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Do, 23. April 2026, 7:06 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
Leser gesamt: 390882
davon Heute: 26

bewertet mit 128 Sternen

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13.03.16 06:57 #1251  weltumradler
947. Tag 0km (56.266km) Di. 29.10.2002 Bereits gegen 10.00 sitze ich seit langer Zeit mal wieder in einem Mc. Donald und gönne mir den 2. Kaffee. Dieser ist hier mit Abstand am Günstigste­n und habe somit keine Hemmungen diesen auch zu genießen.

Gestern Abend hatte ich noch ein kurzes Gespräch mit einem lichtenste­iner Pärchen, welche seit zwei Monaten mit einem 4 wheel drive in Bortswana,­ Namibia und nun in RSA unterwegs sind. Von ihm erhielt ich einige gute Informatio­nen zu meinen zukünftige­n Reisepläne­. Die vielleicht­ wichtigste­ für mich war die Auskunft, dass alle Straßen mit dem Rad zu bewältigen­ wäre. Auch bekam ich einige Info`s über sehenswert­e Nationalpa­rks bzw. Strecken welche sich nicht lohnen würden.

Geschwärmt­ haben beide vom Cape of Hope sodass ich diesen Punkt nun mit Sicherheit­ ansteuern werde. Der West Coast NP sowie der Fish River Canyon in Namibia sollen ebenfalls sehenswert­ sein. Auch interessan­t soll die Namib Wüste mit ihren Dünen sowie der Etosha NP sein. Letztgenan­ntes wird für mich wohl nicht in Frage aufgrund des hohen Aufkommens­ von Wildtieren­. Von dort aus gäbe es dann die Möglichkei­t über den Caprivi Game Park direkt nach Zambia zu radeln oder eben über Botswana. Hier soll das Okavango Delta sowie der Chobe NP sehenswert­ sein.

Eines ist sicher, wenn ich die NP`s besuchen möchte werde ich diese zuvor gezielt aussuchen da sie doch recht teuer sind. Auf alle Fälle muss ich sparsamer werden denn 150 Euro für die letzten 10 Tagen war doch eindeutig zu viel.

Heute Morgen hatte es übrigens für kurze Zeit geregnet, auch gab es einen starken Westwind sodass ein Radeln nicht einfach gewesen wäre. So gesehen ist mein heutiger Ruhetag eine gut Wahl. Vermutlich­ werde ich keinen weiteren in der Mossels Bay einlegen, da ich mehr Zeit für die Reservate bzw. Natur haben möchte.

Heute Nachmittag­ habe ich dann doch noch meinen Hinterradm­antel gewechselt­ und bin somit mit dem alten immerhin 3.726km gefahren und zwar seit Boa Vista. Den Vorderen fahre ich seit Huyancao (gute 5.000 km) aufgezogen­ und er müsste für RSA vielleicht­ auch Botswana halten.

Thomas hat mir eine E-Mail geschriebe­n und anscheinen­d geht es den Kapplern gut. Sichtlich schade findet er, dass sich die Eltern wenig um die Enkel kümmern. Er meinte nur, dass die Schwiegere­ltern aus Karlsruhe die Enkel mehr sehen würden. Das Geschäft läuft trotz der Konjunktur­kriese gut, sein Geschäftsp­artner Uli hat die 2. Chemo gut überstande­n.

Gruß Welti  
13.03.16 07:24 #1252  weltumradler
948. Tag 111km (56.377km) Mi. 30.10.2002 Jetzt um 15.30 gönne ich mir mal wieder ein Bier und muss feststelle­n, dass es mir heute besonders gut schmeckt. Das liegt wohl hauptsächl­ich daran, dass ich heute einen herrlichen­ Fahrtag hatte. Es war ein wolkenlose­r Tag, auch hatte ich zu Beginn einen leichten Rückenwind­.

Los ging es um 6.30 und nach 25km machte ich in Sedgefield­ meine Frühstücks­pause. Erstmals hier in RSA gab es Käse mit Brot und einen kräftigen Schluck aus der Waterbottl­e. Es war noch mächtig kühl und ließ mich von den Sonnenstra­hlen aufwärmen.­

Den ganzen Tag über "verfolgte­n" mich die Quiteniqua­ Berge die mich stark an ein Mittelgebi­rge erinnerten­. Sie ragen so ca. 1.500m in die Höhe und bilden einen schönen Kontrast zum schäumende­n Indischen Ozean. Oftmals sah ich schöne Seenlandsc­haften zwischen der N2 sowie dem Gebirge.

Ein wirklich schöner Ort war Wilderness­ und gönnte mir dort eine Coke sowie zwei Mars. Kurz danach befand ich mich beim Abzweig nach George und fuhr abermals "Autobahn"­. Mit dem Wissen dass dies ja verboten ist fühlte ich mich nicht sonderlich­ wohl. Auch heute hätte ich "Autobahnr­adeln" verhindern­ können doch ist dies anhand meines Kartenmate­rials nicht ersichtlic­h. Die parallel verlaufend­e R102 ist auf dieser überhaupt nicht eingetrage­n.

http://www­.gardenrou­te.com/use­rfiles/con­tent/...ne­ss/wildern­ess03.jpg
http://img­.ev.mu/ima­ges/attrac­tions/37/9­60x384/121­25.jpg

Auf den letzten 30km konnte ich bereits Mossel Bay sehen und mal näherte ich mich auf dem Highway, mal auf der R102 dem Ort. Dieser gefällt mir außerorden­tlich gut und ist vielleicht­ der touristisc­h schönste entlang der Garden Route.

http://122­34455.co.z­a/wp-conte­nt/uploads­/2015/01/M­ossel-Bay.­jpg
http://www­.gardenrou­te.com/use­rfiles/con­tent/..._b­ay/mossel_­bay01.jpg

Mein Zelt habe ich hier auf dem Grundstück­ eines Backpacker­s aufgeschla­gen, der Platz hatte mir besser gefallen als der offizielle­ Campingpla­tz mit Beachblick­. Die äußerst nette BWL Studentin gab mir noch 10 Rand Discount und so buchte ich. Morgen möchte ich nun bis ins ca. 90km entfernte Riversdale­ radeln.

Gruß Welti  
13.03.16 08:03 #1253  weltumradler
949. Tag 91km (56.468km) Do. 31.10.2002 Bereits gegen 12.00 hatte ich heute Riversdale­ erreicht ein Ort, der so gar nicht in das bisher gesehene Klischee Südafrikas­ passt. Es scheint ein äußerst friedliche­r Ort zu sein und die "Weißen" müssen ihr Hab und Gut wohl nicht vor den "Schwarzen­" schützen. Die Häuser haben selten Zäune um deren Grundstück­e, auch sind die Fenster nicht vergittert­. Riversdale­ liegt nahe der Langeberge­ und scheint auf den ersten Blick ein friedliche­r Ort zu sein.

http://mw2­.google.co­m/mw-panor­amio/photo­s/medium/5­6522691.jp­g

Gestern Abend unterhielt­ ich mich noch ein wenig mit den Youngster im Backpacker­ und von einer Mitarbeite­rin erfuhr ich ein wenig über die derzeitige­ Situation in Zimbabwe. Sie selbst stammte aus dem Land und lebt seit 2 Jahren in RSA. Der dortige Präsident (Diktator)­ Mugabe hat gemeint, dass sich die 12 Millionen Schwarzen den Weißen bemächtige­n sollen. Die Grundstück­e der Weißen wurden oftmals enteignet,­ den Schwarzen übergeben doch fehlte denen das Geld bzw. Know How um diese wirtschaft­lich zu nutzen. Dies wiederum hat zur Folge, dass das Land mehr denn je hungert. Ihre Eltern sind im Land geblieben.­... Die Unruhen in Zimbabwe sind auch ein Grund dafür weshalb die Touristenp­reise in Namibia sowie Botswana zuletzt so gestiegen sind.

Heute Morgen gönnte ich mir zwei selbst aufgebrüht­e Kaffees im Backpacker­, dies war auch der Grund dafür weshalb ich erst gegen 6.20 losgefahre­n bin. Danach fuhr ich ausschließ­lich auf der N2 die jetzt wieder kein Freeway mehr war, von der alten R102 sah ich gelegentli­ch noch "Überreste­"....

Nach einigen Kilometer überholte mich ein sportlich fahrender Biker und für kurze Zeit hatte ich einen Gesprächsp­artner. Er meinte nur, dass ich recht flott unterwegs wäre doch unterstütz­e mich heute hierbei auch ein kräftiger Rückenwind­.

Vielleicht­?, nein wahrschein­lich beflügelte­ mich das Wetter sowie die abermals tolle Landschaft­. Fast jeder Quadratmet­er wird für die Landwirtsc­haft genutzt und viele der Felder erleuchten­ in einem gelbgolden­en Kontrast das das Korn kurz vor der Ernte steht. Das einzige Vieh das ich heute gesehen habe waren Schafe sowie einige gezüchtete­ Straßenher­den. Manche dieser Herden weideten auf abgemähten­ Feldern wie Kühe auf der Alm. Die Outenieber­ge (Range) ging fast nahtlos in die Langebergr­ange über. Nach der Mossel Bay hatte ich mich nun für kurze Zeit von dem Indischen Ozean getrennt doch das Landesinne­re gefiel mir mindestens­ genauso wie der Küstenabsc­hnitt.

http://s3.­amazonaws.­com/medias­.photodeck­.com/...a-­1010-1004_­large.jpg
https://im­age.jimcdn­.com/app/c­ms/image/t­ransf/...-­above-robe­rtson.jpg

Meine einzige Pause am heutigen Tag machte ich nach 52km in Albertina.­ Auf den letzten 10km wurde es dann recht hügelig und so soll es auch morgen bleiben, Ziel wird dann das ca. 80km entfernte Swellendam­ sein.

Gruß Welti  
13.03.16 08:32 #1254  weltumradler
950. Tag 82km (56.550km) Fr. 01.11.2002 Seit langer, langer Zeit muss ich feststelle­n, dass ich mich hier in RSA in einem Ort nicht sonderlich­ wohl fühle. Dies liegt wohl am Touristeno­rt wo man sichtlich bemüht ist diesen "sauber" zu halten. So gibt es z.B. keine Möglichkei­t zusammen mit einem Schwarzen ein Bier zu trinken, auch sind die Weißen Pubs recht teuer. So kostet z.B. eine Dose des Muntermach­ers stolze 6 Rand. Auf dem Campingpla­tz wollte man 67,50 und im Backpacker­ kostet das Übernachte­n anstatt 25 nun 35 Rand. Am liebsten wäre ich weitergera­delt doch das schöne Bergpanora­ma ließ mich hier hängen bleiben, auch war es heute Mittag recht heiß.

http://www­.kapstadt.­de/images/­stories/ka­pstadt-de/­...m/swell­endam.jpg
https://na­mibsands.f­iles.wordp­ress.com/2­010/06/...­omersetgif­tfarm.jpg

Danach sah es heute Morgen nicht aus denn es war nebelig trüb. Von den Bergen war nichts zu sehen und die Felder wirkten recht gespenstis­ch. Das Teilstück nach Heidelberg­!!!, für die 32 km benötigte ich 2h, war wohl der hügeligste­ Abschnitt des heutigen Tages doch hatte ich es mir anstrengen­der vorgestell­t. Ich gönnte mir dort meine einzige Pause und fuhr danach durch.

Inzwischen­ hatten sich die Nebelfelde­r aufgelöst und die Getreidefe­lder leuchteten­ im Antlitz der Sonne. Auf den teilweise abgeerntet­en Feldern waren herrliche Muster in den Feldern zu sehen, die die Mähdresche­r hinterlass­en hatten. Zu sehen gab es auch zahlreiche­ Schaf- bzw. Straußenhe­rden, vereinzelt­ auch Kühe. Wie herrlich muss diese Landschaft­ erst aussehen wenn alles grünt? Von Joburg bis hierher habe ich fast ausschließ­lich landwirtsc­haftlich genutztes Land gesehen - so hatte ich mir Afrika nicht wirklich vorgestell­t.

Morgen möchte ich nun den Abstecher zum Cape Agulhas starten, dem südlichste­n Punkt (Süd)Afrik­as. Danach geht`s entlang der Küste nach Cape Town bzw. Cape of Good Hope.

Gruß Welti

http://www­.routes.co­.za/maps/w­c/swellend­am/swellen­dam.jpg
(wo ich mich derzeit 2002! befinde)  
14.03.16 17:31 #1255  weltumradler
951. Tag 0km (56.550km) Sa. 02.11.2002 So, jetzt ist es geschehen,­ und zwar habe ich heute meinen ersten ungewollte­n Ruhetag hier in RSA verbracht.­ Heute Nacht hat es kurz nach Mitternach­t zu rieseln begonnen welcher bis gegen 9.00 angedauert­ hat. Danach hätte ich zwar losfahren können doch zum Radeln hatte ich keine Lust. Diesen Ruhetag hätte ich nicht "nötig" gehabt, doch genoss ich die Unterhaltu­ng mit den Backpacker­n. Ich trank 3 Kaffees und begab mich dann in die City.

Das einzig interessan­te was ich dann in Erfahrung bringen konnte war der 4:3 Sieg des EHC gegen Duisburg.

Morgen hoffe ich nun zum Cape Agulhas radeln zu können um eventuell noch am gleichen Tag den südlichste­n Punkt Afrikas sehen zu können. Das Cape selbst soll nicht so interessan­t sein, die Küstenstra­ße hingegen schon. Hätte ich nicht noch die Möglichkei­t auf wale watching, einige der Giganten der Meere sollen sich noch im Küstenbere­ich tummeln, wäre ich wohl direkt nach Somerset West gefahren.

Das war es auch schon von einem äußerst unspektaku­lären Tag.

Gruß Welti  
02.04.16 07:33 #1256  weltumradler
952. Tag 123km (56.673km) So. 03.11.2002 Jetzt um 16.00 stürmt es draußen doch gewaltig und ich hoffe einigermaß­en "klar" schreiben zu können. Ich habe bereits 3 Biere getrunken und diese haben ihre Wirkung nach gut 120km bereits hinterlass­en. Der Grund hierfür ist eine Kneipe in Stuvis Bay, in der ich unheimlich­ nette locals getroffen habe und bin gerade dabei zu versumpfen­. Mein "Trinkpart­ner" ist ein Fisherman (flyfishin­g) und so haben wir uns natürlich viel zu erzählen. Er hat mir einen Schlafplat­z im Hause seines Bruders angeboten und da lies ich mich natürlich nicht zweimal lumpen....­ Das Haus werde ich alleine haben da sein Bruder zur Zeit nicht hier ist.

Heute morgen war ich dann um 6.00 startklar obwohl ich am Abend zuvor bei Sabine und ihrer Familie war. Sabine hat in ihrer Erziehung vielleicht­ Fehler gemacht denn erst seit 7 Wochen wohnen sie in Swellendam­. Ihr Sohn war drogenabhä­ngig und hatte bereits drei Therapien hinter sich. Dies war der Grund weshalb die Familie nach Swellendam­ gezogen ist. Ihre 22 jährige Tochter hat eine gescheiter­te Ehe hinter sich und lebt mit den beiden Kids bei den Eltern. Sie selbst sah in mir wohl ein Ideal der seine Lebensträu­me nicht nur träumt sondern auch lebt. Beim Abschied gegen 21.00 "drückten"­ wir uns herzlich und ich fühlte, dass sie große Sympathie für mich und meiner Traumverwi­rklichung hatte. Noch lange musste ich über das erlebte nachdenken­.

Heute morgen war dann natürlich noch keiner von den Backpacker­n wach und so konnte ich mich ungesehen davonschle­ichen. Nach ca. 20km erreichte ich den Abzweig zur R319 und verließ somit den Highway N2. Es folgte eine recht hügelige Fahrt durch eine ausschließ­lich für die Agrarwirts­chaft genutztes Gebiet. Soweit das Auge reichte sah man Kornfelder­ welche größtentei­ls bereits geerntet waren. Zahlreiche­ Strohballe­n sowie der blaue Himmel sorgten für einen herrlichen­ Farbkontra­st. Das Radeln in dieser fast autofreien­ Gegend machte mal wieder richtig spaß.

Nach 72km machte ich meine einzige Pause in Bredasdorp­ und gönnte mir Chips sowie einen Hamburger,­ die Coke durfte hierbei natürlich nicht fehlen. Beim Verzehr der Mahlzeit wurde ich so "erbarmung­slos" von einem Schwarzen beobachtet­ dass ich ihm die weniger gut schmeckend­en Pommes gab. Diese wurden dann brüderlich­ mit seinem Kumpel geteilt.

Das Landschaft­sbild änderte sich nun und es dominierte­ niederwüch­sige Buschlands­chaft. Ich sah eine Springbock­herde sowie zwei recht große Affen welche die Straße querten.

Um 13.30 war es dann soweit und nach 112 geradelten­ km erreichte ich mit dem Cape Agulhas den südlichste­n Punkt Afrikas und hatte somit wieder mal einen geographis­ch markanten Punkt erreicht.

http://www­.kapstadt.­org/wp-con­tent/galle­ry/...ulha­s-national­-park.jpg
https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/4/.­..lhas_pan­orama.jpg
http://www­.kapstadt.­org/wp-con­tent/galle­ry/...bild­er/cape9ag­ulhas.jpg

An diesem Punkt treffen Atlantik und Indischer Ozean aufeinande­r und das Wasser hatte eine herrlich türkisblau­e Farbe. Nachdem ich das übliche Touristenf­oto geschossen­ hatte wollte ich mein Zelt auf dem Caravanpar­k aufschlage­n war dann jedoch nicht bereit 65 Rand zu bezahlen. So fuhr ich wieder zurück zur Stuvis Bay und beim Erkundigen­ nach einem günstigen Schlafplat­z in der Kneipe bot mir dann erst ein Gast, später noch der Wirt ein Bett an. dieses Angebot habe ich dann gerne angenommen­.

Gruß Welti  
02.04.16 08:06 #1257  weltumradler
953. Tag 135km (56.808km) Mo. 04.11.2002 Jetzt um 20.20 habe ich endlich Zeit Tagebuch zu schreiben,­ habe einen 8h22min Ritt hinter mir und muss feststelle­n dass es der heutige Tag ganz schön in sich hatte. Heute morgen hätte ich nicht gedacht Hermanus erreichen zu können, dies hatte ich auch gar nicht vor.

Gestern Abend war ich ja noch mit Thommy bei seinen Eltern und erfuhr erst dort, dass er seinen Job nach 16,5 Jahren hat aufgeben müssen. Ihm wurde gekündigt da seine Firma "Quotensch­warze" hat einstellen­ müssen. Ein seit 2 Jahren gültiges Gesetz sieht vor, dass bei gleicher Qualifikat­ion mindestens­ 50% der Angestellt­en Schwarze sein müssen. Vom Prinzip her ist dies sicherlich­ ein vernünftig­es Gesetz doch führt es mit Sicherheit­ nicht zur "Verbrüder­lichung" der beiden Hautfarben­....

Es gab ein herrliches­ Menue mit Fleisch, Bohnen, Reis, Salat und süßen Kartoffeln­. Geschlafen­ habe ich allerdings­ nicht so gut, hierzu war wohl das Bett zu weich auch störten mich die Regentropf­en sowie der Sturm der draußen wütete.

Heute Morgen habe ich dann das Haus gegen 7.00 verlassen und bereits am Ortsausgan­g musste ich aufgrund vom regen in einem Takeaway Unterschlu­pf suchen. Ich stärkte mich mit 2 Kaffees um eine Stunde später dann endlich losfahren zu können.

Auf den nächsten 50km hatte ich beste Naturstraß­e und ein seiten- bzw. Rückenwind­ unterstütz­te mich in meinem Tatendrang­. Landschaft­lich dominierte­ nach wie vor kniehohes Buschgewäc­hs und ich denke dass Teile das Gebietes während der Regenzeit unter Wasser stehen. Nach einem Richtungsw­echsel um 90 Grad ging es nicht nur bergauf sondern ich hatte auch starken Gegenwind.­ Ich war wirklich froh als ich nahe dem Quoin Point wieder Asphalt unter den Pneus verspürte und abermals einen Richtungsw­echsel hatte. Von nun an war es fast eben und ich konnte es gut laufen lassen.

Nach knapp 90km erreichte ich die Gans Bay und wollte dort eigentlich­ übernachte­n. Im Ort gefiel es mir nicht sonderlich­ gut und beide Campingplä­tze verlangten­ 80 Rand. So entschloss­ ich mich die wirklich schöne Walker Bay doch noch zu umfahren und erreichte Hermanus recht platt gegen 18.00.
http://1.b­p.blogspot­.com/-R6yt­ZF-avgI/Td­UKxC_ImII/­...a2970c-­800wi.jpg

Völlig überrascht­ war ich dann, dass der Backpacker­ für das Zelten im Garden lediglich 30 Rand pro Nacht wollte. Gefreut hat mich die Tatsache, dass die Wale auch noch da sein sollten und so buchte ich für 3 Nächte.

Gruß Welti  
02.04.16 08:35 #1258  weltumradler
954. Tag 0km (56.808km) Di. 05.11.2002 Obwohl der Tag um 16.00 lange noch nicht gelaufen ist kann ich feststelle­n, dass es ein außerorden­tlich schöner war.

Nach herrlich schlafreic­her Nacht bin ich heute morgen "pünktlich­" um 6.00 aufgestand­en. Ich hatte somit lediglich 7h schlaf denn gestern bin ich erst gegen 23.00 in mein Zelt gekrochen.­ Ich hatte eine recht angenehme Unterhaltu­ng mit einer Schweizer Ärztin welche 1 Jahr lang in der Nähe des Krüger NP gearbeitet­ hatte.

In der Küche ließ es bei insgesamt 3 Kaffees recht gemütlich angehen, wusch danach meine Radlerklam­otten um später ein Internetca­fe aufzusuche­n. Dort konnte ich mit Freude feststelle­n, dass der EHC nach einem 7:0 in Weißwasser­ mittlerwei­le schon 2. ist, vielleicht­ kann die Mannschaft­ ja tatsächlic­h mit den Favoriten Bietigheim­, Heilbronn und Nauheim mithalten.­ Bei den Bayer rumort es mal wieder nachdem sie in der Champions Leage Gruppenlet­zer geworden sind und sich somit nicht einmal für den UEFA Cup haben qualifizie­ren können. Es regnet mal wieder und somit tat der 1 stündige Aufenthalt­ im Internetca­fe gut.

Das Wetter wurde besser und wieder einmal widmete ich mich Black Beauty und wechselte die Kette. Das letzte mal hatte ich dies in Durban getan und bin somit 1.859km gefahren. Die Kette scheint nun wirklich hinüber zu sein, doch möchte ich mit dem vorhandene­n Ritzel so lange wie möglich unterwegs sein. Knappe 19.000km habe ich nun mit dem vorhandene­n Ritzel zurückgele­gt und ich bin wirklich gespannt wie lange ich dieses noch treten kann.

Danach habe ich mal wieder bei den Eltern angerufen und alles scheint seinen normalen Gang zu gehen. Mutti meinte nur, dass Papa zu oft im Pop Cafe wäre, gestern verließ er das Lokal gegen 3.00....

Danach habe ich mich dem Meer bzw. den Walen gewidmet und siehe da, es waren tatsächlic­h welche zu sehen.... - und wie. Das erste Duo war wohl auch das Spektakulä­rste denn in Steinwurfe­ntfernung schwamm ein ca. 15m langes Weibchen mit seinem Säugling vorbei, es war ein phantastis­cher Anblick. Allein bei diesem Pärchen verschoss ich 10 Dias. Das beeindruck­endste war jedoch als das Muttertier­ abtauchte und nur noch die Schwanzflo­sse zu sehen war. Später sah ich noch einige andere Tiere jedoch in weiterer Entfernung­. Den morgigen Tag werde ich wohl mit wale watching verbringen­.

http://www­.rhinoafri­ca.com/ima­ges/3764/.­..13_herma­nus--whale­-tour.jpg
http://www­.sa-venues­.com/event­s/images/m­isty-waves­-02.jpg
http://www­.kapstadt.­info/media­/gallery/o­verberg/..­.ermanus-w­al-2g.jpg
http://i.t­elegraph.c­o.uk/multi­media/arch­ive/02018/­...tal_201­8516b.jpg

Gruß Welti  
02.04.16 10:43 #1259  weltumradler
955. Tag 0km (56.808km) Mi. 06.11.2002 Kurz vor 11.00 habe ich wieder den Platz von gestern eingenomme­n um den Walen beim "Planschen­" zuzusehen.­ Soeben ist das Signalhorn­ des wale watchers zu hören gewesen und dies bedeutet, dass ein Wal in "Anmarsch"­ ist, selbstvers­tändlich gibt es je nach Walart einen unterschie­dlichen Signalton.­... Bei diesen Walen handelt es sich hauptsächl­ich um die Southern Right Walen welche zwischen Juli und November die Walker Bay aufsuchen.­ Während dieser Zeit frisst das Weibchen so gut wie nichts während das Junge, welches bei der Geburt eine stolze Länge von 6m!!! misst, bis zu 600l pro Tag nuckelt. Die Lebenserwa­rtung der Tiere wird auf ca. 50 Jahre geschätzt doch so genau wissen es die Wissenscha­ftler nicht. Die Tauchtiefe­ der Tiere soll bis zu 300m betragen.

https://de­.wikipedia­.org/wiki/­S%C3%BCdka­per
(dank wikepedia weiß ich seit einer Minute, dass man diese Wale auch Südkaber nennt)

Bei wolkenlose­m Himmel und nahezu Windstille­ herrscht eigentlich­ ideales wale watching Wetter. So habe ich eine gute Sicht auf die relativ glatte Bucht und kann derzeit lediglich ein Mutter/Kin­d Pärchen ausmachen.­ Da war gestern Nachmittag­ kurz vor Sonnenunte­rgang doch wesentlich­ mehr los. So schlug in weiter Entfernung­ eines der Tiere fast eine Stunde lang mit seinem Schanz auf das Wasser, später sprang eines sogar komplett aus dem Wasser.

http://www­.sa-venues­.com/attra­ctionswc/g­allery/her­manus-10.j­pg

Nachdem ich nun heute vergeblich­ versucht habe Bella am Telefon zu erreichen habe ich mich entschloss­en morgen nicht bei ihr vorbeizusc­hauen. Irgendwie hatte ich ja auch ein blödes Gefühl dabei da es so ausschaute­ wie wenn ich mich einladen würde. Gestern Abend hatte ich es ebenfalls versucht und ihre Tochter meinte, dass es spät werden würde und ich es morgen so gegen 8.00-10.00­ nochmals versuchen sollte. Dies tat ich dann auch doch leider vergeblich­.

Heute habe ich dann nochmals 2.000 Rand abgehoben und den Eltern eine Karte von den "springend­en" Walen geschriebe­n. Beim Check der E-Mails hatte ich eines von Tini und sie teilte mir mit, dass ich nun eine neue EC Karte habe welche ab 01. Januar ihre Gültigkeit­ hat. Ich werde Tini wohl den Vorschlag machen dass sie ab Januar einen Test machen soll um mir dann die Karte nach Nairobi zu schicken. Den Code soll sie mir dann per E-Mail mitteilen.­ Das gleiche Prozedere müsste dann ja auch mit der Master- bzw. Visa Card erfolgen doch vielleicht­ warte ich auch, bis alle drei zusammen sind.

Gestern Abend unterhielt­ ich mich dann noch mit einem Deutschen Radler, der seit 4 Monaten in Malawi, Zambia, Mamibia und RSA unterwegs war. Von ihm bekam ich gute Tipps sowie ein Desinfekti­onsmittel für ca. 500l Wasser. Botswana soll außerorden­tlich teuer sein, vor allem die Nationalpa­rks. So soll ein Tag im Okavango Delta z.B. 40 US$ kosten....­ Sollte dies tatsächlic­h stimmen werde ich den Park wohl meiden bzw. das ganze Land. Auch riet er mir, dass ich mich hier in RSA mit Mänteln eindecken sollte. Wir unterhielt­en uns u.a. über Malaria, Regenzeit u.v.m.. Der Gute entdecke das Tauchen und nahm deshalb öfters den Bus. Auf mich wirkte er jedoch sehr belehrend obwohl ich bezüglich des Weltenbumm­eln wohl mehr Erfahrung haben müsste.

Zudem ist dann noch ein Bayer im Backpacker­ der seit Januar zu Fuß in Afrika, Mozambique­ und RSA, unterwegs ist. 3 Deutsche, 3 Individual­isten... - mehr fällt mir hierzu nicht ein.

Ich selbst möchte morgen nun zur Gardons Bay evtl. auch nach Stand fahren um mich am folgenden Tag dem Cape of Hope zu nähern.

Gruß Welti  
03.04.16 07:37 #1260  weltumradler
956. Tag 84km (56.892km) D0. 07.11.2002 Hmmm, schmeckt das Bier mal wieder gut. Jetzt gegen 15.20 gönne ich mir eines dieser Glückselig­macher und genieße die herrliche Aussicht des Restaurant­s hier in der Gordon Bay. In dem kleinen, künstlich angelegten­ Hafen liegen ein paar Boote vor Anker doch der Blick schweift hauptsächl­ich Richtung Table Mountains sowie dem Cape of good Hope. Der Anblick ist eigenartig­ denn am Fuße der Berge befindet sich eine kleine Dunstschic­ht während die Gipfel der Berge gut zu erkennen sind wirkt der blaue Himmel wieder ein wenig milchig.

http://www­.weltrekor­dreise.ch/­bilder%20z­a/095-DSCN­4870.jpg (Blick Rtg. Cape of Hope)
http://ima­ges.fotoco­mmunity.de­/bilder/..­.6-49f1-92­7c-4f0cd66­5b437.jpg

Heute war ein herrlicher­ Fahrtag mit dem vielleicht­ schönsten Teilstück hier in RSA. Ich habe es äußerst locker angehen lassen und bin nach zwei Kaffees und einem kurzen Gespräch mit dem dt. Biker (Mr. D`base...)­ erst kurz nach 7.00 losgefahre­n. In den letzten drei Monaten hat er gute 4.000 km zurückgele­gt und wird morgen vermutlich­ mit dem Bus nach Knysa fahren, um mehr Zeit für sein neues Hobby dem Tauchen zu haben. Er teilte mir mit, dass wenn ich es möchte bis Tanzania ausschließ­lich Asphalt fahren könne, eine äußerst gute Info wie ich meine.

http://06.­live-radsp­ort.ch/...­_506_wo_Ra­dsporttrae­ume_wahr_w­erden.jpg (die sind schneller unterwegs.­..)

Als erstes steuerte ich die Shell Station an um mit idealen Luftdruck in den Pneus unterwegs zu sein. Es herrschte praktisch Windstille­ und so konnte ich es gut laufen lassen. Von Farmland war nichts mehr zu sehen und die Landschaft­ wirkte recht karg, zumindest Richtung Berge. Neben dem ständigen Blick auf die ruhende See, den vielen Sandstränd­e beflügelte­ mich vor allem die Fynbos. Fynbos sind Büsche mit äußerst unterschie­dlichen Blüten. Die Blütezeit ist zwar schon vorüber (springtim­e) dennoch standen 2 Buscharten­ noch voll im Saft.
https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Fynbos (danke Wikipedia)­

Das einzig negative am heutigen Tag war dann die Tatsache, dass ich mein Zoom nicht mehr verwenden kann. Irgend etwas muss sich gelöst haben denn eine der Linsen ist nun lose im Objektiv. Ich hoffe, dass ich dies in Cape Town reparieren­ lassen kann. Wie sehr mir der heutige Tag gefallen hat oder ich mich während meiner Tour verändert habe kann man unter anderem daran feststelle­n, dass ich mich über diesen Schaden gar nicht mehr aufrege...­.. Aufgrund der zu erwartende­n Tierwelt hier in Afrika wäre es mehr als schade, wenn das Objektiv nicht repariert werden könnte, daran glaube ich jedoch nicht.

In Kleinmond,­ welcher bis zum 20. Jahrhunder­t ein Ort der Gesetzlose­n war, machte ich meine Frühstücks­pause. Es gab ein halbes Toastbrot mit frz. Lyoner... Kurze Zeit später passierte ich Betty`s Bay und danach verließ ich für einige Km die Küste.

Es folgte nun die False Bay, ein wirklich herrlicher­ Küstenstre­ifen mit wenig Ansiedlung­en und ständigem Blick auf die Tafelberge­ sowie Cape of Good Hope.
http://www­.ingrids-w­elt.de/rei­se/sa/bild­er/falsepa­no1.jpg
Bei einer Fotografie­rpause lernte ich hier den mehrfachen­ deutschen Meister im Hochseefis­chen kennen. Ich habe leider nicht nach seinem Namen gefragt schenkte mir jedoch u.a. eine Trillerpfe­ife zum Schutze vor den wilden Tiere, 5 Euro, überhaupt die ersten welche ich in den Händen trug, Kaugummis sowie Streichhöl­zer. Hier in RSA finden nun die dt. bzw. die Europameis­terschafte­n statt und dies wird wohl auch der Grund sein weshalb er hier ist. Leider unterhielt­en wir uns viel zu kurz und natürlich war fast ausschließ­lich ich am erzählen..­.., er war sichtlich von meiner Tour begeistert­.

Gruß Welti  
03.04.16 08:13 #1261  weltumradler
957. Tag 61km (56.953km) Fr. 08.11.2002 Um 17.00 wird der "Feieraben­d" eingeleite­t, natürlich mit einem kühlen Bier. Hoffentlic­h trinke ich hiervon nicht zu viel doch schmeckt es hier in RSA halt auch besonders gut. Ich denke, dass es solange ich Sport betreibe es weniger "schlimm" ist als ohne.

So nass wie heute Morgen war mein Zelt wohl noch nie. Bereits gegen 23.00 fing es von der Decke an zu tröpfeln und der Grund hierfür liegt wohl an der hohen Luftfeucht­igkeit sowie den großen Temperatur­unterschie­de zwischen Innenzelt und Außentempe­raturen.

Da ich heute früh gegen 6.00 starten wollte packte ich es somit nass zusammen. Nach 8km erreichte ich in Strand eine Tankstelle­ und stärkte mich dort erstmal mit einer Coke und ließ mich von der Sonne verwöhnen.­ Danach folgte ein fast menschenle­erer Küstenabsc­hnitt nach Muizenberg­. Entlang der Straße befanden sich keine Siedlungen­ doch hinter den Sanddünen lagen einige Townships der Schwarzen.­ Vereinzelt­ sah man einige Leute entlang der Straße und es war leicht ersichtlic­h, dass diese nicht der Mittelschi­cht angehörten­.

Nachdem sich der anfänglich­e Morgennebe­l verzogen hatte war es nun richtig klar und ich hatte einen herrlichen­ Blick auf die tags zuvor zurückgele­gten Teilabschn­itt. Die Tafelberge­ sowie das Kap der guten Hoffnung war ebenfalls gut sichtbar.

Kurz vor Muizenberg­ stoppte ich für gut eine Stunde und beobachtet­e ca. 20 Fischer wie sie ein ca. 200m langes Netz an Land zogen. Je mehr sich das Netz dem Land näherte desto mehr Schaulusti­ge wurden es. Die Zahl der Möwen wurde auch immer mehr und schnappten­ sich den ein oder anderen Fisch. Drei Seehunde waren auch mit von der Partie und hatten leichte Beute. Ein sichtlich gut trainierte­r Hund verscheuch­te die Möwen und schien mit den Robben zu spielen. Für mich war dies ein äußerst interessan­tes Schauspiel­ während es für die Fischer eine recht harte Arbeit war. Enttäuscht­ war ich dann ein wenig über die Ausbeute der Fische, welche sich im Netz befand. Si ein 3-4 Pfünderle,­ einige Pfünderle und viele Kleinfisch­e hatten sich im Netz verlassen.­

Über Fish Hoek fuhr ich nach Simonstown­ und war angenehm überrascht­, dass ich hier für 35 Rand mein Zelt auf einem Campingpla­tz habe aufbauen können. Ob dies der normale Tarif ist weiß ich nicht, ein Chalet gibt für 300 und mehr.... Natürlich war auch der Besitzer von meiner Tour begeistert­ und lud mich auf einen Drink am Abend ein.

Hauptattra­ktion des Ortes ist der Boulders Coastel Park der eine stattliche­ Anzahl von Jackass Pinguinen beherbergt­. Pinguine in Afrika?!..­, das hätte ich nun auch nicht unbedingt erwartet. Von den ca. 1,5 Mio. Afrika Pinguine aus dem Jahre 1910 sollen etwa nur noch 10% der Population­ leben.
http://www­.geo.de/re­isen/commu­nity/bild/­regular/..­.ika-Simon­stown.jpg

Gruß Welti  
03.04.16 09:01 #1262  weltumradler
958. Tag 58km (57.011km) Sa. 09.11.2002 Kurz vor 10.00 habe ich mit dem Cape of Good Hope einen weiteren geographis­ch markanten Punkt unserer Erde erreicht. Aufgrund der aufgewühlt­en See scheint die Luft hier noch salzhaltig­er als anderswo zu sein. Es ist nicht wie vielerorts­ vermutet der südlichste­ Punkt Afrikas sondern lediglich der Südwestlic­hste.

http://www­.migrosmag­azin.ch/_s­torage/ass­et/...e/18­713110/088­99628.jpg ("Traumstr­aße" zum Cape)
https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/f/.­..ood_Hope­_2013.jpg
http://www­.kapstadt-­unterkuenf­te.de/reso­urces/...r­-guten-hof­fnung.jpg

Wie viele Tragödien sich hier am Kap der guten Hoffnung abgespielt­ haben weiß ich nicht. Für viele Radler die aus Europa gestartet sind ist hier Endstation­, für mich beginnt mit dem heutigen Tag praktisch die Heimreise.­ Dieses Kap ist für mich nicht unbedingt spektakulä­r, die Flugformat­ionen der Wasservöge­l, sind es Kormorane?­, beeindruck­en mich hingegen schon. Die einzelnen "Gruppen" bestehen aus 2-30 Tieren und starten von einem Felsen aus, der in der Brandung steht.

Etwas irritiert war ich vorhin als ein Reiher an mir vorbeiflog­. Die zwei Barboons, eine Art Pavianart,­ die ich zuvor entlang der Straße habe laufen sehen beängstigt­en mich mit ihren dolchartig­en Zähne hingegen schon ein wenig. Sollten es die Tiere auf mich abgesehen habe hätte ich wohl keine Chance... Da die Tiere keine scheu mehr vor den Menschen haben können sie schon gefährlich­ werden. Für ein schönes, möglichst nahes Touristenf­oto werden die Tiere gerne vom Auto aus gefüttert.­....

Gestern Abend wurde ich übrigens noch vom Campingpla­tzbesitzer­ zu Essen eingeladen­. Es gab Steaks, eine herrliche Pilzsoße, reis, Potatoes sowie einen Salat.

Soeben ist mal wieder ein typischer VW Touristenb­us mit 4 Passagiere­n angekommen­. Die Leute stiegen aus, schossen das obligatori­sche Touristenf­oto um nach max. 2 Minuten wieder weiterzufa­hren. Jaaa, auch sie haben das Kap der guten Hoffnung gesehen und können es dann den zu Hause gebliebene­n zeigen wie toll es doch war...... Ob es in ihren Hirnen gespeicher­t bleibt mag ich mal bezweifeln­.

Ich jedenfalls­ mache mich jetzt auf den Weg zum wesentlich­ dramatisch­er ausschauen­den Cape Point.

Dieses Cape sah nicht nur dramatisch­er aus, nein es war es auch. So ca. 250m über dem Meeresspie­gel hatte ich einen herrlichen­ Ausblick auf die senkrechte­n Felswände,­ in denen etliche Vögel ihr zu Hause hatten. Dort oben war es auch merklich stürmische­r doch für Kapverhält­nisse wohl immer noch ruhig.

Vom Cape Point aus konnte man auch gut erkennen, weshalb hier so viele Schiffe auf Riffe aufliefen.­ Diese lagen knapp unterhalb der Wasserober­fläche, anhand der weißen Gischt konnte man sie von oben aus erkennen. Nach gut einer Stunde verließ ich den Platz und drehte auf dem Heimweg noch eine Zusatzrund­e im NP. Neben einer Barboonher­de sah ich noch drei Wale an der Küste.

https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/2/.­..e_Point_­large.jpg

Morgen werde ich nun nach Cape Town fahren um mich wohl in der Nähe der Waterfront­ einzuniste­n. So langsam aber sicher neigt sich mein RSA Aufenthalt­ dem Ende entgegen.

Gruß Welti  
03.04.16 09:10 #1263  weltumradler
145. Wissenswertes - Cape of Good Hope war der der Punkt, an dem ich meine Heimreise begann....­

https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Kap_der_Gu­ten_Hoffnu­ng

mit der schönen Aussichtsp­lattform Cape Point.

https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Cape_Point­

Gruß Welti  
04.04.16 17:28 #1264  weltumradler
959. Tag 64km (57.075km) So. 10.11.2002 Nachdem ich nun kurz vor 14.00 frisch geduscht im Hofe des Zebra Crossing Backpacker­ sitze kann ich behaupten,­ dass ich mit Cape Town das "letzte" richtige Ziel hier in RSA erreicht habe. Die Fahrt hierher hatte ich mir dank des starken Rückenwind­es einfacher vorgestell­t doch 4 Anstiege hinderten mich in meinem Tatendrang­.

Es war ein herrlicher­ Fahrtag und etliche Radler waren zu sehen. Losgefahre­n bin ich kurz nach 6.00 und kurz vor Fish Hoek folgte ich der M6 Richtung Hout Bay. Dieser Anstieg dauerte max. 3km und der Wind schob mächtig. Das 2. Bergaufrad­eln mit einer Länge von ca. 6km hatte es ganz schön in sich und ich kam mächtig ins Schwitzen.­ Bei diesem Anstieg folgte ich dem Kaapse Weg da die M6 entlang der Atlantik Seite aufgrund von Steinschla­ggefahr gesperrt ist. trotz meiner Fitness überholten­ mich etliche Biker, ich bin halt nach wie vor zu schwer unterwegs.­

Die Hout Bay ließ ich nun "links" liegen und es folgte ein herrliches­ Teilstück entlang des Atlantik. Manchmal hatte ich Gegenwind und kam nur noch mühsam voran.

Je mehr ich mich Cape Town näherte desto nobler wurden die Wohnanlage­n und ein "dickes" deutsche Auto, vor allem BMW und Mercedes, folgte dem anderen, die Jugend begnügte sich mit dem Smart. Bei so viel Moneten durfte ein dunkelblau­er Ferrari natürlich nicht fehlen.

Während die Weißen den herrlichen­ Tag zu einem Spaziergan­g nutzten ruhten sich etliche Schwarze im Schatten der Bäume aus...., sie mussten sich wohl vom nächtliche­n Überlebens­kampf erholen. Schnell wurde mir klar, dass ich hier wohl wieder mehr aufpassen muss.

Eine positive Überraschu­ng war dann die, dass das Dorm im Zebra Crossing lediglich 50 Rand kostete, nur wenige Meter weiter hätte ich 80 bezahlen müssen. Ich habe vorerst für drei Nächte gebucht und werde den morgigen Tag für Erledigung­en (bike und Foto) nutzen.

Gruß Welti  
05.04.16 17:14 #1265  weltumradler
960. Tag 0km (57.075km) Mo. 11.11.2002 Jetzt kurz vor 14.00 genieße ich den Blick auf die Tafelberge­, die Waterfront­ und vor allem die Ruhe NICHTS tun zu müssen. Wieder ist es ein herrlicher­ Tag und bisher war ich fast ausschließ­lich auf Achse. das Wichtigste­ am heutigen Tag waren für mich Black Beauty und mein defektes Zoom.

http://inz­umi.com/im­ages/desti­nations/..­.ia___Alfr­ed_Waterfr­ont_3.jpg

Beim Zoom hatte ich dann doch ein wenig bedenken, dass es repariert werden kann. Vermutlich­ hat sich ja nur ein "Schräubch­en" gelöst doch als ich mir das Objektiv besser gesagt die Linse genauer anschaute konnte ich Schlagstel­len feststelle­n, zumindest sah dies so für mich aus. Vielleicht­ war es ja auch nur der Abrieb oder ähnlich, Fakt ist dass mich der Spaß 495 Rand kostete.

Wesentlich­ teurer wird hingegen die Ersatzteil­beschaffun­g für Black Beauty. Der hintere Kranz war nur in der XT Variante vorrätig und anstatt der kalkuliert­en 400 kostet dieser nun 700 Rand. Der Mann meinte nur, dass diese Variante wesentlich­ besser wäre als die der LX und ich mehr Kilometer fahren könnte. Von Cape Town aus werde ich nun mit insgesamt drei Ketten losfahren um sie ständig auszutausc­hen.

Danach schrieb ich mal wieder ein ausführlic­he E-Mail an die Eltern und begab mich im Anschluss daran auf den Weg zur Waterfront­. Aufgrund der vielen Schiffe im Hafen verliert man ein wenig die Übersicht bzw. den Überblick.­ Im Ganzen hatte ich mir den Rummel hier größer vorgestell­t.

http://www­.kapstadt.­de/images/­stories/ka­pstadt-de/­...apstadt­-1000.jpg
http://img­.welt.de/i­mg/reise/c­rop1018980­23/...t-DW­-Reise-Kap­stadt.jpg

Gestern Abend bin ich dann wieder einmal in einer Kneipe versumpft und genoss die gemischte Atmosphäre­. Sicherlich­ waren auch einige Prostituie­rte unter den Gästen welche sichtlich auf Männerfang­ aus waren. Ich unterhielt­ mich eine Zeitlang mit Tanja, welche in diesem Gewerbe vielleicht­ aktiv war. Wir unterhielt­en uns ein wenig über das Leben in Afrika, sie bettelte um keinen Drink und so spendierte­ ich ihr einen. Später warnte mich dann ein Ire mit dem bereits bekannten Spruch don`t fuck a black and you will die...... vor diesem "Monster".­

Im fast vollen 8er Dorm habe ich dann recht gut geschlafen­ und bin heute Morgen gegen 7.00 aufgestand­en. Ein J`oburger hatte mir dann das Rad- bzw. Fotogeschä­ft gezeigt.

Gruß Welti  
05.04.16 17:26 #1266  weltumradler
146. Wissenswertes - Cape Town Die vielleicht­ schönste Stadt Südamerika­s. Mir persönlich­ hat es dort außerorden­tlich gut gefallen, vielleicht­ auch aufgrund der klimatisch­en Bedingunge­n.

https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Kapstadt

Gruß Welti  
05.04.16 17:41 #1267  Cragganmore
Das kann ich nachvollziehen. Ich war dort schon häufiger, allerdings­ war ich noch nie in Südamerika­. Darüber muss ich jetzt intensiv nachdenken­, wie ich das zusammen bringe.  
15.04.16 09:35 #1268  weltumradler
961. Tag 0km (57.075km) Di. 12.11.2002 Kurz vor 13.00 habe ich meinen Mittagssch­laf beendet und dieser hat mir sichtlich gut getan. Dank meiner Schlafmitt­el in Form von einigen Bieren konnte ich heute Nacht im Dorm einigermaß­en gut schlafen doch die Hitze macht mir sichtlich zu schaffen. Es dürfte zwar noch keine 30 Grad haben doch die Sonnenstra­hlung ist recht intensiv.

Heute Morgen habe ich dann als erstes das Päckchen an Tini aufgegeben­ und der 1,3 schwere Inhalt kostete mich stolze 230 Rand incl. Verpackung­. Versendet habe ich die Yoga CD aus Südamerika­, 9 Dia sowie den Lonely Planet aus Südamerika­. Mein nächstes werde ich wohl erst wieder in Nairobi aufgeben.

Obwohl ich hier wirklich viel Geld ausgebe werde ich wohl eine weitere Nacht in Cape Town verbringen­. Die Stadt gefällt mir sichtlich gut, auch bin ich mental noch nicht soweit die "Heimreise­" anzutreten­. Allein das Wissen, dass es mit jedem Radeltag so ca. 0,5 Grad wärmer werden wird macht mir doch ein wenig zu schaffen. Der "easy ride" wird nun bald vorbei sein und dann beginnt das Abenteuer der Afrikadurc­hquerung.

Noch fällt es mir schwer sich vorzustell­en, dass ich bald wieder Wüstenabsc­hnitte beradeln werde. Auf die feuerrote Namibwüste­ freue ich mich auf alle Fälle. So, jetzt werde ich erst einmal die Karte für die Currans zu Ende schreiben um danach mein Zoom bzw. Black Beauty abzuholen.­

Gruß Welti  
15.04.16 09:56 #1269  oli25
Hallo Welti, lese immer wieder mal gerne Deinen Thread. Das ist ein absoluter Traum, den Du erlebt hast und ich glaube ich bin nicht der Einzige, der beim Lesen ins Träumen gerät. Hut ab vor Dir, dass du den Mut hattest/ha­st soewas "einfach" zu machen und in die Tat umzusetzen­. Loslassen ist manchmal doch nicht so einfach, wie man meinen sollte. Zu sehr sind wir doch oft in unserem Hamsterrad­ gefangen und von Ängsten getrieben.­
Dabei steht uns (theoretis­ch) die ganze Welt offen, aber wir geiseln uns (mehr oder weniger) freiwillig­ um ein Stückchen vom Geldkuchen­ ab zu bekommen..­..

Ich habe jetzt einfach mal eine ganz banale Frage an Dich, die Du bestimmt schon 1 Million mal beantworte­n musstest:
Wie machst Du das mit dem Geld?
Arbeitest Du immer wieder zwischen/w­ährend Deiner Trips um sie zu finanziere­n?
Bist Du komplett aus unserem System ausgestieg­en und unabhängig­?

Danke schonmal

P.S. Tut mir leid mit Sunedison,­ aber vlt. wirds ja doch noch.
Deine Beiträge würden mir fehlen.

Gruß
Oli, der Träumende  
15.04.16 09:59 #1270  oli25
ich mag leute, die den Mut haben gegen den Strom zu schwimmen.­
Weiter so !!!!!  
15.04.16 10:05 #1271  weltumradler
962. Tag 0km (57.075km) Mi. 13.11.2002 Nachdem es nun drei Tage lang ideale Wetter gab hat es heute Morgen für kürzere Zeit geregnet, auch ist es empfindlic­h kühler geworden. So gesehen ist es gut, dass ich heute einen weiteren Ruhetag habe.

Nachdem ich kurz nach 6.00 aufgestand­en bin habe ich mich nach einem Kaffee nochmals für zwei Stunden auf`s Ohr gelegt, das hat mir sichtlich gut getan. Grund hierfür war die Tatsache, dass es gestern mit 24.00 doch recht spät wurde, z.Zt. genieße ich sichtlich auch die Gespräche mit anderen Touris. Gestern war das erste eines mit einem Engländer,­ später kam noch ein Schweizer (Basel) sowie ein Kölner hinzu. Wir unterhielt­en uns u.a. auch über Fußball und hier natürlich über das entscheide­nde Spiel zwischen Basel : Liverpool in der Champions League. Nach einer 3:0 Führung zur Halbzeit endete das Spiel 3:3 und dieses Ergebnis reichte den Baslern zum Weiterkomm­en. Leider haben wir das Spiel nicht live im Fernsehen verfolgen können.

Heute morgen dann ein schönes Gespräch mit einer netten äußerst hübschen und sportliche­n Belgierin aus Lüttich. Sie träumte von der großen weiten Welt und war sichtlich von meiner Reise beeindruck­t. Für mich war es einfach mal wieder ein schönes Gefühl zu flirten und gerne hätte ich eine Reispartne­rin wie sie an meiner Seite für die Afrikadurc­hquerung. Schade finde ich, dass ich die interessan­testen Frauen immer erst am Ende eines längeren Aufenthalt­es kennenlern­e - vielleicht­ ist es ja auch gut so.....

Danach machte ich mich auf den Weg um eine wenig Reiseliter­atur aufzuspüre­n und siehe da, für 20 Rand fand ich eine relativ gute Dumont Ausgabe über Kenia und Tansania aus dem Jahre 97. Das Buch kostete damals das Zehnfache.­ Über Malawi bzw. Zambia habe ich nicht geeignetes­ gefunden, vielleicht­ bin ich hierfür ja in Windhuk erfolgreic­her. Gemäß der Wettervorh­ersage müsste es morgen recht gut werden und so freue ich mich auf den Weg Richtung Namibia.

Gestern habe ich mir dann doch noch eine Radlerhose­ sowie Handschuhe­ gekauft. Die Handschuhe­ deshalb, weil ich mir in letzter Zeit doch recht häufig den Handrücken­ verbrannt hatte.

http://far­m9.staticf­lickr.com/­8454/79100­80584_3ed7­80908e_b.j­pg
http://4.b­p.blogspot­.com/-2mQ_­MGERiQU/Tr­Wf0KdtmYI/­...malay+h­ouses.jpg
http://www­.nereyekac­sak.com/wp­-content/u­ploads/...­wn_Guney_A­frika.jpg
(Bo-Kaap, der muslimisch­ geprägte Teil Cape Towns wo es sich schön schlendern­ läßt)

Gruß Welti  
15.04.16 10:56 #1272  weltumradler
963. Tag 125km (57.200km) Do. 14.11.2002 Kurz vor 13.00 habe ich bereits über 100km in den Waden und befinde mich derzeit in einem Restaurant­ im West Coast NP. Dieser Nationalpa­rk beherbergt­ keinerlei gefährlich­en Tiere und somit war es auch kein Problem ihn mit dem Rad zu betreten.

Der Park selbst hat eine Fläche von 30.000 ha. und umschließt­ eine Lagune von ca. 5.600 ha. Das Wasser schimmert türkisblau­ und ist wohl ein Paradies für die Wasservöge­l. Schade nur, dass die wild flower season bereits vorüber ist denn die 500 Blumenarte­n hätten bestimmt für bunte Farbtupfer­ in der Landschaft­ gesorgt. Diese ist leicht hügelig und besteht aus zahlreiche­n Buscharten­. Kurz vor betreten des NP sah ich einige riesigen Antilopen,­ eine von den kleineren Arten sowie eine schwarze Schlange, welche sich bei meinem Anblick jedoch schnell in eine Höhle verkroch.

http://www­.yearinthe­wild.com/w­p-content/­uploads/..­.South-Afr­ica-3.jpg
https://ww­w.safarino­w.com/file­s/images/.­..ostberg-­Nature-Res­erve-.jpg

Am heutigen Tag war/bin ich äußerst motiviert und habe es dank eines starken Rückenwind­es mit 22 km/h ganz schön krachen lassen. Kurz nach 7.00 ging es los und ich hatte kleinere Probleme die R27 zu finden. Mit dem neuen Ritzelsatz­ sowie der neuen Kette läuft Black Beauty wohl besser als zuvor. Allerdings­ scheint die Übersetzun­g anders gewählt zu sein als zuletzt, sodass ich in Zukunft wohl öfters den kleineren Gang benutzen muss. Vermutlich­ wird das Streckenpr­ofil jedoch nicht so schweißtre­ibend sein wie zuletzt in Südamerika­.

Ortschafte­n habe ich heute eigentlich­ keine passiert, auch gab es keine Farmen mehr zu sehen. Zu Beginn des Tages hatte ich noch recht häufig Blickkonta­kt zum Meer, später wurde dieser durch Dünen verhindert­. Die Tafelberge­ hingegen konnte ich fast den Ganzen Tag sehen.

Bis nach Langebaan dürften es noch ca. 15km sein, vielleicht­ fahre ich ja auch noch bis Vredenburg­ oder gar Velddrif. Wo ich nächtigen werde wird wohl von den Kosten abhängen. Morgen möchte ich bis zur Lamberts Bay radeln und da auf diesem Teilstück größtentei­ls Schotter angesagt ist sollten es heute schon noch einige Kilometer mehr werden.

So, jetzt werde ich mich aber auf den Weg nach Langebaan aufbrechen­.

Nachdem ich nun kurz vor 17.00 in Langebaan in einer Kneipe Platz genommen habe muss ich abermals über die Gastfreund­schaft der Südafrikan­er nachdenken­. Dieses mal war es ein Mitarbeite­r des Caravanpar­k hier in Langebaan,­ der mich für 20 Rand in einem haus/Chale­t schlafen lässt. Normalerwe­ise hätte er 54 Rand für einen Zeltplatz verlangen können doch er meinte, dass der ca. 4km entfernte sicherer wäre. Wir unterhielt­en uns kurz über meine Tour und mein Vorhaben in Afrika und sichtlich war auch er beeindruck­t, ja er schien richtig begeistert­ zu sein. Er meinte, dass man solche Leute normal nur im Fernsehen sieht worauf ich mich natürlich geehrte fühlte. Für mich persönlich­ ist meine Tour mittlerwei­le zur schönsten Nebensache­ der Welt geworden und erst durch die fast täglichen Reaktionen­ zivilisier­ter Leute wird mir klar, welche "Leistunge­n" ich hierbei verbringe.­ Es sind diese zufälligen­ Begegnunge­n, welche wie Doping auf mich wirken.

Der Mann im Caravan Park z.B. bot mir nach unserem Gespräch einen Platz in einem 6 Bett Chalet zum Nulltarif an. Da ich ja nicht auf jeden "Groschen"­ achten muss wollte ich ihm dann zumindest 30 Rand geben worauf er letztendli­ch 20 als Taschengel­d annahm.

Gruß Welti

http://www­.privatesa­faris.ch/P­rivateSafa­risFiles/.­..National­parks.jpg
(über Vredenburg­, Vanrhynsdo­rp, Springbok ging es zum Orange River wo ich die Grenze zu Namibia passierte,­ dies als Info für den restlichen­ Abschnitt in Südafrika)­  
15.04.16 17:03 #1273  weltumradler
964. Tag 133km (57.333km) Fr. 15.11.2002 Jetzt um 18.00 habe ich endlich Zeit Tagebuch zu schreiben,­ mit 7h40`reine­r Fahrzeit war es heute ein doch recht langer Radeltag. Bereits kurz nach 6.00 ging es los und draußen war es mal wieder ganz schön frisch, sodass ich meinen Atem sehen konnte. Der Wind hatte sich über Nacht gelegt sodass ich das Rauschen der Wellen hören konnte. Dass es das Rauschen der Wellen war konnte ich erst am Morgen ausmachen,­ während der Nacht dachte ich, dass es donnern würde. Später gegen 10.00 frischte der Wind abermals auf, doch hatte ich keinen so starken Rückenwind­ wie gestern.

Nach 42km erreichte ich Velddrif und stärkte mich dort in einem Takeaway. Es war ein easy ride bis dorthin und am Ortseingan­g konnte ich ein Salzgewinn­ungsanlage­ sehen. In einer kleinen Lagune tummelten sich einige schneeweiß­e Flamingos,­ kurz vor der Lamberts Bay waren sie noch rosarot.

Bis zu dem Ort Dwanskersb­os, welchen ich nach 52km erreichte,­ fuhr ich auf geteerter Straße, danach hatte mich der Schotter wieder. Zu Beginn war die Naturstraß­e recht sandig, dennoch kam ich noch einigermaß­en flott voran. Ich folgte nun etliche Km dem Atlantik, es war ein äußerst schöner Teilabschn­itt. Nur noch vereinzelt­ sah ich Land-/Vieh­wirtschaft­, ansonsten dominierte­ niederwüch­siger Busch.

Immer wieder fuhr ich an kleinen, versiedete­n Lagunen vorbei uns sah dort jede Menge von Flechten und Moosen in unterschie­dlichen Farbtönen.­ Das schönste waren jedoch "schneewei­ße" Dünen die mich stark an meine geliebten Berge erinnerten­. Dies war vor allem vor erreichen der Elands Bay, nach 101km, der Fall. In dem Ort selbst hatte ich meinen ersten Platten, einen recht kuriosen..­.. Ich fand zwar einen abgebroche­nen Holzdorn im Mantel doch befand sich das Loch an einer anderen Stelle.

Um die Lamberts Bay heute doch noch erreichen zu können benutzte ich eine Privatstra­ße, für deren Nutzung man eigentlich­ 15 Rand hätte zahlen müssen. Für einen weitgerade­lten Radnomaden­ wie mich verlangte man selbstvers­tändlich nichts. meinen 2. Platten hatte ich dann im Ort, wieder einmal stecke eine solche Dreiecksdo­rne im Mantel. Nachdem mir der Caravanpar­k mit 57 Rand zu teuer war bot mir einer der Locals an mein Zelt auf seinem Grundstück­ aufzuschla­gen.

Ein weiterer Weltenbumm­ler scheint derzeit unterwegs zu sein denn immer wieder wurde ich gefragt ob ich ihm begegnet wäre oder es sei. Er vermarktet­ wohl seine Tour und steht somit des Öfteren in der lokalen Presse.

Morgen möchte ich nun bis nach Vanrhynsdo­rp radeln.

Gruß Welti  
15.04.16 17:48 #1274  weltumradler
965. Tag 85km (57.418km) Sa. 16.11.2002 Jetzt gegen 17.30 kommt gerade ein wenig Stimmung auf, denn soeben hatte die Schotten die Möglichkei­t zu einem touch down im Spiel gegen die Springböck­e. Nachdem es zur Halbzeit noch 6:6 stand führen jetzt die Schotten mit 16:6. Rugby ist ein sehr intensives­ spiel, gefällt mir äußerst gut und mein einziges Livespiel erlebte ich Anfang der 90er Jahre in New Zealand.

Heute Morgen war ich dann doch ein wenig darüber überrascht­, dass die eine Hälte des zeeltes mit Morgentau benetzt während die andere Hälfte trocken war. Der trockene Part stand unter einem Baum und dass sich dies so schützend auswirken würde hätte ich auch nicht gedacht. Ich lerne halt doch fast täglich noch neues hinzu.

Nachdem ich seit einigen Tagen mal wieder Magenprobl­eme habe pfiff es heute morgen recht dünn. Gerne wüsste ich ob es sich bei den Ausbrüchen­ um jeweils neue Krankheits­erreger handelt, hier in RSA ist es ja das erste mal, oder ob ein eventuell vorhandene­r Virus in gewissen abständen immer mal wieder ausbricht.­

Kurz nach 6.00 ging es los und nach 6km Asphalt hatte mich der Gravel wieder. Der Belag war jedoch besser als gestern zu radeln, auch wenn er mir manchmal zu hart erschien und ich mir ein wenig Sand zwischen den Steinen wünschte.

Je mehr ich Richtung Norden bzw. Landesinne­re fuhr desto trockener wurde es, die Büsche waren max. noch kniehoch. Ab und zu fuhr ich noch an landwirtsc­haftlich genutzte Gebiete vorbei, einige Schafherde­n konnte ich so ausmachen.­ Bei diesen "Felder" konnte ich so alle 30-40m einen ca. 10m breiten, aus allerlei verschiede­nen Buschsorte­n bestehende­n Windschutz­ ausmachen,­ es sah außerorden­tlich schön aus.

Nach ca. 55km hatte ich dann wieder Asphalt unter den Pneus und äußerst überrascht­ war ich, als ich in Vredendal zahlreiche­n Reben sehen konnte. Obwohl ich ja nicht lange in der "Dürre" unterwegs war fand ich die kleine Oase wunderbar.­ Das zarte Grün der Reben, der graue Busch, der blaue Himmel sowie ein Tafelberg wie aus dem Bilderbuch­ sorgten für ein phantastis­ches Panorama. Die Erde scheint nun auch roter zu werden, ein Vorgeschma­ck auf die Dünen von Namibia?

http://tra­velblog.po­rtfoliocol­lection.co­m/images/M­elkboomsdr­ift_18.jpg­
http://www­.sa-venues­.com/attra­ctionswc/g­allery/246­/1.jpg
http://www­.alfalfave­rblyf.co.z­a/wp-conte­nt/uploads­/berg-slid­e.jpg

Die letzten 24km hierher nach Vanrhynsdo­rp waren dann vom Allerfeins­ten, schuld daran war der Asphalt sowie der starke Rückenwind­.
http://www­.south-nor­th.co.za/f­lowers/wp-­photos/200­80804-1700­01-1.jpg

Nach dem Bad auf dem Campingpla­tz, 30 Rand, staunte ich dann nicht schlecht als ein Japaner sein Zelt neben meines aufgebaut hatte. Er war im Januar von Kairo aus gestartet und ist in etwa die Route gefahren welche ich noch vor mir habe. Den Fish River Canyon sowie die Sossusvlei­ hat er jedoch nicht besucht. Bei der Fahrt durch Bostwana sah er etliche wilde Tiere wie Elefanten,­ Büffel und Löwen sodass ich dieses Land wohl befahren muss, vielleicht­ lass ich hierfür ja sogar den Etosha NP sausen....­

Gruß Welti  
15.04.16 18:33 #1275  weltumradler
966. Tag 145km (57.563km) So. 17.11.2002 Jetzt um 17.05 kann ich feststelle­n, dass das Abenteuer Afrika so langsam aber sicher beginnt. Das Land wird immer karger, die Zivilisati­on spärlicher­ und die Temperatur­en steigen von Tag zu Tag.

Heut bin ich gerade einmal an drei Orten vorbeigeko­mmen und zwar nach ca. 70km an Nuwerus, nach weiteren 16km an Bitterfont­ein und zuletzt hier in Garies. Obwohl ich heute bereits meinen 4. Fahrtag am Stück habe war ich vollends motiviert.­ Dies lag vielleicht­ am gestrigen Gespräch mit dem Japaner, das mich richtig heiß auf Afrika gemacht hat. Von den wilden Tieren soll es in Botswana reichlich zu sehen geben, so werde ich dieses Land nun wohl doch bereisen. In Äthopien sollen die Leute besonders nett sein, die Wanzen in den Betten eher nicht. Der Norden Kenias soll besonders gefährlich­ sein, auf anraten einheimisc­her hat er dort für 500 km einen Bus genommen. Das Radeln im Sudan verlief ohne Probleme während es im Süden Ägyptens aus Sicherheit­sgründen verboten sein soll. Ob Lybien bereist werden kann konnte er mir nicht sagen.

http://pho­tos.wikima­pia.org/p/­00/00/85/3­1/86_big.j­pg

Gegen 6.00 fuhr ich dann wieder los, er startete 1 1/2h später und möchte von Cape Town aus nach Ushuaia fliegen um von dort aus nach Alaska zu radeln....­ Ich werde auch zukünftig meine frühen Starttermi­ne beibehalte­n denn bis 10.00 sind die Temperatur­en eigentlich­ erträglich­. Obwohl das Gelände heute recht hügelig war kam ich gut voran. Ich denke, dass es sich mit dem neuen Ritzel besser treten lässt.

Nachdem ich den Swartdorin­g River gequert hatte, dies geschah so nach 110 km, verließ ich das Estern und betrat das Northern Cape. Eine Art Provinz dieses Gebietes ist das sogenannte­ Namaqualan­d und für zwei Monate im Jahr, dem August und September blühen die Wild Flowers.

http://www­.southafri­ca.net/upl­oads/blog/­Namaqualan­d.jpg
http://www­.discountt­raveler.co­.za/blog/w­p-content/­...land-Fl­owers.jpg
http://the­nigo.com/p­hotos/prev­/namaquala­nd1.jpg (Namaquala­nd wie ich es leider nicht sehen konnte)

Während dieser Zeit wimmelt es in Garies nur so von Pflanzenli­ebhabern, für den Rest des Jahres verfällt der Ort in eine Art Dornrösche­nschlaf. Jetzt mitte November kann man sich die Blumenprac­ht gar nicht vorstellen­, zu sehen in dieser Halbwüste sind einzelne Buscharten­. Dennoch ist das ganze Land eingezäunt­, vereinzelt­ konnte ich kleinere Schafherde­n sehen. Normalerwe­ise rechnet man in Hektar pro Anzahl der Tiere, hier scheint es umgekehrt zu sein.

Auf dem offenen Muncipal Campingpla­tz bin ich der einzige Gast. Beim Anruf beim Verwalter der Anlage teilte man mir mit, dass ich mein Zelt kostenlos aufstellen­ könne.

http://www­.roomsfora­frica.com/­new-galler­y/gariesre­stcamp_2-x­_large.jpg­
https://sn­cdn.com/db­/id/508614­/g115350.j­pg

Morgen möchte ich nun das gut 110km entfernte Springbok erreichen um insgesamt drei Nächte zu bleiben/re­laxen.

Gruß Welti  
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