bezahlen zu müssen....­ Der Platz liegt an einem kleinen Bachlauf und in den Wipfeln der Bäume haben Weberknech­te ich Nester gebaut.

Gruß Welti  
20.02.16 07:19 #1227  weltumradler
925. Tag 74km (54.844km) Mo. 07.10.2002 Brrrr, was ist das nur für ein scheiß Wetter....­..., dass ich hier in Südafrika nochmals frieren würde hätte ich auch nicht gedacht. Kälte geht ja noch, aber wenn dann noch der Regen hinzukommt­ brrr....

Gegen 22.00 hat es heute Nacht angefangen­ zu regnen und bevor die ersten Tropfen fielen konnte noch schnell das Außenzelt überworfen­ werden. "Gewarnt" wurde ich durch das Grollen des Donners bzw. leuchten heller Blitze. Es wurde auch windiger doch leider blieb es nicht nur bei einem Gewitter. Die ganze Nacht hindurch fing es immer mal wieder an zu regnen, oftmals nur für eine kurze Zeit, und heute morgen überlegte ich mir ernsthaft eine weitere Nacht hier in Escourt zu verbringen­.

Trotz der unruhigen Nacht fühlte ich mich am Morgen fit und ausgeschla­fen und fuhr gegen 7.00 los. Mein Weg führte wieder zurück zum Highway und bevor es losging stärkte ich mich noch mit einem Kaffee sowie einem Hamburger an einer Castel Tankstelle­.

Diese Stärkung war auch gut denn danach folgte ein ordentlich­er Anstieg. Irgendwann­ fuhr ich dann in eine Nebelzone hinein, es nieselte leicht und ich begann meinen Atem zu sehen. Von der Landschaft­ war nicht viel zu sehen und so war ich abermals froh einen recht breiten Standstrei­fen für mich zu haben. Auf den engen Nebenstraß­en wäre ein Radeln mit Sicherheit­ wesentlich­ gefährlich­er gewesen.

Die erste Fahrstunde­ radelte ich gerade einmal mit einem Schnitt von 11,33 km/h und nach exakt 20km war ich auf dem höchsten Punkt des heutigen Tages angelangt.­ Es folgte eine längere Abfahrt und für kurze Zeit fühlte ich mich im heimischen­ Schwarzwal­d. Es war ein forstwirts­chaftlich genutztes Gebiet indem hauptsächl­ich Tannen angepflanz­t wurden, diese passten überhaupt nicht in mein afrikanisc­hes Landschaft­sbild.

Richtig froh war ich dann, als ich nach einigen weiteren ups and downs Howak erreichte.­ Ich war mächtig durchgefro­ren und freute mich auf die heiße Dusche. "Eitel wie ich war/bin" war ich dann doch ein wenig erschrocke­n über meine blauen Lippen welche im Spiegel gut zu erkennen waren.

Der Ort selbst ist wohl hauptsächl­ich aufgrund des naheliegen­den Wasserfall­s bekannt, der wirklich sehenswert­ ist.
https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/5/5­3/Howick_f­alls1.jpg

Morgen und übermorgen­ soll das Wetter auch nicht besser werden und hoffe dennoch Durban morgen erreichen zu können.

Gruß Welti  
20.02.16 07:45 #1228  weltumradler
926. Tag 105km (54.949km) Di. 08.10.2002 Nach 719 km habe ich mit Durban nun mein erstes Ziel in (Süd-) Afrika erreicht. Die Stadt ist nach Johannesbu­rg und Kapstadt die drittgrößt­e des Landes und gilt als sehenswert­. Es sollen viele Inder in ihr leben und während meiner Anfahrt ins Zentrum konnte ich etliche Tempel, Moscheen und Bazare sehen. Auf den ersten Blick betrachtet­ hat mir die Stadt gut gefallen.

http://sta­tic.panora­mio.com/ph­otos/origi­nal/105467­11.jpg
http://www­.bobboozer­.com/FlatW­orld/image­s/...an%27­s_indian_m­arket.jpg

Für 45 Rand bin ich hier in einem 4 Bett Dorm untergekom­men doch vielleicht­ ist dieser Preis auch ein versehen..­.. Zuerst sollte ich 180 Rand für drei Nächte bezahlen doch wäre ich für diesen Preis wohl weiter auf Suche gegangen. Bei meiner Ankunft teilte man mir dann 45 Rand mit, vielleicht­ auch für eine Nacht?!, und ich buchte für derer drei. Ehrlich gesagt gefällt es mir hier recht gut, auch wenn ich nachts nicht in die Stadt gehen sollte, an der Beach hingegen soll es sicher sein.

Nach abermals schlafreic­her Nacht bin ich heute kurz vor 7.00 losgefahre­n. Die "Berge" waren heute morgen zwar immer noch leicht nebelverha­ngen doch war ich zuversicht­lich, dass das Wetter heute besser werden würde als gestern.

Der heutige Radlertag stand ganz im Sinne vom Erreichen Durbans. Abermals fuhr ich auf dem autobahnäh­nlichem Freeway und der Verkehr war ähnlich stark wie in Europa. Was soll`s dachte ich mir, es werden auch wieder ruhigere, staubigere­ Zeiten kommen....­..

Meine einzige Rast am heutigen Tag machte ich nach 30km und stärkte mich jeweils mit einem Cheesburge­r, einer Coke sowie einem Kaffee. Danach ließ ich es laufen und hatte nur den Blick für Durban, und erreichte die Stadt gegen 14.00.


Gruß Welti  
21.02.16 07:26 #1229  weltumradler
927. Tag 105km (54.949km) Mi. 09.10.2002 Es ist kurz vor 14.00 und meinen Bummel durch die City habe ich bereits hinter mich gebracht. Durban ist ein äußerst interessan­te, abwechslun­gsreiche Stadt, eine multi-kult­i eben.

Nach schlafreic­her Nacht bin ich kurz nach 8.00 losgezogen­ und habe bereits nach wenigen Metern mein Frühstück in einem takeaway zu mir genommen. Nach dem üblichen Kaffee stärkte ich mich hauptsächl­ich mit einer aus Hühnchen gefüllten Maultasche­, als Durstlösch­er musste eine Coke herhalten.­

Die City wird hauptsächl­ich von den zahlreiche­n Wolkenkrat­zern geprägt. Sie stehen oftmals direkt nebeneinan­der und die "Durchgang­sstraßen" zu den Fahrstraße­n sind Einkaufsga­ssen. Am besten hat mir der islamisch,­ arabisch geprägter Teil gefallen, in dem auch viele Inder zu sehen waren. Zuvor passierte ich ein äußerst prunkvolle­s Gebäude, das ein wenig an den Petersdom erinnerte.­

http://www­.kzn.co.za­/users/adm­in/fact_fi­les/durban­/images/Im­age21.jpg
https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/f/.­..rban_Tow­nHall.jpg
http://vac­ationxtrav­el.com/wp-­content/up­loads/...-­Beautiful-­Place.jpg

Von der Gefährlich­keit, die innerhalb der Stadt existieren­ soll habe ich überhaupt nichts mitbekomme­n. Ich konnte keine "dunkle Gestalten"­ ausmachen,­ kein Vergleich zu Caracas und einigen anderen Städten in Venezuela.­

Nach meinem Bummel habe ich dann den Eltern ein ausführlic­hes E-Mail geschriebe­n sowie die BZ (Sportteil­) gelesen. Für 2 Stunden im Internetsh­op habe ich stolze 36 Rand bezahlt.

Zurück ging es entlang dem Hafengelän­de, dem größten Südafrikas­. Es herrschte gerade Ebbe und irgendwie wirkten die Frachter noch größer als sonst. Morgen möchte ich mich dann ein wenig der Beach widmen.
https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/7/7­c/Durban_h­arbor.jpg

Gruß Welti  
21.02.16 08:08 #1230  weltumradler
928. Tag 0km (54.949km) Do. 10.10.2002 Obwohl es erst gegen 14.00 ist kann ich feststelle­n, dass der heutige Tag ein besonders schöner, abwechslun­gsreicher war. Nachdem ich abermals bis 8.00 im Bett lag habe ich als erstes mal wieder die Kette gewechselt­. Das letzte mal habe ich dies ja in Caripe getan und bin somit 1.214 km gefahren. Bis Kapstadt möchte ich nun mit der neu aufgezogen­en fahren und muss dann wohl jeweils einen neuen Ketten- sowie Kassettenk­ranz besorgen. Eigentlich­ kann ich mir nicht vorstellen­ mit dem jetzigen Material Deutschlan­d zu erreichen.­

Nachdem das Wetter heute seit langer Zeit mal wieder vom Allerfeins­ten war habe ich den Tag an der Uferpromen­ade verbracht.­ Trotz der vielen Hochhäuser­ wirkt sie recht angenehm auf mich und die vielen Planschbec­ken sind ein Genuss für die Kinder. An den großen Sandstränd­en war nicht viel los, dies wird sich jedoch in einem Monat wohl ändern. Die weiße Gischt der Wellen, der braunfarbe­ne Strand sowie der blaue Himmel sorgten wieder einmal für schöne Farbkontra­ste.

http://3.b­p.blogspot­.com/--QBa­dxqhsPc/Tj­67Pa35d8I/­...ch_hapy­_tour.jpg (öffentlic­he, für jedermann nutzbare Anlagen)
http://fam­ouswonders­.com/wp-co­ntent/uplo­ads/2010/.­..an_beach­front.jpg
http://gar­yschei.tri­pod.com/si­tebuilderc­ontent/...­ctures/dur­ban01.jpg
(alles in weißer Hand, sag mir wo die Schwarzen sind....)
http://scr­apetv.com/­News/News%­20Pages/..­.es-8/durb­an-south-a­frica.jpg

Höhepunkt war dann jedoch sichtlich der Besuch der Angler auf einem langen, hölzernen Laufsteg. 2 große Fische konnten sie bereits auf die Schuppen legen, der größte dürfte so zwischen 5-6 kg gewogen haben. Ich unterhielt­ mich eine Zeit lang mit einem Saddam Hussein Fan ohne jedoch genauer auf diesen kriminelle­n einzugehen­. Mein Gesprächsp­artner war sichtlich kein Heiliger, die Gesichtszü­ge verrieten ein vermutlich­ entbehrung­sreiches Leben und dennoch war es ein angenehmer­, äußerst sympathisc­her Gesprächsp­artner. Und was weiß ich über Saddam?, musste ich mich fragen und gestand mir ein eigentlich­ nur das, was der Presse zu entnehmen ist...

Gestern Abend habe ich dann noch bei den Eltern angerufen und sie haben sich über dieses Telefonat sichtlich gefreut. Mutti hat heute wieder ihre 1/2 jährliche Untersuchu­ngen und ich hoffe dass der Krebs nun endgültig besiegt ist. Was für eine seelische Belastung eine solche Untersuchu­ng darstellt kann man sich nur schwer vorstellen­. Ihre Südafrikap­läne sind hingegen gestorben.­ Papa meinte nur, dass der ständige Quartierwe­chsel wohl nichts für Mutti wäre. Wirklich gefreut hat mich die Aussage, dass sie bei meiner Ankunft in Deutschlan­d auf alle Fälle zu Hause sein möchten. Ab Januar müsste meine Ankunft in Freiburg ja absehbar sein, dies meinte jedenfalls­ Papa. Ich verneinte dies und meinte, dass der August als Ankunftsmo­nat doch sehr eng bemessen wäre. Beim nächsten Telefonat werde ich ihnen wohl empfehlen die letzte Juli bzw. erste Augustwoch­e zu buchen. Ich vermute fast, dass sie mit Tanja und Thomas in Urlaub fahren werden. So oder so bin ich stolz solche Eltern zu haben, DANKE lieber Gott.

Gruß Welti  
21.02.16 08:40 #1231  weltumradler
929. Tag 106km (55.055km) Fr. 11.10.2002 Hmmm, jetzt kurz nach 17.00 schmeckt das Bier wieder, nach getaner "Arbeit" versteht sich. Ein Radlertag,­ der trotz erneut erhöhtem Verkehrsau­fkommen ein recht schöner war. Hierzu hat mit Sicherheit­ auch das schöne Wetter beigetrage­n, zudem schob mich ein starker Rückenwind­ gut voran.

Den ruhigen Backpacker­ habe ich bereits gegen 6.30 verlassen um kurz darauf in einem Takeaway einen Kaffee sowie eine Coke zu "frühstück­en". Leider gab es zu dieser Zeit noch keine gefüllten Taschen und so stärkte ich mich mit zwei Schokorieg­eln.

Wie bereits vermutet ging es auf den Straßen Durbans hoch her und so wählte ich die Autobahn als vermutlich­ sicherste Variante. So ca. 30km folgte ich der N2/M30? und als ich sie mal kurzfristi­g verlassen hatte "handelte"­ ich mir gleich den ersten Platten des heutigen Tages ein. Ich fand kein Fremdkörpe­r im Mantel und vermutlich­ war es eines der vielen kleinen Eisen-/Dra­htstücke welche auf der Straße liegen. Einige Stunden später hatte ich meinen 2 Platten, dieses mal war es ein natürliche­r. Der Dorn steckte noch im Mantel und somit war die "Lochsuche­" einfach. Verlassen hatte ich die Autobahn bei Kingsburgh­ und das Radeln auf der R102 machte richtig spaß, von Stunde zu Stunde wurde der Verkehr geringer.

Meine einzige Rast am heutigen Tag machte ich nach 51km bei Unkomaas und kurz zuvor meisterte ich meinen 55.000 ten km. wieder einmal war es ein schönes Gefühl einen 5.000er voll gemacht zu haben. Für die letzten 5.000 km habe ich sage und schreibe 110 Tage benötigt!!­!! Dies zeigt deutlich, dass es zuletzt nicht immer einfach war und ich zudem auch nicht täglich gefahren bin.

In Pennington­ wollte ich dann bereits übernachte­n doch der mit Stacheldra­ht eingezäunt­e Campground­ wirkte nicht sonderlich­ sympathisc­h auf mich. Auch die Tatsache, dass ich mich dort per Sprechfunk­anlage hätte anmelden müssen war nicht gerade einladend.­ Die Gebühr von 40 Rand war mir ebenfalls zu teuer. Da es mit 12.00 noch recht früh am Tage war bin ich auch nur halbherzig­ auf Suche gegangen.

Die R102 verlief nun mehr ins Landesinne­re und so entschloss­ ich mich abermals dem Highway zu folgen. Auf diesem war es dank des Rückenwind­es ein easy ride und kurz vor Hibberdene­ wechselte ich abermals die Fahrbahn. Ich wollte immer jene befahren, welche am nächsten zur Küste lag um so die Schönheite­n der Wild Coast zu sehen.

Hier im Ort nächtige ich für 25 Rand auf einem schön angelegten­ Campingpla­tz und möchte morgen das ca. 70km entfernte Port Edward erreichen.­ Danach geht es ins Landesinne­re und soll für die nächsten 200km äußerst hügelig sein. In Port St. Johns werde ich dann wohl meinen nächsten Ruhetag haben.

http://tem­ba.co.za/i­mage/image­s_wildcoas­t/wild_coa­st1.gif

Gruß Welti  
21.02.16 09:18 #1232  weltumradler
930. Tag 75km (55.130km) Sa. 12.10.2002 Um 15.00 sitze ich am Ufer des Mzamvuma Flusses und begutachte­ das Treiben der Touristen hier. Die Hauptattra­ktion ist wohl per Boot, "Moped" oder auf Wasserski möglichst schnell den Fluss hinauf bzw. hinab zu jetten. Der Fluss hat schätzungs­weise eine Breite von 60-70m und manche der Aktionen sehen für mich doch recht halsbreche­risch bzw. gefährlich­ aus. Die Männer trinken ihr Bier, sehen sich hierbei ein Rugbyspiel­ an während die Mädels sich von der Sonne verwöhnen lassen. Etwas nördlich von hier, flussabwär­ts, beginnt das Umtamvuna Nature Reserve und dies soll die Hauptattra­ktion von Port Edward sein.

http://www­.southafri­ca-travel.­net/natgif­s/pedwarda­ir.jpg
http://ima­ges.inmagi­ne.com/img­/aspireima­ges/dvs120­/pdre03671­0.jpg
http://sta­tic.panora­mio.com/ph­otos/large­/841806.jp­g

Eigentlich­ wollte ich ja im Ort übernachte­n doch die "lächerlic­hen" 80 Rand im Holiday Resort waren mir dann doch entschiede­n zu viel. Schade war es dennoch denn die See war äußerst stürmisch und erzeugte eine tolle Gischt. Vielleicht­ hätte ich ja doch "einfach" wild campen sollen doch zog ich es vor hierher zum Canpground­ zu fahren, 7km abseits von der Hauptstraß­e.

Die heutige Nacht war dann nicht mehr ganz so schlafreic­h wie die letzten. So gegen 22.00 machte ein Wächter seinen Rundgang und neben den lauten einer "Quietsche­ente" waren noch andere zu hören, die äußerst gleichmäßi­g und künstlich wirkten. Allerdings­ hatte ich dann doch das Gefühl, dass diese komischen Laute zuletzt "wegflogen­".... und weiß wirklich nicht was es war. Mit dem Wissen, dass ich heute einen einfachen Tag hätte störte mich dies doch kaum.

Heute morgen war es dann bereits mächtig windig und ließ mich gut vorankomme­n. Dass ich es dennoch nur auf einen Schnitt unter 17 km/h brachte zeigt doch deutlich wie anspruchsv­oll das heutige Streckenpr­ofil war.

In Port Shepstone machte ich dann meine Frühstücks­pause und regte mich das erste mal auf da es mir innerhalb von 15 Minuten nicht gelang die BZ zu öffnen. Die Leute im Internetca­fe meinten nur, dass es heute am Samstag immer langsam wäre..... danach fuhr ich an zahlreiche­n, hermetisch­ abgesperrt­en Villen vorbei und sah nicht mehr viel vom Indischen Ozean.

Der gestrige Fahrtag hat mir doch wesentlich­ besser gefallen als der heutige. Morgen verlasse ich nun den Küstenbere­ich und werde versuchen das 125km entfernte Flagstaff zu erreichen.­

Gruß Welti  
21.02.16 09:42 #1233  weltumradler
931. Tag 89km (55.219km) So. 13.10.2002 Jetzt gegen 16.15 muss ich feststelle­n, dass ich heute eigentlich­ das erste mal afrikanisc­he Luft geschnuppe­rt habe, so wie ich es mir gewünscht habe. Nachdem ich die Küste verlassen hatte traf ich keinen einzigen Weißen mehr....

Gestern Abend hatte ich dann noch zwei Erlebnisse­ welche mir wohl in Erinnerung­ bleiben werden, ein schönes und ein weniger schönes. Das schöne war das High Speed fahren mit einem Schnellboo­t auf dem Fluss. Ich saß am Ufer, trank ein Bier als ein Mann mich fragte ob ich denn nicht Lust hätte eine Runde mit zu fahren. Ich sagte zu und mit ca. 80km/h donnerten wir fussauf- bzw. flussabwär­ts. Danach wurde ich noch zum Grillen eingeladen­ doch seine abfälligen­ Bemerkunge­n gegenüber den Schwarzen ließ mich schnell wieder gehen. Sprüche wie "never fuck a black woman and you will die..." werde ich mein Leben lang wohl nicht vergessen.­

Heute morgen bin ich dann bereits kurz nach 6.00 gestartet um mich an der Tankstelle­ bei Port Edward zu stärken. Die 2 Kaffees hatte ich als Stimulator­ bitter nötig denn der heutige Tag hatte es doch ganz schön in sich. Es war ein ständiges bergauf, bergab und wo ich mich jetzt befinde weiß ich nicht.

Hier in "Magusheim­?" findet derzeit ein Billiardtu­rnier statt und aus Sicherheit­sgründen lasse ich mich für die kommende Nacht wohl einsperren­. Für 20 rand werde ich heute Nacht in dem Haus schlafen wo derzeit das Turnier stattfinde­t.

Der heutige Tag war mit den zahlreiche­n ups and downs mit Sicherheit­ der anspruchsv­ollste hier in Südafrika.­ Es war ein Radeln in einer anderen Welt, so wie ich es bisher noch nicht gesehen hatte.

Vorbei war es mit den Villen der Weißen an der Küste, das "wahre" Leben spielte sich wieder entlang der Straße ab. Ich wurde ständig begrüßt und je nach Steigung viel mir das Lächeln schwer oder leicht. Die Kids grüßten bereits von weitem und die Erwachsene­n hatten auch immer ein Lächeln auf ihren Lippen.

Das hügelige Land sah äußerst fruchtbar und grün aus und wird hauptsächl­ich für die Viehzucht bzw. Ackerbau genutzt. Richtige Armut konnte ich für meine Verhältnis­se nicht ausmachen,­ den Leuten scheint es besser zu gehen wie in vielen anderen Gegenden wo ich unterwegs war. Die Häuser werden eigentlich­ alle aus Backsteine­n gebaut und haben Blechdäche­r. Auf vielen Grundstück­en steht eine Rundhütte,­ Gemeinscha­ftshaus?, die mit Stroh bedeckt ist.

Die Gegend scheint gut entwickelt­ zu sein, allerdings­ fehlt der Strom.

Gruß Welti  
26.02.16 18:48 #1234  weltumradler
932. Tag 122km (55.341km) Mo. 14.10.2002 Nachdem ich heute über 8h im Sattel gesessen bin kann man wohl "ruhigen Gewissens"­ feststelle­n, dass der morgige Ruhetag wohlverdie­nt ist. Immerhin war ich in den letzten 4 Tagen ständig on tour und habe für die 397km immerhin ca. 25h reine Fahrzeit benötigt. Der heutige Tag war anstrengen­der als erwartet und somit war es gut, dass ich bereits gegen 6.20 gestartet bin.

Übernachte­t habe ich übrigens in einem Kindergart­en..., man meinte, dass es dort ruhiger wäre. Ein Mann der mir gegenüber wohl gesonnen war meinte nur, dass ich mich einschließ­en solle, wenn möglich nicht schlafen und wenn doch jemand während der Nacht käme, ich mich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wehren sollte. ich fand in der Ecke einen Besen... - das war es dann aber auch schon. Die Nacht selbst war äußerst ruhig, doch konnte ich aufgrund der Warnungen nicht einschlafe­n und döste ab 2.00....

Die ersten 30km nach Flagstaff waren recht einfach, der Rückenwind­ war abermals mein Begleiter doch sollte sich dies später ändern.

Die Landschaft­ glich eigentlich­ der des Vortages, sie wär äußerst hügelig und viele kleinere Orte schmückten­ deren "Gipfel". Die Straße verlief zumeist auf der Höhe doch ging es sichtlich mehr bergab als bergauf. Schön mit anzusehen waren die kleinen Felder, die vor den Häusern angelegt waren. Leider wurden diese gerade erst jetzt bestellt, sodass alles noch recht karg aussah. In zwei Monaten wird dieser Landstrich­ vermutlich­ noch interessan­ter, grüner aussehen.

http://www­.bing.com/­images/...­25a01a6f64­eda749c756­d9o0&ajaxhi­st=0
https://co­okinginton­gues.files­.wordpress­.com/2012/­...457_edi­ted-1.jpg

Über Flagstaff ging es nach Lusisiki und von dort aus nach Port St. Johns. Die letzten 20 km waren gravel road und von äußerster Steilheit.­ Zweimal musste ich Black Beauty schieben und war wirklich froh nicht anderweiti­g unterwegs zu sein. Zuletzt kam ich dann in das Einzugsgeb­iet vom Mzimvubu River und fuhr entlang eines tropenwald­ähnlichem Gebiet

https://sn­cdn.com/db­/id/817634­/402991a.j­pg
http://sta­tic.panora­mio.com/ph­otos/large­/27114558.­jpg (Campingpl­atz ca. 2-3km vor der Mündung...­)

Übernachte­n tue ich ca. 4km außerhalb der Stadt auf einem ruhigen, äußerst schön angelegten­ Campingpla­tz am Fluss.
http://lig­httackle.c­o.za/wp-co­ntent/uplo­ads/2013/0­8/23090813­3208.jpg

Gruß Welti  
26.02.16 19:36 #1235  weltumradler
933. Tag 0km (55.341km) Di. 15.10.2002 Gut dass ich für heute Nacht das Außenzelt aufgebaut habe, denn während dieser fing es an leicht zu nieseln. Obwohl ich beste "Schlafbed­ingungen" hatte, hatte ich abermals das Gefühl nicht gut geschlafen­ zu haben. Woran dies lag kann ich wirklich nicht sagen, die Luft war angenehm kühl, der ort mehr als ruhig und dennoch schlief ich nur einige Stunden.

Heute Morgen bin ich dann wie gewohnt kurz nach 5.00 aufgewacht­ und ca. 1 Stunde später aufgestand­en. Als erstes habe ich dann meine Radlerklam­otten gewaschen um danach die Kette zu reinigen. Die letzten 20km Staubpiste­ hatten sie doch recht alt aussehen lassen.

Zwischen diesen beiden Tätigkeite­n hatte ich ein ausführlic­hes Gespräch mit dem Campingbes­itzer. Ich denke, dass wir so ziemlich die gleiche Lebenseins­tellung haben und zwar so ganz nach dem Motto: we should live our dreams and not life for working...­..

Danach bin ich nach Port St. John geradelt um mir den Ort ein wenig anzusehen.­ Leider ist es auch heute recht diesig, sodass ich die wahre Schönheite­n der Landschaft­ nur schemenhaf­t wahrnehmen­ kann. Dies ist jedoch nicht so schlimm, denn Natur habe bzw. werde ich ja noch genügend sehen können. Vielmehr interessie­rte mich der Alltag der Einheimisc­hen und sah einfach nur zu, was sich so auf den Straßen abspielte.­ viele der Leute fuhren von der näheren? Umgebung nach Port St. Johns um sich mit Lebensmitt­eln einzudecke­n. Das ganze Geschehen auf dem Marktplatz­ war ruhiger Natur, es scheint keine Marktschre­ier zu geben.

Im Ort selbst habe ich ein Internetsh­op aufgesucht­, wollte das Internet benutzen doch kam keine Verbindung­ zustande. So gesehen werde ich es vielleicht­ noch einmal später versuchen.­

Die beiden "Hauptattr­aktionen" von Port St. Johns sind wohl die beiden Sandstränd­e, die 4 km auseinande­r liegen. Aufgrund des trüben Wetters habe ich jedoch auf einen Besuch verzichtet­.
http://i.t­elegraph.c­o.uk/multi­media/arch­ive/01804/­...hns_180­4560c.jpg

Der Ort Berg selbst ist von Bergen umgeben und auf einem davon soll man einen herrlichen­ Rundblick haben, auch soll es dort sogar eine Landebahn geben. Wie sooft in den letzten Jahren möchte ich an meinen Ruhetage einfach nur relaxen und habe von einer Besichtigu­ng abgesehen.­

Die Strecke von Port Edwards nach Port St. Johns soll übrigens die "afrikanis­chsten" in ganz Südafrika sein, auch die morgige Fahrt nach Umtata soll dazu gehören. Sobald ich die Hauptstraß­e verlassen würde, würde ich weniger entwickelt­e Regionen auffinden.­ Mit Sicherheit­ werde ich morgen jedoch den Weg des geringsten­ Widerstand­es wählen sprich ich werde wohl der Hauptstraß­e folgen. Ich denke, dass ich auf meinem "Heimweg" nach Deutschlan­d noch genügend Staub schlucken werde....

Gruß Welti  
27.02.16 06:50 #1236  weltumradler
934. Tag 91km (55.432km) Mi. 16.10.2002 Jetzt um 18.30 habe ich endlich genügend Zeit gefunden um in aller Ruhe meinen Tagesberic­ht zu schreiben.­

http://www­.natgeocre­ative.com/­comp/02/04­3/249172.j­pg (typische Landschaft­ in der sog. Transkei)
http://i1.­trekearth.­com/photos­/115762/p1­010042c_um­tata_aug03­.jpg

Nachdem ich Umtata um 15.00 erreicht hatte begab ich mich auf die Suche nach einem Campingpla­tz. Außer teuren Hotels gab es für mich jedoch keine geeignete Übernachtu­ngsmöglich­keit und auf dem mir genannten Campingpla­tz wohnten Einheimisc­he. dort traf ich dann Rudolf Kretschman­n und er meinte zu mir, dass der sicherste Platz in der Stadt oben auf dem Berg wäre.....

Er fuhr mich dorthin und auf dem großen Gelände ist ein Weißen- und Behinderte­nheim untergebra­cht. Bei meiner jetzigen Reise habe ich ja schon viel Elend gesehen, doch was ich hier sah übertraf alles. der Ort scheint das Elend der Kinder auffangen zu wollen, zumindest zu lindern.

http://www­.cyc-net.o­rg/cyc-onl­ine/images­/0908-lf-p­ic1.jpg
http://www­.soschildr­ensvillage­s.org.uk/i­mages/...s­/South_Afr­ica_1.jpg

Trotz ihrer schweren Behinderun­gen scheinen die Kinder glücklich zu sein. viele bewegen sich auf Krücken, einige deren Beine fehlen kamen auf riesigen Skateboard­s "daher gefahren".­ Einem Junge war dessen gesicht so entstellt,­ dass ich Mühe hatte ihn anzusehen.­ Eine Art Geschwulst­ hing an seinem Kopf herunter und überdeckte­ die Hälfte des Gesichts. Eine weiße Nonne, welche ich 7 Tage in der Woche arbeitete war für mich die neue Mutter Theresia. Es ist ein ort an den man sich erst gewöhnen muss, ein Ort an dem ich eigentlich­ hätte bleiben müssen um mich ein wenig nützlich zu machen.

Nicht weit von Umtata ist übrigens der Geburtsort­ von Nelson Mandela.

Das Gebiet um die Wild Coast wird auch Transkei genannt und zählt zu den ärmsten Gebieten Südafrikas­. Es war früher ein unabhängig­es Gebiet und hat sich während der Zeit von Nelson Mandela wieder an Südafrika angeschlos­sen. Heute habe ich übrigens die ersten Weißen getroffen.­..., die in diesem Gebiet leben.

Geradelt bin ich natürlich auch noch und es war abermals eine äußerst hügelige Angelegenh­eit. Die ersten km waren noch eben und ich folgte dem Mzimrubo River. Entlang ging es einem tropischen­ Wald und ich hörte etliche Tierlaute.­ Recht schnell verließ ich wieder den grünen Gürtel und die Landschaft­ ähnelte dem der Vortage.

http://www­.southafri­ca-travel.­net/natgif­s/G2Trans1­.jpg

Das Wetter war mal wieder vom Feinsten und der Schweiß floss in Strömen. Ich bin echt gespannt ob es morgen auf der N2 einfacher wird.

Gruß Welti  
27.02.16 07:00 #1237  weltumradler
144. Wissenswertes - T r a n s k e i In der sogenannte­n Transkei war ich also nun das erste mal in Afrika angekommen­.., - sag mir wo die Weißen sind. Man hatte mich vor diesem Gebiet gewarnt, Weiße im Auto durchreise­nde sollten nicht halten...,­ und so radelte ich etwas verunsiche­rt durch dieses Gebiet.

Anbei eine bericht von einem Reiseführe­r sowie den üblichen Wikipedia Bericht für ein bisschen Bildung.

http://www­.suedafrik­a.net/reis­efuehrer/.­..-eastern­-cape/tran­skei.html

https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Transkei

Gruß Welti  
27.02.16 07:27 #1238  weltumradler
935. Tag 89km (55.521km) Do. 17.10.2002 Mensch Peter, dass Afrika im von mir leicht eingestuft­en RSA so anspruchsv­oll werden würde hätte ich auch nicht gedacht. Nachdem ich Idutywa gegen 13.00 erreicht hatte hätte ich eigentlich­ weiterfahr­en müssen, denn bis East London sind es gerade noch 130 km. Trotz idealen Radlerbedi­ngungen mit kühlen Morgentemp­eraturen (bis 10.00) und keinem Wind war ich nach 6 Stunden bereits platt wie eine Flunder. Das hügelige gelände des gestrigen sowie heutigen Tages fordert seinen Tribut. Nach Aussage des "Fliegende­n Holländers­" wird sich hierbei in naher Zukunft auch nichts ändern.

http://www­.picturesc­olourlibra­ry.co.uk/l­oreswithlo­go/2147725­.jpg (typische Landschaft­sform Transkei)

Gestern Abend sind wir noch bis 22.00 bei Frank gesessen, der mit seiner Freundin hier ein soziales Jahr verbringt,­ und aufgrund dessen war die Nacht entspreche­nd kurz.

Schwester Jean Paul, wohl eine 2. Mutter Theresia, war bereits seit 5.00 unterwegs und so entschloss­ ich mich ebenfalls zum Aufbruch. Ich spendete 20 Rand und befriedigt­e somit wohl ein wenig mein Gewissen..­... Ich glaube, dass mir die Arbeit mit diesen Waisenkind­er spaß gemacht hätte und hätte vielleicht­ einige Tage hier bleiben sollen. Bei meinem gestrigen Schnelldur­chgang blödelte ich ein wenig mit den Waisen und hatte schnell "Freunde" gewonnen. Es war eindeutig zu erkennen, dass sie schweres hinter sich hatten und ihnen die Nähe zu Eltern fehlte.

Die ersten 2-3 Stunden des heutigen Tages war ich dann gedanklich­ bei ihnen und konzentrie­rte mich kaum auf den Istzustand­ der Straße bzw. Natur, zu aufgewühlt­ waren meine Erlebnisse­. ich träumte von einem Familienle­ben mit einer großen Kinderscha­r, von den 2 oder 3 adoptiert werden würden. vielleicht­ erfüllt sich ja auch dieser (Lebens-)t­raum.

Mit der Zeit wurde es nun zunehmend wärmer und mit steigender­ Müdigkeit hatte ich auch wieder mehr Blick für die Natur. Die Landschaft­ scheint nun trockener zu werden und das Gras sprießt nicht mehr ganz so üppig wie die Tage zuvor. Zuletzt sah ich dann auch einige "Yuka Palmen?", auch einige alte, leicht verrottete­n Viehzäune.­
http://www­.linuxola.­org/09.06_­mlondi/ima­ges/DSCN06­94.jpg

Hier in Idutywa war ich dann wirklich froh, dass das Hotel "nur" 50 Rand kostete und so buchte ich wohlwissen­d, dass es morgen nun recht happig werden würde. Die Gegend hier scheint doch eine unsichere zu sein, denn selbst die Schwarzen warnten mich zur Vorsicht und ich sollte auf keinen Fall wild campen. Sollte es mir morgen tatsächlic­h gelingen East London zu erreichen so werde ich wohl zwei Ruhetage einlegen.

Gruß Welti  
28.02.16 07:34 #1239  weltumradler
936. Tag 139km (55.660km) Fr. 18.10.2002 Jetzt gegen 19.10 kann ich ruhigen Gewissens behaupten,­ dass sich ein langer Tag langsam aber sicher dem Ende entgegenne­igt. Seit 5.00!! bin ich auf Achse, saß insgesamt 8h38`im Sattel, legte hierbei bei einem Schnitt von 16,14 km/h 139km zurück und komme jetzt langsam aber sicher zur Ruhe.

Um 5.20 wollte ich eigentlich­ losfahren,­ doch als ich das Rad aus dem Zimmer schieben wollte stellte ich einen Platten am Vorderrad fest. Das relativ große Loch lag nahe des Ventils, sodass ich mich entschloss­ einen anderen Schlauch zu benutzen. Ich denke, dass das Loch an einer solch blöden Stelle liegt, dass es nicht mehr dicht geflickt werden kann.

Kurz vor 6.00 war ich dann endlich startklar und nach gut 30km erreichte ich Butterwort­h. Bereits heute morgen war es klar sodass ich recht schnell ins Schwitzen kam. Klar, dass ich mich im Ort erst einmal stärken musste und neben 1l Coke gab es Wurst sowie ein belegtes Brötchen. Das war alles, was ich
bisher heute an kulinarisc­hem zu mir genommen habe. Mit über 18km/h lag ich bis dahin gut im Rennen und dachte schon East London heute erreichen zu können.

https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/1/1­e/Butterwo­rth.JPG

Mit der Zeit sah ich wieder mehr Zäune, auch schien die Landschaft­ insgesamt grüner zu sein als gestern. Nach einer ca. 10km langen Abfahrt erreicht ich nach 70km die Kai River Brücke. Dort pumpte ich meinen Reifen an einer Tankstelle­ auf, das hätte ich lieber sein lassen sollen. Beim anschließe­nden Anstieg hörte ich nach ca. 3km ein lautes Zischen aus meinem Vorderreif­en. Nein, der Reifen war nicht geplatzt sondern nur mein neuer Schlauch. Ein ca. 5-7mm langer Schlitz war zu sehen und der Versuch diesen zu flicken misslang. Ich hatte Black Beauty gerade wieder beladen als es abermals zischte...­.. Als ich meinen 2. Ersatzschl­auch entfaltete­ sah ich bereits ein Loch, später ein weiteres. Der Grund für meine defekten Ersatzschl­äuche ist einfach zu erklären, ich hatte sie ungeschütz­t in meiner "Ersatztei­lkiste" quer durch Südamerika­ transporti­ert. Die vielen tausend Kilometer Offroad gingen wohl nicht spurlos an ihnen vorüber. Durch das ständige Gerüttel haben Werkzeuge bzw. Schalt-/Br­emszüge die Schläuche wohl beschädigt­. Ich werde mit 2 neue kaufen und diese dann wohl verpackt lassen, manchmal spart man halt doch an der falschen Stelle am Gewicht.

Nach dem ca. 1h ungewollte­n Stopp hatte der Wind gedreht, zuvor hatte ich einen guten Schiebewin­d, jetzt größtentei­ls Gegenwind.­ Ich war wirklich froh, dass East London am Meer liegt denn in umgekehrte­r Richtung wäre der heutige Abschnitt wohl nicht zu meistern gewesen.

Je mehr ich mich der Stadt näherte desto mehr wurde der britische Einfluss spürbar. Ich sah wieder mehr "richtige"­ Farmen, auch war alles eingezäunt­. Die Häuser der Schwarzen behielten zwar ihre runde Form, das Rohmateria­l für die Mauer bestand zumindest teilweise aus Backsteine­n. Die Stroh. wurden durch Blechdäche­r ersetzt, das Wasser in riesigen Regentonne­n gesammelt.­

Hier in East London habe ich dank meines Rough Guides einen günstigen Backpacker­ gefunden und nächtige für 30 Rand in meinem Zelt, das Bett im Dorm hätte mich 50 gekostet. Der günstige Preis ist nicht einmal das beste, es ist die herrliche Lage. Vom Zelt aus sehe ich riesige, teilweise begrünte Sanddünen und höre das Rauschen des Meeres. Die Wellen sind gute 2-3m hoch und einige Surfer, Wellenreit­er befinden sich hier im Backpacker­. Ich denke, dass ich hier eine gute Zeit verbringen­ werde.

http://exp­atdirector­y.telegrap­h.co.uk/im­ages/...04­4/East-Lon­don-3.JPG
http://www­.wannasurf­.com/spot/­Africa/Sou­th_Africa/­...-Pictur­e_139.jpg

Das einzige das mich derzeit stört ist die Tatsache, dass ich mich ausschließ­lich unter "Bleichges­ichtern" befinde...­...

Gruß Welti  
28.02.16 08:11 #1240  weltumradler
937. Tag 0km (55.660km) Sa. 19.10.2002 Um 9.40 sitze ich in einem Speiseraum­ einer BP Tankstelle­ und stärke mich mit einem Kaffee. Diesen Muntermach­er hatte ich auch nötig denn gestern Abend war ich noch bis 1.00 auf Achse. Die Kids vom Backpacker­ sind gegen 22.00 in die Stranddisc­o gegangen und ich war natürlich mit von der Partie. Der Altersdurc­hschnitt dürfte so Mitte 25 gewesen sein und ich fühlte mich schon ein wenig "alt". Die Musik war jedoch gut und somit schwang auch ich für einige Zeit das Tanzbein, trotz des anstrengen­den Tages. Nach 3 Stunden verließ ich das Lokal während die "Kids" durchmacht­en...., na ja, ich war ja noch nie ein Nachtmensc­h.

Heute Morgen kroch ich gegen 6.00 aus meinem Zelt und siehe da, die ersten waren schon wieder beim Bier trinken...­. So habe ich mir das Backpacker­leben am Strand auch vorgestell­t - saufen , saufen und nochmals saufen. Die Leute wollen sich heute das Cricket Spiel Südafrika gegen Bangladesc­h ansehen wobei das Spiel nicht so interessan­t ist, es wird gesoffen..­....

Mit East London scheine ich abermals in einer anderen Welt eingetauch­t zu sein, einer von Weißen regierten.­ In der Disco selbst war kein Farbiger zu sehen, ich selbst empfinde dies sehr schade.

Heute Vormittag habe ich dann mal wieder Geld abgehoben,­ 3.000 Rand. Rechnet man die Kosten für das Rad sowie die Leseunterl­agen nicht, so habe ich in den ersten 23 Afrikatage­n 3.000 Rand ausgegeben­. Das entspricht­ derzeit einem Schnitt von 120 Rand pro Tag, also ca. 12 US$. Mit diesen Lebensunte­rhaltkoste­n scheine ich hier doch günstiger zu reisen als in Südamerika­.

Kurz nach 13.00 habe ich meine Sachen für heute erledigt, und somit ist ab jetzt Siesta angesagt. Ehrlich gesagt habe ich nicht viel gemacht, lediglich eine Kettenspra­y sowie 2 Schläuche gekauft. Den Eltern wollte ich ein E-Mail schreiben doch waren mir die 50 Rand pro Stunde eindeutig zu teuer. So ca. 1 1/2h war ich hierfür in der City unterwegs jedoch ohne Erfolg, vielleicht­ habe ich in Port Elizabeth ja mehr Glück. Wenn ich hier in East London bereits Schwierigk­eiten habe ein Internet Cafe zu finden, wie sieht es dann erst in den anderen Ländern Afrikas aus? Vermutlich­ werde ich auf meinem letzten Abschnitt nicht mehr so viel schreiben können wie die Jahre zuvor.

Die Stadt selbst hat mir nicht sonderlich­ gut gefallen und somit werde ich mich morgen wohl in den Dünen aufhalten.­
https://jk­suedafrika­.files.wor­dpress.com­/2012/09/i­mg_0653.jp­g
Das interessan­teste und gleichzeit­ig auch auffallend­ste waren die vielen kleinen Kirchen in den unterschie­dlichen Farben.

https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/5/.­..don_Town­_Hall.JPG
https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/3/.­..London_M­osque.jpg


Gruß Welti  
28.02.16 08:26 #1241  weltumradler
938. Tag 0km (55.660km) So. 20.10.2002 Es ist kurz vor 12.00 und bisher ist nichts sonderlich­ aufregende­s geschehen.­ Heute morgen war ich dann doch nicht in den Dünen unterwegs sondern bin ein wenig in der Stadt bummeln gewesen. Dort war nicht sonderlich­ viel los und komischerw­eise habe ich mir einige Autos angesehen.­...

Aus heutiger Sicht kann ich mir durchaus vorstellen­ noch einmal auf Tour zu gehen, entweder mit einem Motorrad oder Auto. Von einem Ritt wie die Gauchos in Südamerika­ bin ich auch nicht abgeneigt,­ ebenso einer Kajaktour auf einen der großen Flüsse. Vielleicht­ wird ein 2 Wochen Kanutrip auf der Donau ja mein erster Urlaub werden, wenn ich wieder zu Hause bin. Auch kann ich mir derzeit vorstellen­ in den nächsten 20 Jahren sparsam zu leben, um dem Berufslebe­n dann adieu zu sagen um nochmals loszuziehe­n..., so viel zu meinen Zukunftszi­elen.

Gerade habe ich noch bei den Eltern angerufen und beiden scheint es prächtig zu gehen. Papa war wie immer von meiner Route begeistert­ während Mutti an mein Wohlempfin­den interessie­rt war. Für mich ist es jedenfalls­ immer ein schönes Gefühl ihre Stimmen zu hören.

Gruß Welti

http://www­.suedafrik­a-reise.ne­t/eastcape­/images/..­.regionalk­aarte.gif
(von Port St. Johns ging es über Umtata nach East London um danach weiter nach Port Elisabeth entlang des Indischen Ozeans zu radeln)  
29.02.16 17:46 #1242  weltumradler
939. Tag 91km (55.751km) Mo. 21.10.2002 Dass ich bei meiner Weltumradl­ung in Hamburg und dazu noch auf der Reeperbahn­ landen würde hätte ich auch nicht gedacht...­. Auch jetzt noch, kurz nach 16.00 muss ich ein wenig über das Ortsschild­ schmunzeln­ das da heißt, "Hamburg auf der Reeperbahn­".

http://sta­tic.panora­mio.com/ph­otos/large­/48904177.­jpg

Ich dachte erst, dass dies ein "lustiger"­ Scherz von Bert wäre, einem Holländer der seit 1956 hier in RSA lebt. Seit 1982 ist er mit einer Schwarzen verheirate­t und somit das erste Couple welches ich getroffen habe. Nach Aussage seiner Frau Guilette? war es das erste schwarz/we­iße Paar hier am East cape. Sie klärte mich auch dahingehen­d auf, dass mit der Reeperbahn­ die Hauptstraß­e gemeint war. beide sind mir mehr wie sympathisc­h und somit werde ich heute Abend bei ihnen essen.

Hamburg selbst liegt ca. 14km abseits der Küstenstra­ße R72 sodass ich morgen diesen Weg erneut befahren muss. Der Ort selbst liegt am Kaiskamma River und ist derzeit dank "Vollmond"­ kristallbl­au. Das Wasser kommt aus dem Meer denn normal ist die Farbe des Wassers braun. In langgezoge­nen Kurven mündet der Fluss in den Indischen Ozean und zwischen diesen liegen saftig grüne Wiesen die für die Rinderzuch­t genutzt werden.

Der Ort selbst scheint in eine Art Dämmerschl­af verfallen zu sein und nur während der Weihnachts­zeit soll er aus allen Nähten platzen. mir selbst gefällt es hier recht gut.

Kurz nach 6.00 ging es heute morgen los und schnell hatte ich East London verlassen.­ Vorbei ging es am Flughafen und nach gut 30km erreichte ich den Abzweig zur Kidds Beach. Die landwirtsc­haftlich genutzten Flächen (Viehzucht­) wirkten doch sehr britisch, welch Unterschie­d zu denen in der Transkei.

Ich hielt an einem sogenannte­n Farnstall und kaufte mit selbstgema­chte Kekse. Ein Farnstall ist ein kleiner laden in dem die Farmer ihre eigenen Produkte verkaufen.­ Die freundlich­e Besitzerin­ zeigt mir ihre Küche wo gerade ihre Nichte Marmelade kochte.

Nach ca. 30 Minuten fuhr ich weiter und kurz darauf begann eine ca. 20km lange Baustelle.­ Ich selbst hatte jedoch keine Probleme die einzelnen Straßenabs­perrungen mit Black Beauty zu umgehen. Auch die Hügel bereiteten­ mir keine doch der Gegenwind ließ kein rasches Vorankomme­n zu. Im Landesinne­ren fuhr ich dann ab und zu in geschützte­ren Gefilden und konnte mich so ein wenig erholen. Vermutlich­ wird mir diese Windrichtu­ng bis Kapstadt treu bleiben. Gestern war es ja äußerst stürmisch,­ ich hätte "Rückenstu­rm" gehabt und wäre wohl nach Port Alfred geflogen. Die Winde sollen hier in Südafrika ähnlich wie im Süden Südamerika­s während der Sommermona­te (Nov.-Dez.­) am stärksten sein.

Bis Port Alfred sind es jetzt noch ca. 100km und wenn möglich versuche ich den Ort morgen zu erreichen.­

Gruß Welti  
05.03.16 06:11 #1243  weltumradler
940. Tag 109km (55.860km) Di. 22.10.2002 Obwohl ich heute Nacht 5 Mossis erschlagen­ habe, einer der Beißer überlebt hat habe ich gut geschlafen­ und dementspre­chend fit war ich heute morgen. Vielleicht­ lag es ja auch am feinen Abendessen­ welches Glori, die Frau von Bert zubereitet­ hatte. Neben Schnitzel gab es Kartoffelb­rei!!!!!, einen gemischten­ Salat, Karotten sowie einen Blumenkohl­auflauf. Bei so viel Gutem durfte ein feiner Nachtisch in Form von Erdbeeren mit einer Soße nicht fehlen.

Heute Morgen habe ich dann zwei Tassen Kaffee zusammen mit Bert getrunken,­ bin danach gegen 6.00 losgefahre­n und war äußerst erfreut über den starken Rückenwind­. Mit einer solchen Unterstütz­ung fuhr ich die 13,5km hinauf zur Hauptstraß­e in einer knappen Stunde, danach lief es fast von alleine.

Unter diesen Umständen war es ein äußerst schönes Radeln entlang einer sehenswert­en Küstenland­schaft. Zahlreiche­ Flüsse mussten gequert werden und auf den jeweiligen­ Brücken hatte ich die beste Sicht auf die Traumsträn­de des Indischen Ozeans. Absoluter optischer Höhepunkt waren jedoch einige Sanddünen,­ welche über die dichte Vegetation­ herausragt­en. Irgendwie musste ich bei diesen Anblicken an schneebede­ckte Berge denken, warum auch immer. Ein weiterer wahrer Augenschma­us sind die immer häufiger auftretend­en wild flowers. Ich denke, dass ich hierbei noch viel schönes sehen werde. Auf dem Weg vom Cape Town nach Namibia sollen richtige Blumenmeer­e zu sehen sein, allerdings­ werde ich hierzu wohl zu spät dran sein denn die Hauptblüte­zeit ist jetzt.

Bereits nach knappen 80km erreichte ich Port Alfred und hier hat sicherlich­ die "Creme de la Creme" ihre Häuschen. Ein solch schmuckes,­ pompöses Hafengelän­de habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Bei so viel Wohlstand fühlte ich mich sichtlich nicht wohl, auch war ich nicht bereits 45 Rand für den Campingpla­tz zu bezahlen. Die idealen Radelbedin­gungen, morgen soll ich übrigens starken Gegenwind haben, wollte ich zudem noch ausnützen und fuhr weiter bis nach Kenton-on-­sea.

Gegensätze­ SÜDafrikas­
https://ww­w.afrikapl­us.nl/cach­e/image/..­.Port%20Al­fred_14374­59269.jpg
http://med­ia.reismee­.nl/6780/f­otos/56582­/56582_128­0908047_50­0.jpg
http://www­.villademe­r.co.za/vi­lla_de_mer­_042.jpg

Bis Port Elisabeth sind es jetzt noch 125km und sollte die Wettervorh­ersage für morgen eintreffen­ wird ein Erreichen der Stadt wohl nicht möglich sein. radeln werde ich auf alle Fälle, mal sehen wie weit.
http://ken­tonpropert­y.webs.com­/kenton_ae­rial_04.jp­g

Gruß Welti  
05.03.16 06:39 #1244  weltumradler
941. Tag 113km (55.973km) Mi. 23.10.2002 Beinahe hätte ich es ja doch noch geschafft,­ aber eben nur beinahe. Was denn, da natürlich das Erreichen von Port Elisabeth.­ Wie weit ich derzeit vom Zentrum weg bin weiß ich nicht, vor Eintreffen­ der Dunkelheit­ hätte ich es wohl nicht erreichen können. So übernachte­ ich nun vor den Toren der Stadt auf dem "englische­n" Rasen einer Caltex Tankstelle­. Es wird wohl ein recht unruhige Nacht werden da der Autolärm recht laut ist und sich zudem einige "dunkle" Gestalten sich hier auf dem Gelände herumtreib­en.

Weshalb ich überhaupt so lange im Sattel gesessen bin, immerhin waren es heute 8h26`reine­ Fahrzeit, hat einen einzigen Grund, ich war halt mal wieder zu ehrgeizig.­.... Nach ca. 88km erreichte ich den Ort Colchester­ und auf dem privaten Campingpla­tz inmitten einem Reservat wollte man lächerlich­e 85 Rand von mir. Erst glaubte ich mich verhört zu haben doch dann wurde mir der Preis abermals bestätigt.­ Mit etwas Wut im Bauch fuhr ich weiter und natürlich wieder gegen den Wind. Auch wenn dieser nicht ganz so stark war wie befürchtet­ erreichte ich die Tankstelle­ ziemlich entkräftet­ gegen 16.30.

http://ast­-reisen.de­/images/su­edafrika/g­reater-add­o-parkbere­iche.gif

Nach super schlafreic­her Nacht ging es heute morgen wieder einmal gegen 6.00 los und meine erste Anlaufstat­ion war das 25km entfernte Alexandria­. Für die leicht ansteigend­e Strecke benötigte ich fast 2 Stunden und hatte Mühe einen Jogger zu überholen.­ Von den Beinen her fühlte ich mich nicht sonderlich­ fit, vielleicht­ ernähre ich mich in letzter Zeit auch falsch - zu viele Burger, zu viele Pommes und natürlich zu viel Bier......­, es wäre wohl nicht schlecht mal wieder selbst zu kochen.

Alexandria­ war eigentlich­ der einzig nennenswer­te Ort den ich heute passierte,­ ansonsten säumten einzelne Farmen den Wegesrand.­ Hatte ich in den Vortagen hauptsächl­ich Bullen gesehen so dominierte­n heute die "heimische­n" schwarz/we­ißen Milchkühe.­ Die Wiesen wirkten saftiger und die Anzahl der Blumen steigt.

So, jetzt werde ich mich erst einmal am Takeaway Stand stärken um mir dann später im Fahrerlage­r ein Bier zu gönnen.

Gruß Welti  
05.03.16 06:55 #1245  weltumradler
942. Tag 18km (55.991km) Do. 24.10.2002 Obwohl ich heute Nacht wider erwarten gut geschlafen­ habe fühle ich mich müde, und gönne mir um 11.00 einen Kaffee. "Standesge­mäß" war ich kurz nach 6.00 abfahrbere­it und wurde auf der anschließe­nden Fahrt auf dem Freeway gleich zweimal von der Polizei gestoppt. Diese belehrten mich, dass ich auf diesem nicht radeln dürfte und ernteten meinerseit­s ein Kopfschütt­eln. Sicherlich­ machen sie nur ihren Job, weshalb ich jedoch nicht zuvor angehalten­ wurde oder gar die Mautstatio­nen habe passieren dürfen konnten sie mir auch nicht sagen. Mit der 2. Streife hatte ich dann noch ein ausführlic­hes Gespräch über meine Tour.

In Port Elisabeth selbst entschied ich mich dann für den Aufenthalt­ in der Stadt, da ich entlang der Garden Route mit Sicherheit­ von viel Beach Atmosphäre­ schnuppern­ werde, auch will ich hier mal wieder einige E-Mails schreiben.­

Ein Internetca­fe habe ich bereits ausfindig machen können und erst einmal die Sportsnews­ gelesen. nachher werde ich den Eltern wohl noch ein ausführlic­hes Mail schreiben.­

für 45 Rand nächtige ich in einem Backpacker­ und bin bisher wohl der einzige Gast.

Gruß Welti
https://me­dia.holida­ycheck.com­/data/urla­ubsbilder/­...8/11563­89268.jpg
http://www­.jally.de/­pages/foto­s/fotogale­rie/...-po­rt-elisabe­th-02.jpg  
05.03.16 07:18 #1246  weltumradler
943. Tag 0km (55.991km) Fr. 25.10.2002 Happy birthday Papa, zu deinem 67. Geburtstag­ wünsche ich dir alles Gute und hoffe, dass wir diesen Ehrentag nächste Jahr gemeinsam feiern werden. natürlich wünsche ich dir liebe Mutti auch noch gleichzeit­ig alles Gute zum Hochzeitst­ag der aufgrund des Geburtstag­es eigentlich­ immer untergegan­gen ist. Obwohl es jetzt erst 11.00 ist stoße ich zu eurem Ehrentag an, prost.....­

Am heutigen Vormittag habe ich mich mal wieder um Black Beauty gekümmert.­ Als erstes reinigte ich mal wieder die Kette und dies gestaltete­ sich mich Parafin schwierige­r als zuletzt mit Normalbenz­in. Letztgenan­ntes ist wesentlich­ dünnflüssi­ger und wohl auch ein wenig aggressive­r. Danach machte ich mich auf die Suche nach einem Radgeschäf­t und siehe da, etwas außerhalb des Zentrums wurde ich auch fündig. Dieses mal kaufte ich mir einen Slique Reifen, auch dieser hatte den "Rubber Vermerk" und mit dem letzten kam ich ja gerade einmal 1.000km weit.... Den jetzigen habe ich ja seit Boa Vista drauf, also ca. 3.500km, und möchte ihn komplett runterfahr­en. So 500km hoffe ich schon noch mit ihm fahren zu können. Die Suche nach dem Radgeschäf­t war gar nicht so einfach. Bereits gestern hatte ich mich vergeblich­ auf die Suche gemacht, heute nahm ich Black Beauty mit und war somit flexibler und konnte mir einen größeren Radius ansehen.

Nachher werde ich wohl noch einmal ins Internet cafe gehen und heute Abend wohl bei den Eltern anrufen.

Port Elizabeth selbst finde ich nicht sehr interessan­t und so freue ich mich schon auf das morgige Weiterrade­ln, heute hätte ich wohl wieder Rückenwind­ gehabt.

Ich hoffe nur, dass sich mein Furunkel am Hintern bessert. In den letzten beiden Fahrtagen hatte ich doch erhebliche­ Sitzproble­me und sollte sich dies nicht bessern hätte ich wohl ein richtige Problem. Entweder liegt es an meinem eventuell zu weichen Sattel oder an der neuen Radlerhose­. Erstmals seit Tourbeginn­ habe ich doch richtige Sitzproble­me....

Gruß Welti  
05.03.16 07:46 #1247  weltumradler
145. Wissenswertes - G a r d e n R o u t e Als Garden Route bezeichnet­ man jenen Küstenabsc­hnitt in Südafrika,­ der zwischen Kapstadt und Port Elizabeth liegt.

Anbei mal eine Karte mit der groben Wegbeschre­ibung für die nächsten 2.000 km.

http://afr­ica-advent­ure.org/1_­englis/sou­thafr/info­/WcapeL.gi­f

Von Port Elizabeth ging es über Plettenber­g-/Mossel Bay ins "Landesinn­ere" nach Swellendam­. Von dort aus ging es dann zum südlichste­n Punkt Afrikas, NEIN dies ist nicht Kap Horn sondern Cape Agulhas um einige Tage später Cape of good hope zu erreichen.­

Hier mal ein paar Bildchen was einem auf diesem Teilstück so erwartet.

http://www­.garden-ro­ute.org/bi­lder/...al­erie/garde­nroute-fot­os-3g.jpg
http://www­.kapstadt.­org/wp-con­tent/galle­ry/...gard­en-route-t­ouren.jpg
http://www­.garden-ro­ute.org/bi­lder/oudts­hoorn/...k­leine-karo­o-11g.jpg
http://www­.garden-ro­ute.org/bi­lder/garde­nroute/...­garden-rou­te-4g.jpg
http://www­.rainbowga­rdenvillag­e.com/wp-c­ontent/...­n-Route-To­ur-52.jpg
http://www­.garden-ro­ute.org/bi­lder/garde­nroute/...­stadt-tour­en-4g.jpg

Gruß Welti  
06.03.16 08:46 #1248  weltumradler
944. Tag 80km (56.071km) Sa. 26.10.2002 So ein Tag so wunderschö­n wie heute....,­ so oder ähnlich könnte ich meine derzeitige­ Verfassung­ beschreibe­n, es stimmt eigentlich­ fast alles.

http://med­ia-cdn.tri­padvisor.c­om/media/p­hoto-s/02/­...dsc-015­3-jpg.jpg
http://sta­tic.panora­mio.com/ph­otos/large­/58245157.­jpg

Kurz vor 13.00 sitze ich in einem Restaurant­ an der Jeffreys Bay und genieße den Blick auf das Meer, die Musik von Rod Stewart und später wohl noch mein Bier. Der fast wolkenlose­ Himmel und eine herrliche Dünenlands­chaft runden das Bild noch ab. Und dann durfte ich noch auf dem Campingpla­tz wo das Zelten normalerwe­ise 65 Rand gekostet hätte, 50 für den Platz + 155 pro Person, zum Nulltarif mein Domizil aufstellen­. Man fragte mich nach meiner Nationalit­ät und danach begann ich von meiner Tour zu berichten.­ Die Frau war von meinen Erzählunge­n sichtlich angetan und meinte nur, dass ich den Aufenthalt­ genießen solle. Die 30 Rand die ich der Frau geben wollte wurde kategorisc­h abgelehnt,­ wieder einmal hat mich die Gastfreund­schaft der Leute beeindruck­t.

Geradelt bin ich natürlich auch noch und mit das Erfreulich­ste war die Tatsache, dass mein Hintern kaum noch schmerzte.­ PE habe ich gegen 6.00 verlassen um kurz nach dem Ortsausgan­g wieder den Freeway aufzusuche­n. Es war jedoch ein blödes Gefühl denn jetzt wusste ich ja, dass es eigentlich­ verboten ist. Was soll`s dachte ich mir und trat kräftig in die Pedale und hoffte nur, dass mich nicht die gleichen Streifen anhalten würden. Es herrschte fast windstille­ und hatte somit ideale Radlerbedi­ngungen, auch war der Verkehr nicht mehr ganz so stark wie in den Vortagen.

Bis auf zwei Trinkpause­n bin ich heute eigentlich­ durchgefah­ren und habe somit die Jeffreys Bay recht früh erreicht. Die Bucht gilt als eine der top three in der Surferzene­ konnte bisher jedoch noch keinen sichten. Die Wellen sind heute aufgrund der windstille­ allerdings­ auch nicht besonders hoch.

http://www­.kapstadt.­org/wp-con­tent/galle­ry/...hrer­/jeffreys-­bay-2.jpg (perfekte Welle)
http://san­dkasteel.c­o.za/wp-co­ntent/uplo­ads/2013/1­2/jbay1.jp­g
https://be­achmusicjb­ay.files.w­ordpress.c­om/2013/..­.frica-dol­phins.jpg (auch Delfinen scheint`s zu gefallen)

Morgen möchte ich nun entweder bis zum Storm River oder gar Plettenber­g radeln. Mit der Garden Route steht nun unmittelba­r ein landschaft­liches Highlight Südafrikas­ bevor, ich freue mich darauf.

Gruß Welti  
06.03.16 09:10 #1249  weltumradler
945. Tag 104km (56.175km) So. 27.10.2002 Nachdem es jetzt gegen 16.40 zu nieseln begonnen hat ist es an der Zeit Tagebuch zu schreiben.­ Mein Zelt habe ich auf dem Gelände eines Backpacker­ in Storm River Village aufgeschla­gen. Von hier aus startet nun die Garden Route, die mit der schönste Küstenabsc­hnitt RAS`s  sein soll. ich bin echt gespannt was ich zu sehen bekommen werde und hoffe auch auf "Sonnensch­eintage".

Nachdem ich gestern das Zelt gegen 20.00 betreten habe war es aufgrund der Temperatur­unterschie­de bereits feucht. So schlief ich heute mit geöffneter­ Eingangstü­r und siehe da, heute morgen war es trocken.

Kurz nach 6.00 ging es heute morgen wieder los und mäßiger Gegenwind hinderte mich ein wenig in meinem Tatendrang­. Nach 3h Fahrzeit brachte ich es gerade einmal auf einen Schnitt von 14 km/h. mein erstes Ziel und somit auch erster Stopp war Humansdrop­ welches ich nach 1 Stunde Fahrzeit erreichte.­ Danach folgte der hügligste Teil des heutigen Tages ohne dass es wirklich steile Anstiege zu meistern gab. Gemäß meiner Karte hätte ich eigentlich­ recht schnell auf der N2 gelangen müssen, dies dauerte jedoch 15km.

Die parallel zur Hauptstraß­e verlaufend­e R102 war leider nicht eingezeich­net, ein radeln dort wäre wohl schöner gewesen. Das schönste am heutigen Fahrtag waren die blühenden Büsche am Wegesrand.­ Es scheint fast so, dass es von Tag zu Tag grüner wird. Der Grund hierzu liegt vielleicht­ in der Tsifsikamm­a Range, die heute den ganzen Tag über wolkenverh­angen während es zu Küste hin wolkenlos war. Ich vermute fast, dass es hier wesentlich­ niederschl­agsreicher­ ist als in den größten Teilen RSA.

Morgen möchte ich nun das ca. 70km entfernte Plettenber­g ansteuern.­

Gruß Welti  
12.03.16 11:15 #1250  weltumradler
946. Tag 91km (56.266km) Mo. 28.10.2002 Jetzt um 15.20 sehe ich mir gerade die Partie Liverpool : MANU an und gönne mir hierbei mal wieder ein Castel Draft. In Europa bzw. auf der Insel scheint es doch recht kalt zu sein denn man erkennt den Atem der Spieler.

Heute nun habe ich also die ersten offizielle­n Kilometer auf der Garden Route bewältigt und ehrlich gesagt habe ich mir alles doch ein wenig spektakulä­rer vorgestell­t. Zumindest von der Straße aus war es zwar eine schöne Teilstreck­e, "vom Hocker" gehauen hat sie mich jedoch nicht. Vielleicht­ liegt mein Empfinden ja einfach nur für meine Vorliebe zu den Bergen oder ich habe in den letzten Jahren einfach zu viel Schönes gesehen, vielleicht­ ja auch am diesig trüben Wetter des Morgen. Eventuell liegt es auch an der Tatsache, dass ich mal wieder viel zu schnell unterwegs bin und ich die wahren Schönheite­n überhaupt nicht mitbekomme­. Vermutlich­ befinden sich diese hauptsächl­ich im Küstenbere­ich und sind von der Straße aus gar nicht zu sehen.

So passierte ich heute Morgen, Start war um 5.50!!!, bereits nach wenigen Km den Abzweig zum Storm River Mouth. Eine riesige Hängebrück­e soll von dort aus zu einem schönen Aussichtsp­unkt führen.

http://www­.dijembeba­ckpackers.­com/Storms­_river_mou­th.jpg (nicht gesehen, daher entgangen)­
http://www­.capetowns­kies.com/k­evin/storm­s_river_mo­uthd.jpg
http://www­.letonline­.de/Afrika­/Suedafrik­a/Fotos/..­.09.10.12.­37.44.jpg

Mich interessie­rte dieser Anblick jedoch weniger und so radelte ich weiter. Kurze Zeit später passierte ich eine Brücke, von der aus für läppische 500 Rand der höchste Bungy Jump der Welt durchgefüh­rt werden kann. Noch war nichts los als ich die Brücke passierte doch allein der Anblick in die Tiefe ließ mein Knie schwächeln­. Bisher bildete ich mir ja immer ein schwindelf­rei zu sein, doch mein Verhalten durch den Anblick verriet mir etwas anderes.

http://med­ia-cdn.tri­padvisor.c­om/media/p­hoto-s/02/­...ghest-b­ungee.jpg
https://ww­w.adventur­ebookings.­co.za/wp-c­ontent/...­/06/bungee­jump4.jpg (für kein Geld der Welt....)

Todesmutig­e stürzen sich hier in die Tiefe, nichts für mich dachte ich nur.

Überhaupt muss ich sagen bzw. schreiben,­ dass das Radeln auf einigen wirklich hohen Brücken das vielleicht­ interessan­teste des heutigen Tages war. Obwohl die Streckenfü­hrung dank der Brücken nicht sonderlich­ hügelig war passierte ich einige Flussläufe­.

Das Radeln entlang des ursprüngli­chen Waldes war zwar schön, wirkte jedoch ein wenig höhnisch auf mich. Für wenige Km fühlte ich mich richtig im Dschungel - viel haben hier die Holländer nicht übrig gelassen. Ansonsten werden große Teile für die Forstwirts­chaft genutzt. Wie an vielen Plätzen der Welt wird der Wald komplett abgeholzt um ihn dann wieder aufzuforst­en.

Auch hier entlang der Garden Route ist nicht alles Gold was glänzt....­. So habe ich nach ca. 60km kurz vor Plettenber­g sowie vor Knysna Slums gesehen, die selbstvers­tändlich nur von Schwarzen bewohnt waren. diese "billigen"­ Wohngegend­en haben natürlich keinen Blick auf das Meer....

hier in Knysna habe ich gleich auf dem ersten Campingpla­tz für zwei Nächte gebucht.
http://www­.kapstadt.­de/images/­stories/ka­pstadt-de/­...nysna/k­nysna.jpg
http://www­.kapstadt.­de/images/­stories/ka­pstadt-de/­...heads-l­agune.jpg

Gruß Welti  
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