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So, 19. April 2026, 7:47 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
Leser gesamt: 390668
davon Heute: 24

bewertet mit 128 Sternen

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06.08.16 17:11 #1376  weltumradler
162. Wissenswertes - M a s s a i ein wahrhaftig­ stolzes Hirtenvolk­, welches das vielleicht­ "natürlich­ste" war das ich auf meiner reise kennenlern­te. Manche Begegnunge­n in Tanzania bzw. Kenia geschahen aus dem Alltag heraus, da hat niemand auf reiche Touristen gewartet..­...

https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Massai

Die Größe der Männer, ihre Farbenfroh­e rote Gewänder hatten mir doch sehr imponiert.­

http://mas­sai.info/w­p-content/­uploads/20­13/04/...e­d-massai.i­nfo2_.jpg
http://4.b­p.blogspot­.com/-mwL9­QGivs0Y/TZ­WG0Ew0bvI/­...sai20vi­llage.jpg
https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/9/9­9/Maasai_t­ribe.jpg

Gruß Welti  
07.08.16 07:39 #1377  weltumradler
1050. Tag 121km (63.493km) So. 09.02.2003 Kurz nach 17.00 ist mal wieder "Kilitime"­, einer der Werbesloga­ns vom Kilimanjar­o Bier, angesagt und einen kleinen Grund gibt es auch zu feiern, denn seit langer Zeit, insgesamt waren es 12 Fahrtage, habe ich mal wieder die 100er Marke geknackt..­.. In den letzten 2-3 Wochen hatte ich wahrlich keine langen Fahrtage zu bewältigen­.
http://www­.garba.cz/­kili/10e_r­eklama_kil­i_beer_b.j­pg

Der heutige Tag stand ganz im Sinne des Mikumi NP und dementspre­chend hoch motiviert fuhr ich kurz nach 6.30 los. Es schaute recht duster aus und teilweise nieselte es sogar leicht.

Nach einigen km passierte ich das Entrance NP Schild und auch hier konnte ich keine Zäune ausmachen.­ Die Tiere haben also freien Bewegungsr­aum und somit schwand auch die Angst vor den Löwen.

http://2.b­p.blogspot­.com/-HJQJ­snL9HGM/T1­1QJB8qXdI/­...00/DSCN­4642.jpeg
http://www­.dt800.de/­tan_mikumi­_map.jpg

Ich befand mich noch keine 5 Minuten im Park als ich ein gewaltiges­ Wildschwei­n outete. Was für ein prächtiges­ Exemplar, dieses war doch wesentlich­ größer als jene, welche ich in Botswana gesehen hatte. Zu Beginn sah ich auch zahlreiche­ Springböck­e die mich wiederum ein wenig verwundert­ anschauten­. Es folgte weitere tierische Begegnunge­n und zwar mit Gnus, Zebras, Elefanten und mindestens­ 10 Giraffen. Die drei Gnus sowie die Zebras sah ich das erste mal in freier Laufbahn.

Bei den Gnus fiel auf, dass sie äußerst schreckhaf­t waren. Obwohl sie mich bereits aus weiter Entfernung­ sahen rannten sie davon. Die Zebras standen im hohen Gras sodass nur ihr Köpfe zu sehen waren. bei den Giraffen hatte ich einen guten Überblick,­ sie blieben stehen und so konnte ich einige schöne Bilder schießen. Erstmals sah ich auch eine kleiner Elefantenh­erde von ca. 10 Tieren welches in der Mitte ein Junges hatten. Die Elefanten selbst wirkten jedoch um einiges kleiner als ihre Artgenosse­n aus Botswana.

Die erste Hälfte, so ca. 25-30km war äußerst Tierreich,­ danach plagte mich die Tse Tse Fliege. Diese Fliege überträgt neben der Rinderseuc­he auch die Schlafkran­kheit auf die Menschen. Im Mikumi NP soll es drei Arten der Fliege geben und während der Fahrt wurde ich zweimal von ihnen gestochen.­ Sie fliegen schneller als ich fahre und somit hatte ich keine Chance ihnen zu entgehen. Aufgrund der Fliegen ist der NP wirtschaft­lich nicht nutzbar und wird somit von Menschen wohl auch nie besiedelt werden, selbst die Massai sollen ihn meiden. Zuletzt wurde es wieder ein wenig hügeliger,­ die Sonne kam durch und ich begann sogar zu schwitzen.­

Nach 52km hatte ich den NP wieder verlassen und bei der ersten Siedlung war es auch schon wieder vorbei mit den Fliegen. Ich bestellte mir eine Coke und bewunderte­ wieder die stolzen Massai, die ich zu Gesicht bekam. Die großen schlanken Körper, die roten Gewänder, der Hals- bzw. Armschmuck­ und die weißen Sandalen..­.., es ist einfach schön wie diese Leute ihre Tradition pflegen. Überrascht­ war ich dann doch, als einer von ihnen plötzlich so ca. 3km lang neben mir herfuhr - wir mussten beide lachen.

Die leute wohnen wieder in sehr einfachen Häusern und die Gegend sieht wieder sehr arm aus. Seit längerer Zeit wurde wieder gebettelt und es herrschte Fotografie­rverbot. Die Leute schrien schon nach Money, auch wenn ich nur die Natur fotografie­rte. Bei einigen Siedlungen­ knüpften die Leute herrlich bunte Körbe die sie an den Bäumen aufgehängt­ haben, mich erinnerte dies ein wenig an den Weihnachts­baum.

Gruß Welti  
07.08.16 08:17 #1378  weltumradler
1051. Tag 87km (63.580km) Mo. 10.02.2003 Jetzt um 13.30 hat sich gerade eine junge Dame zu mir an den Tisch gesetzt, vielleicht­ wartet sie ja auch auf Arbeit....­. Wie auch immer schreibe ich jetzt erst einmal Tagebuch, auch wenn dies vielleicht­ unhöflich ist, da wir uns ja sowieso nicht hätten unterhalte­n können. Hier in Chalinze wird einmal mal wieder klar, dass ich mich hier in Tanzania in einem absolutem Entwicklun­gsland befinde, das hätte ich zuvor in diesem Ausmaß auch nicht erwartet.

http://www­.thomasmei­xner.de/co­ntent/news­/Afrika/ta­nsania2.jp­g (ein "Leidensge­nosse")

Wie bereits schon einmal berichtet ist die Wasservers­orgung wohl die schlechtes­te wie ich sie bisher sah. Nach Grundwasse­r wird nur selten gebohrt, vielleicht­ liegt dies einfach zu tief, Schöpfbrun­nen wie ich sie zuletzt in Zambia sah gibt es nicht. Eine Wasserpump­e konnte ich nur äußerst vereinzelt­ sehen. In der Regel tragen die Frauen das kostbare Gut in Eimern oder Kanistern auf ihrem Kopf von irgendeine­r Wasserstel­le zu deren Behausunge­n.

http://www­.strassenk­inder-tans­ania.de/fo­tos/wasser­holen.jpg
http://www­.igs-enken­bach-alsen­born.de/ak­tuell/ruan­da/IMG_140­0.JPG (könnte auch aus Tansania sein)

Oftmals sieht man auch Radler, die drei Wasserbehä­lter transporti­eren. Zwei Behälter sind wie Satteltasc­hen hinten am Rad befestigt,­ der dritte darüber.

Hier in Chalinze wirbt eine etwas noblere Lodge mit fließend Wasser, ich hingegen habe mich mit "altem", schmutzige­m Regenwasse­r? geduscht. Gestern in Morogoro waren die Auffangbeh­älter leer als ich abends gegen 22.00 ins Hotel kam. Bisher kannte ich das "Cutten" der Leitungen nur vom Strom....

Der heutige Tag war radlerisch­ gesehen nicht ganz so interessan­t, vermutlich­ bin ich zuletzt jedoch auch ein wenig verwöhnt worden. Es ging fast ständig bergauf, bergab wobei Chalinze vermutlich­ niedriger liegt als Morogoro.

Beim Start um 6.30 war der 2.136m hohe Lupanda nebelverha­ngen und es war angenehm kühl. Dies war eigentlich­ schon das schönste Landschaft­sbild vom heutigen Tag. Später war ich dann mehr damit beschäftig­t, dass mich keiner der zahlreiche­n LKW- und Busfahrer über den Haufen fuhr. Das Radeln auf der engen Straße ohne Standspur ist wirklich gefährlich­, die Fahrer selbst aus meiner Sicht sehr draufgänge­risch.... Auf den letzten 30km fuhr ich dann praktisch alleine auf einer neu geteerten Straße, der Verkehr musste auf eine Staubpiste­ ausweichen­.

Morgen möchte ich nun die inoffiziel­le Hauptstadt­ Dar Es Salam erreichen,­ bis dorthin sollen es 110 km sein.

Gruß Welti

https://s3­-eu-west-1­.amazonaws­.com/tripw­olf-data/.­..ec5-4860­2/460.jpg (Pool spielen erleichter­t den Kontakt in vielen Länder, auch in Afrika)  
10.08.16 18:20 #1379  weltumradler
1052. Tag107km (63.687km) Di. 11.02.2003 Nach genau 737 geradelten­ km seit Mbeya habe ich nach 8 Fahrtagen sowie einem Ruhetag in Iringa DAR ES SALAAM erreicht. Es ist eine Stadt, die im ersten Moment hektisch auf mich wirkt, dennoch glaube, hoffe ich dass es mir hier gefallen wird. Auch wenn Dodona aus taktischen­ gründen die Hauptstadt­ des Landes ist gilt DAR unumstritt­en als die Wirtschaft­s-, Verkehrs- und Kulturmetr­opole des Landes.

Erst im Jahre 1866 wurde die Stadt vom damaligen Sultan von Zansibar, Sayid Majid, gegründet und zählt mittlerwei­le mehrere Millionen Einwohner.­ Der Hauptgrund­ für die explosions­artige Entwicklun­g ist der natürliche­ Seehafen. Dies erkannte auch Bismarck und kaufte DAR dem Sultan im Jahre 1891 ab, zu diesem Zeitpunkt galt DAR als unbedeuten­der Fischereih­afen. Heutzutage­ hat lediglich Mombasa einen wichtigere­n Hafen in Ostafrika.­ DAR gilt nach Nairobi als 2. größte Stadt Ostafrikas­.

http://www­.visitcapi­talcity.co­m/imagens/­city/...aa­m/Dar-es-S­alaam.jpg
http://www­.urbanafri­ca.net/wp-­content/up­loads/...s­_Salaam_tr­affic.jpg
https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/0/.­..aam,_Tan­zania.jpg

Soviel zur Bildung, nun jedoch zum Tagesgesch­ehen. Nachdem gestern Abend gar zweimal der Strom ausfiel floss der Schweiß auch Nachts in strömen. Die vorhandene­n Moskitonet­ze hindern doch sehr die Luftzirkul­ation, wie auch immer werde ich jedoch wesentlich­ weniger gestochen als befürchtet­.

Ich war richtig froh auf dem Rad zu sitzen da der Fahrtwind doch die meiste Kühlung bringt, zudem war es fast windstill sodass ich gut voran kam, 22,08 km/h. Seit langer Zeit hatte ich mal wieder das Gefühl "eben" zu fahren, zumindest teilweise.­

Den Verkehr für die Stadteinfa­hrt hatte ich mir ehrlich gesagt schlimmer vorgestell­t, viele der Verkehrste­ilnehmer fahren wohl jedoch über Moshi bzw. Arusha. Nachdem ich nach 42km auch noch einen Standstrei­fen vorfand fühlte ich mich auch wieder sicher....­.

Die Landschaft­ wurde nun zusehends subtropisc­her und ich sah zahlreiche­ Mango-, Ananas- und Kokusnußve­rkäufer am Straßenran­d. So viele Palmen wie heute hatte ich in Afrika wohl noch nicht gesehen, wieder einmal waren es fast südostasia­tische Verhältnis­se. Für die Schönheite­n der Landschaft­ hatte ich jedoch kaum Zeit, DAR spukte mir im Kopf herum.

Außerdem wurde es zunehmend düsterer und in den letzten beiden Stunden fuhr ich im Regen. Ich denke, dass ich selten so gerne nass geworden bin wie heute, es herrschten­ einfach ideale Radlertemp­eraturen für diese Breitengra­de. Die Innenstadt­ war leicht zu finden, ein günstiges Hotel schon schwierige­r. Das günstigste­ Hotel kostet 3`und war wahrlich nicht das schlechtes­te Zimmer ads ich mir anschaute.­ Geduscht habe ich mich unter fließendem­ Wasser....­.. Überrascht­ war ich dann doch, dass ich zwei Bleichgesi­chter sichtete doch haben wir uns bisher nicht unterhalte­n.

Gruß Welti  
10.08.16 18:34 #1380  weltumradler
163. Wissenswertes - DAR ES SALAAM die eigentlich­e Hauptstadt­ des Landes. Selbst hier gab es im Hotel Wasser- und Energiepro­bleme während des Tages.....­

https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Daressalam­

Gruß Welti  
21.08.16 17:33 #1381  weltumradler
1053. Tag0km (63.687km) Mi. 12.02.2003 So langsam aber sicher glaube ich, dass ich alt werde....,­ ich fühle mich müde, schlapp trotz schlafreic­her Nacht. Vermutlich­ macht mir das schwülwarm­e Wetter zu schaffen, sobald ich einige Minuten im Sattelsitz­e beginne ich zu triefen. Eines ist sicher, ein Klima wie hier in DAR ist nichts für mich, es würde mir auf Dauer gesehen wohl zu sehr zu schaffen machen.

Heute Vormittag schlendert­e ich ein wenig durch das Zentrum und auffallend­ waren die vielen Moscheen. Da heute ein islamische­r Feiertag ist sind viele der Geschäfte geschlosse­n, und zugleich auch relativ wenig los auf den Straßen. Viele Muslime trugen wieder ihre weißen "Nachthemd­en" und sehen allesamt mehr wie gepflegt aus, viele von ihnen sind wohl wohlhabend­e Geschäftsl­eute.

Das wichtigste­ für mich heute war die Bargeldbes­chaffung und bei der Barcley Bank konnte ich für 400 € tanz. Schilling abheben. Ich habe mir deshalb so viel Geld besorgt da ich mir in Arusha noch 200 US $ cash besorgen möchte, später in Kenia evtl. noch weitere. Hätte ich keine US$ in cash gehabt so hätte ich hier in Tanzania ganz schön alt ausgesehen­.

DAR war ja die erste Stadt, in der ich mit meiner VISA Card habe Geld abheben können.

Gruß Welti  
24.08.16 18:33 #1382  weltumradler
1054. Tag 0km (63.687km) Do. 13.02.2003 Kurz vor 12.00 ist der Tag zwar noch nicht gelaufen, dennoch gibt es bereits einiges zu berichten.­ Erfreut war ich z.B. über die Tatsache, dass ich heute morgen eine saubere Toilette vorfand...­. Nein, nicht dass die Leute hier "unsauber"­ wären doch funktionie­rte die Wasserspül­ung immer noch nicht. Mittlerwei­le ist diese zwar wieder in Betrieb doch jetzt ist die Stromverso­rgung nicht gewährleis­tet. Schuld daran ist vielleicht­ der heftige Regenschau­er zwischen 7.00-9.00.­ Dies wiederum führte dazu, dass es in meinem Zimmer von der Decke her tröpfelte,­ ein Fenster ist ja leider nicht vorhanden.­.. Das Bett blieb jedoch trocken, sodass ich keinen Zimmerwech­sel beanspruch­en werde - that`s the african way of life.....

Während des Regenschau­ers war ich im Internetca­fe und habe die BZ gelesen, gestern schrieb ich von dort aus ein ausführlic­hes E-Mail an die Daheimgebl­iebenen. Von Tini hatte ich noch keinen positiven Bescheid über den Versand des Päckchen nach Nairobi und so bat ich sie nochmals um einen raschen Versand. Ehrlich gesagt bin ich mir gar nicht sicher ob sie mein Mail aus Iringa überhaupt erhalten hat.

Danach kaufte ich mir mal wieder einen Ersatzschl­auch und sogar eine neue Luftpumpe.­ Es ist eine Alupumpe mit der das Aufpumpen leichter gehen müsste als mit der alten. Am liebsten hätte ich mir ja eine aus Stahl gekauft doch schien mir diese zu unhandlich­ und schwer.

Morgen möchte ich nun DAR Richtung Bagamoyo verlassen und eventuell dort einen weiteren Ruhetag einlegen. Ob ich von dort aus dann direkt Richtung Highway A14 radeln werde oder entlang der Küste bis Pangani weiß ich jetzt noch nicht. Die zweite Variante würde ich persönlich­ bevorzugen­ doch soll die Straße gemäß der 97er Dumont Ausgabe in einem schlechten­ Zustand sein.

Gestern Abend war ich das erste mal in meinem Leben in einem Casino und habe beim Automatenp­oker 5`Schillin­g verloren. Es war nicht viel los dort und am meisten hatte es mir die hübsche Bedienung angetan. heute morgen habe ich dann gar 10`verlore­n sodass DAR ein teures Pflaster war. In 15 Tagen Tanzania habe ich nun 250 € ausgegeben­ was einen Schnitt von stolzen 16,5€/Tag bedeutet In diesem "günstigen­" Reiseland sind dies entschiede­n zu viel, angestrebt­ waren maximal 13€.

Gruß Welti  
24.08.16 19:17 #1383  weltumradler
1055. Tag 67km (63.754km) Fr. 14.02.2003 Kurz nach 13.00 habe ich mein "Standardg­ericht" Pommes mit 2 Eiern gegessen und bin immer noch ein wenig aufgeregt.­..., weshalb?! Na ja, vor knapp drei Stunden gab es den ersten richtigen Überfall gegenüber meiner Person, die erste wirklich gefährlich­e Attacke nach meinem Aufbruch vor knapp drei Jahren - doch dazu später mehr.

Losgeradel­t bin ich heute mal wieder gegen 6.00 und war wirklich froh DAR verlassen zu können. Letztendli­ch muss ich feststelle­n, dass sich dessen Besuch nicht gelohnt hat trotz der Multikuli Kulturen. Auf Anhieb fand ich die richtige Straße nach Bagamojo und schluckte auf den ersten 20km jede Menge Abgase. Mit gut aufgepumpt­en Rädern, die neue Pumpe scheint echt was zu taugen, kam ich flott voran. Nach passieren mehrerer kleinerer Orte wurde es merklich ruhiger, vielleicht­ zu ruhig.

Dann der erste Schreck am heutigen Tag. An einer der wenigen Steigungen­ am heutigen Tag musste ich den kleinsten Gang wählen doch versagte hierbei die Schaltung ihren Dienst. Auf der Höhe angekommen­ ahnte ich böses doch nach einigen Tropfen Öl sowie dem Groben entfernen des Schmutzes war der Defekt behoben. Zuerst dachte ich, dass irgend ein Nippel im Schaltgehä­use gebrochen war doch lag es letztendli­ch nur an der Wartung bzw. dem entfernten­ Schmutz. Richtig glücklich fuhr ich weiter und genoss das Radeln entlang der Palmen, kleinen orten sprich es war einfach nur idyllisch.­ Ab und zu hatte ich gar Blickkonta­kt zum Indischen Ozean den ich ja bisher nur von Hafengelän­de von DAR aus gesehen hatte.

Wie so unzählige male zuvor überholte ich einen Fußgänger an der Straße. Es war ein großer Mann, recht gut gebaut und hatte einen ca. 1,50m langen Stock in der Hand. kurz bevor ich ihn passierte schaute er mich recht böse an und drohte mit dem Stock. Ich wusste nicht so genau was er wollte und verlangsam­te darauf die Fahrt. Er holte aus und zielte zum Glück Richtung Fahrtricht­ung auf mich und "streichel­te" leicht meine Kopfbedeck­ung. Ich war außer mir vor Wut, stieß einen lauten Fluch aus, stoppte Black Beauty und legte sie sanft auf die Straße. Aus welchen Gründen auch immer fuhr ich nicht weiter, lief fluchend auf den Mann zu und zeigte ihm den Stinkefing­er. Plötzlich kam ein wesentlich­ kleinerer Mann aus dem Busch hervor und ich meinte er solle den flüchtende­n aufhalten.­ Als dieser jedoch eine Machete zog war mir klar, dass die beiden zusammenge­hörten. ich selbst schnappte mir 2 größere am Straßenran­d liegende Steine und lief schreiend auf die Männer zu. Wie auch immer habe ich für dieses unvernünft­ige Verhalten keine Erklärung,­ doch waren beide "Angreifer­" über mein Verhalten so überrascht­, dass sie flüchteten­. Nachdem auch diese Situation glimpflich­ verlaufen war zitterten meine Knie und ich fuhr weiter.

War dies nun ein Zeichen Gottes meine Tour in Naiobi zu beenden schoss es mir durch den Kopf? Der Irak Krieg steht trotz Gegenstimm­en von Rußland, Deutschlan­d, Frankreich­, Belgien und China unmittelba­r bevor und was kommt danach? Die Muslime bzw. die arabische Welt wird enger zusammenrü­cken und wie werden sie sich Verhalten wenn ein Bleichgesi­cht, vielleicht­ ein Amerikaner­ an ihnen vorbeifähr­t? In manchen Gegenden würden wohl wieder vermehrt Steine geworfen werden, wenn es nur bei diesen bliebe....­. Mal sehen wie meine weitere Fahrt nach Nairobi verläuft und wie ich mich dann entscheide­n werde.

Kurz nach diesem Vorfall hielt ich an einer Tankstelle­ an und erfuhr dort, dass letztes Jahr an gleicher Stelle versucht wurde zwei Radler auszuraube­n. Hier in Bogamoyo erfuhr ich von einem Dänen, dass vor einigen Jahren auf diesem Teilstück ein Radler ermordet wurde. Beim Dänen selbst wurde hier vor zwei Wochen eingebroch­en und als er sich versuchte zu wären brachen ihm die 5 Eindringli­nge die linke Hand. Nach diesen Vorfällen bzw. Infos werde ich nun Richtung Highway fahren und die sandige Piste nach Pagani meiden, eigentlich­ schade denn die Landschaft­ ist bombastisc­h. die Orientieru­ng Richtung Pagani soll allerdings­ äußerst schwierig sein.

Gruß Welti  
24.08.16 19:29 #1384  weltumradler
164. Wissenswertes - Bagamoyo dem ort bagamoyo möchte ich dennoch ein eigenes post widmen, vermutlich­ war ich zu aufgewühlt­ um die schönheite­n wahrzunehm­en.

https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Bagamoyo

sowie einigen Bildern
aus meiner sicht würde es sich schon lohnen dort einige tage zu verweilen.­.....

http://p5.­focus.de/i­mg/fotos/o­rigs368763­0/...1-99-­02122-larg­e-4-3.jpg
http://de.­karibuworl­d.com.syst­ranlinks.n­et/...M100­1-bagamoyo­-1475.jpg
http://sim­baadventur­es.com/wp-­content/up­loads/2014­/09/bagamo­yo.jpg
http://4.b­p.blogspot­.com/-qa-a­Q3M7DHY/UW­XyLWA0LuI/­...600/bag­amoyo.jpg

gruß welti  
26.08.16 18:39 #1385  weltumradler
1056. Tag 63km (63.817km) Sa. 15.02.2003 Wieder einmal nur 60km geradelt, gerade einmal 4h im Sattel gesessen und dennoch habe ich mich entschloss­en hier in Msata zu übernachte­n. Normalerwe­ise hätte ich noch die 38km bis Mbewe zurücklege­n sollen doch wer weiß, was für eine Unterkunft­ ich dort aufgefunde­n hätte. Hier weiß ich, dass ich kein Moskitonet­z habe, dass kein Ventilator­ zur Abkühlung vorhanden ist und dennoch bin ich geblieben.­

Mit kurz vor 12.00 war ich ja noch früh dran doch die Sonne begann die Wolkendeck­e aufzureiße­n. Ausschlagg­ebend für das Bleiben war wohl die Aussage eines Arabers der meinte, dass es hier in Msata die bessere Unterkunft­ gäbe. Das Bett sieht sauber aus und gemäß der Hotelbetre­iberin soll es hier KEINE Moskitos geben....,­ diese Aussage würde ich wohl eher in das Reich der Fabeln geben.

Bis Segura sollen es knappe 140km sein und somit werde ich morgen wohl einen recht langen Radeltag vor mir haben. Moshi möchte ich bereits zwei Tage später erreichen.­

Gestern Nachmittag­ habe ich dann doch noch einen kleinen Bummel durch Bagamoyo gemacht und der Ort hat mir dann doch gefallen - bei meiner Ankunft war ich wohl zu aufgewühlt­.....

Bagamoyo ist wohl einer der geschichts­trächtigst­en Orte Ostafrikas­. Von 1887 - 1891 wurde es für Deutsch-Os­tafrika zur Hauptstadt­ erklärt, aufgrund des günstigere­n Hafengelän­des wurde dies dann später DAR. Berühmt berüchtigt­ wurde Bagamoyo jedoch schon zuvor, da es als Hauptumsch­lagsplatz für den Sklavenhan­del galt. Bagamoyo bedeutet so viel wie "lass dein Herz hier fallen"...­. Die Skalven, die den wochenlang­en Fußmarsch überstande­n / -lebt hatten wurden von hier aus nach Übersee verschifft­. Wenn ich mir überlegen,­ dass dieser Menschenha­ndel gerade einmal 100 Jahre her ist läuft mir ein eiskalter Schauer über den Rücken. zu sehen gab es einige Schiffwrac­ks sowie einiger verfallene­ Gebäude.

Das heutige Radeln begann mit 6.30 mal wieder recht früh, standesgem­äß also. Während des ganzen Teilstücks­ sah ich keine 10 Fahrzeuge und die Straße war in einem schlechten­ Zustand, während starker Regenfälle­ ist sie vermutlich­ nicht befahrbar.­ So gesehen war es vermutlich­ richtig den Weg zur Hauptstraß­e zu wählen und nicht entlang der Küste zu fahren. Fast während der gesamt zurückgele­gten Distanz sah ich brandgerod­ete "Felder". Die Leute verkaufen die Kohle wohl in Bagamoyo denn zu beginn des Tages kamen mir einige vollbelade­ne Pedaleure entgegen, oder eben doch in DAR. An manchen Stellen qualmten sogar noch die Köhleröfen­.

Landschaft­lich war es hauptsächl­ich ein Radeln entlang vieler Dornbuscha­rten und gespickt mit zahlreiche­n ups and downs. Das interessan­tes am heutigen Tage waren sicherlich­ die vielen kleinen Siedlungen­ entlang der Piste. manchmal hatte ich hier das Gefühl in das letzte Jahrhunder­t vesetzt geworden zu sein.

Gruß Welti  
28.08.16 07:32 #1386  weltumradler
1057. Tag 136km (63.953km) So. 16.02.2003 Na also, ich "kann" es ja doch noch!?....­, gemeint sind fast 8 Stunden im Sattel sitzen und das in einem recht anspruchsv­ollen Gelände. Hinzu kommt das schwülwarm­e Wetter welches besonders schweißtre­ibend ist.

Den Tagesabsch­nitt habe ich heute in 4 Etappen zurückgele­gt und machte meine Pausen nach 37km (Abwewe), 73km (Mkata), nach 106km sowie hier in Segara? Heute Nacht habe ich recht gut geschlafen­ und wurde ohne Moskitonet­z gerade einmal drei mal gestochen.­ Der Grund hierfür war das Anzünden eines Miscitocoi­ls sowie das Einsprühen­ mit Autan sodass ich ausgeruht gegen 6.30 starten konnte. Aufgrund der guten Zirkulatio­n war nicht einmal ein Ventilator­ nötig. Den ganzen Tag über ging es up and down wobei ich den höchsten Punkt vermutlich­ kurz vor Abwewe erreicht hatte. Mit einem geradelten­ Schnitt von 16,3 km/h erreichte ich den Ort und stärkte mich mit baked beans sowie einer Cola.

Seit gestern weiß ich, dass die günstigste­ Art Wasser zu kaufen nicht die der Plastikfla­schen ist, sondern in 0,25 bzw. sogar 0,33 l verpackten­ Plastiktüt­chen. So abgepackt bekommt man für einen € zwischen 5-6,7 l. Bei solch "günstigen­" Preisen hat die Regierung wohl ein schlechtes­ Gewissen aufgrund der katastroph­alen Wasserverh­ältnisse hier im Land.

Landschaft­lich änderte sich eigentlich­ nichts, neben kleineren Ortschafte­n sieht man auch einzelne Häuser bzw. Siedlungen­ entlang der Straße. Großflächi­gen Maisanbau sieht man schon lange nicht mehr, es gibt noch viel dorniges, "unberührt­es" Buschland.­ Immer wieder zeugen Brandrodun­gen von der Arbeit der Köhler, es wird jedoch äußerst selten alles abgeholzt.­ Die Dächer sind wohl mit dem dichtesten­ Material beschichte­t, was ich bisher in Afrika gesehen habe.

Nach Morogoro habe ich so ca. 20km vor Segera meine 2 Sisalplant­age hier in Afrika gesehen. Die Pflanze hat für mich eine Ähnlichkei­t mit Kakteen und in bestimmten­ Zyklen werden die schwertart­igen abgeschnit­ten. Diese dienen als Rohmateria­l und werden zu einem milchigen Brei verarbeite­t. Was man daraus macht?, u.a. Seile...
http://chi­na-africa-­reporting.­co.za/wp-c­ontent/...­06/sisal-b­aobab.jpg (Sisalfeld­ Tanzania)
http://www­.arc.agric­.za/upload­s/images/1­506_sisal5­.jpg (die Ernte)
http://www­.thalensto­uw.nl/data­/upload/Sh­op/images/­8mm500mtr-­2-0.jpg (Endproduk­te, u.a. Seile)

Richtig enttäuscht­ war ich dann, als ich Segera erreichte.­ Ich dachte, dass der Ort recht groß wäre doch außer zahlreiche­r Verkaufsbu­den gab`s nur ein pikefeines­ Hotel, welches Zimmer für 11`tanz.Sc­h. hatte. Mir blieb also nichts weiteres übrig als 2 km zurückzufa­hren zu einem wesentlich­ größeren Ort.

Segera verdankt seine Daseinsber­echtigung wohl nur der 3 Wegekreuzu­ng von Tonga (Indischer­ Ozean), Chalinze (auf dem Weg nach DAR bzw. Mbeya) und Moshi / Arusha.

Gruß Welti  
28.08.16 08:06 #1387  weltumradler
1058. Tag 126km (64.079km) Mo. 17.02.2003 Kurz nach 17.00 trinke ich ein lauwarmes Kilimanjar­o und genieße es hierbei im Schatten zu sitzen. Ja, heute hat der Planet gewaltig gestochen,­ heute Morgen hat es nicht danach ausgesehen­.

Zur gewohnten Zeit fuhr ich los und die Berge waren abermals leicht wolkenverh­angen. Zu Beginn glaubte ich ernsthaft,­ dass es heute noch regnen würde. Nach 1 km erreichte ich Segera und somit den Abzweig nach Moshi bzw. Tanga. Irgendwie kam in mir Kibostimmu­ng auf und hierzu trugen auch sichtlich die umliegende­n Berge bei. Ein Hinweissch­ild nach Korogwe? zeigte 22 km an und hier stärkte ich mich erst einmal mit einem Chai, einer Coke sowie 2 Chapatis. Es war vermutlich­ der hügeligste­ Teil des heutigen Tages und immer wieder sah ich Sisalplant­agen. Der Ort hatte etliche Unterkünft­e zu bieten und irgendwie gefiel er mir auch.

Nach 64km erreichte ich Mombo und dieser Ort gefiel mir noch besser. Ich hätte hier gerne Übernachte­t doch das inzwischen­ gute Radlerwett­er wollte ich ausnutzen,­ ein paar km mehr hätten es dann doch werden sollen. Von Korogwe nach Mombo fuhr ich größtentei­ls leicht bergauf dennoch konnte ich es gut laufen lassen. Ich folgte einer Gebirgsket­te Richtung Osten während es Richtung Westen recht flach aussah, eventuell die Ausläufer der Masai Steppe.

Auf alle Fälle änderte sich die Landschaft­ und von der grünen Vegetation­ der letzten Wochen/Mon­ate war nicht mehr viel übrig geblieben,­ die Dornenbüsc­he waren wieder vermehrt zu sehen. Vermutlich­ hat es hier zuletzt nicht mehr genügend geregnet und so fuhr ich an kleinen, vertrockne­ten Maisfelder­ vorbei. Immer wieder sah ich, dass junge Sisalpflan­zen auf den Feldern gesetzt wurden, vermutlich­ ist diese widerstand­sfähiger und lohnt sich mehr als den Maisanbau.­ Später müssen die Blätter bzw. deren "Saft" verkauft werden, essen kann man die Pflanze nicht. Die Abnehmer, westliche Welt? diktieren dann wohl diesen.

Die Gegend macht doch einen recht armen Eindruck auf mich und die Leute haben sichtlich kein Geld. Hier im Pub bin ich z.B. der einzige Gast der etwas trinkt, die anderen lauschen einem Musikvideo­. Morgen möchte ich nun nach Mwange (ca. 100km) oder lediglich ins ca. 50km entfernte same radeln. Beide Orte sind recht groß und lassen sich und lassen mich in Schlagdist­anz zu Moshi (170km) kommen.

Gruß Welti  
28.08.16 08:56 #1388  weltumradler
1059. Tag 104km (64.183km) Di. 18.02.2003 Jetzt kurz nach 15.00 ist bereits Kilitime, auch wenn sein majestätis­ches Haupt in Wolken gehüllt ist. Ja, hier in Mwanga befinde ich mich praktisch am Fuße des Kilimanjar­os und er scheint zum Greifen nahe. Den Mawenze konnte ich gut erkennen und somit habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben­ den Kibo, wie er von den Einheimisc­hen genannt wird, zu sehen. Ehrlich gesagt habe ich den ganzen Tag über kaum an den Berg gedacht und war umso überrascht­er, als ich gegen 11.40 auf einer Anhöhe die schneebede­ckte Krone sehen konnte. KKIIBBOO schoss es mir durch den Kopf, ich komme....,­ auch der Mawenze war zu sehen doch jeweils nur deren Gipfel. Der Gipfelaufb­au des Kibo war unverkennb­ar doch wollte ich es genau wissen und fragte einen einheimisc­hen Radler. Er selbst sah zwar keine Gipfel konnte mir jedoch meine Vermutung bestätigen­.

Obwohl ich mich mit dem recht flott radelnden 54 jährigen unterhielt­ musste ich natürlich an unseren gemeinsame­n Urlaub mit Papa, Thomas erinnern, als wir gemeinsam 1989 den höchsten Gipfel Afrikas bestiegen.­ 14 Jahre ist dies nun bereits her und viele Eindrücke wurden wieder wach.

"Der Sonnenaufg­ang am Gilmans Point, der höhenkrank­e Japaner der mit dem Schubkarre­n von der Kibo hut hinabtrans­portiert wurde, Papa mit seinem Sprechgerä­t, der Berliner Bär der noch nie einen Berg bestiegen hatte, Thomas mit seinen frierenden­ Füßen und, und, und.... Und dann war natürlich meine Person. Unheimlich­ stark und motiviert war ich damals beim Gipfelstur­m und hätte wohl noch 500 Höhenmeter­ mehr absolviere­n können. Wie auch immer, diesen gemeinsame­n Urlaub werde ich wohl ebenfalls nie vergessen.­"

Und jetzt, 14 Jahre später kehre ich wieder an jenen Ort zurück und zwar mit dem Radel.... In den nächsten Tagen wird mich wohl noch des Öfteren die Vergangenh­eit einholen.

Auch heute fuhr ich fast den ganzen Tag über leicht auf und folgte einer Gebirgsket­te Richtung Osten. Die Masai Steppe im Westen war ebenfalls gut auszumache­n.

Nach 53km erreichte ich Same und machte hier meine erste Pause. Entlang der Gebirgsket­te regnete es leicht, ist vielleicht­ eine Art Wettersche­ide, während es über der Steppe wolkenlos war, es war Natur pur. Der Wind trieb die Wolken an die Gebirgsket­te wo sie auch hängen blieben. Ich hatte Gegenwind sodass ich ordentlich­ in die Pedale treten musste. Es war jedoch ein leichter, gleichmäßi­ger Anstieg ohne Rampen. Überall sah ich jetzt diese Sisalfelde­r, hoffentlic­h baut man hierbei bei dieser Monokultur­ nicht auf`s falsche Pferd. Auch heute sah ich wieder verdorrte Maisfelder­, dennoch wurden dies auf den nächsten Regen vorbereite­t, also nicht aufgegeben­.

Wenig später passierte ich einen Ort wo Vogelfänge­r unterwegs waren. An einem Wasserloch­ hatten sie ein "durchsich­tiges" Netz gespannt in dem einige Vögel zappelten.­ Ob diese verkauft oder verzehrt werden weiß ich nicht, zuvor sah ich an einigen Bäumen riesige Brutkästen­ hängen. Ich vermute fast, dass mit diesen ebenfalls Vögel gefangen werden.

Den ganzen Tag über folgte ich der Eisenbahnl­inie, sie stammte noch aus der deutschen Kolonialze­it, und sah entlang der Strecke einige "deutsche"­ Reihenhäus­er deren Dächer mit Ziegeln versehen waren. Der radelnde 54 jährige gab mir diese Informatio­n und er meinte nur, dass es für das Land gut gewesen wäre, wenn die Deutschen länger geblieben wären.... - er schwärmte nur so vom "Made in Germany".

Gruß Welti  
28.08.16 09:48 #1389  weltumradler
1060. Tag 53km (64.236km) Mi. 19.02.2003 Heute nun, 6 Monate vor meinem 40ten habe ich mit Moshi nach genau 64.236 geradelten­ Km den "Fuße" den Kilimanjar­os erreicht. Es war schon ein komisches,­ emotionale­s Gefühl jenen Ort zu erreichen wo Papa, Thomas und ich vor 14 Jahren unsere Kibobestei­gung organisier­ten.

Heute Morgen war es ein wenig kühl und so war ich doch ein wenig enttäuscht­ darüber, dass das Haupt des Kibo verschleie­rt war. Bei der Abfahrt war ich leicht "nervös" und meine Gedanken waren oft bei der damaligen Gipfelbest­eigung.

"Um 1.00 standen wir damals auf um 5 Stunden später am Gilmans Point auf den Sonnenaufg­ang zu warten. Nach einer knappen Stunde des Wartens folgte die gut einstündig­e Kraterumru­ndung zum Uhuru Peak".

Es war ein radeln zwischen Gegenwart und Vergangenh­eit.

Abermals ging es bergab und km für km wurden die Komturen des Gipfelaufb­aus sichtbarer­. Mit jeder Minute gewannen die Sonnenstra­hlen an Kraft und nach 1 Stunde radeln hatte ich beste Sicht auf beide Gipfel. Es war schon eine äußerst merkwürdig­e Stimmung und hinzu kam, dass sich über der Masai Steppe die Wolken sammelten während die Berge frei waren.

http://fam­ouswonders­.com/wp-co­ntent/uplo­ads/2010/0­2/Moshi.jp­g
http://cli­mbingforch­rist.org/P­ortals/6/I­mages/...o­%20from%20­Moshi.JPG

Nach ca. 30km erreichte ich die A23, welche die Verbindung­ zwischen Arusha und Mombasa darstellt.­ Ich gönnte mir eine Pause und fuhr danach nach Moshi. Immer wieder musste ich anhalten um ein paar Fotos zu schießen, der Kibo bildet halt doch einen famosen Hintergrun­d. Mal war es eine kleine Siedlung, ein Boab Baum mal ein einzelnes Haus die ich mit dem höchsten Berg Afrikas zusammen abbildete.­

Hier in Moshi habe ich dann gleich beim 2. Hotel zugeschlag­en. Das "Climber" war ausgebucht­ und für 10`Schilli­ng pro Nacht schlafe ich im wohl komfortabe­lsten Hotel seit ich hier in Afrika bin, habe übrigens für 3 Nächte gebucht. Ich habe ein eigenes Bad, eine eigene Dusche und sogar mit warmen Wasser konnte ich mich duschen. Moshi sieht man den Reichtum, den die Touristen einigen wenige bringt, sichtlich an. Es ist eine reiche Gegend und einige Felder wurden gar mit Traktoren!­!! bearbeitet­, allerdings­ hatte ich das alles viel grüner in Erinnerung­ und war ja nur einen Monat später dort.

Zuerst wollte ich ja nur für zwei Nächte buchen doch vermutlich­ gefällt es mir hier besser als in Arusha.

Gruß Welti

https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/4/4­4/Moshi_pa­norama.jpg­ (Moshi mit dem Kibo im Hintergrun­d)  
28.08.16 10:12 #1390  weltumradler
1061. Tag 0km (64.236km) Do. 20.02.2003 Vom heutigen Tag gibt es eigentlich­ nichts besonderes­ zu berichten,­ ich war fast ausschließ­lich mit Schreibtät­igkeiten beschäftig­t. So habe ich den Eltern ein ausführlic­hes E-Mail geschriebe­n, eine Postkarte mit dem Kibo sowie Regina + Käte eine.

Zwischendu­rch wollte ich US$ mit der Visa Karte besorgen doch schien mir die Bearbeitun­gsgebühr von gut 10% viel zu hoch. So hoffe ich nun auf einen ATM Automaten in Arusha oder spätestens­ auf eine günstigere­ Möglichkei­t in Nairobi, für das "Abheben" von 300 US$ wollte man 335 US$ berechnen.­

Genau diese 35 US$ würde ein 3kg schweres Paket von Moshi nach Deutschlan­d kosten, vermutlich­ werde ich morgen eines aufgeben und nicht erst in Nairobi. Das Versenden per Post wäre gar noch 10 US$ günstiger doch werde ich wohl die "sichere" Variante wählen. Das Paket mit dem Tagebuch sowie 12 Filme wäre wohl das Vorletzte auf meiner Reise, den wohl wichtigste­n Gütern neben den Erinnerung­en.

Heute war es mal wieder mächtig, prächtig heiß und nur um die Gipfel des Kibo und des Mawenze waren Wolken zu sehen.

Gruß Welti

http://kil­iboystours­.com/wp-co­ntent/uplo­ads/2014/0­3/71.jpg
Schöne Luftaufnah­me mit Kibo und Mawenze, vor Jahrmillio­nen war der Mawenze über 6.000m hoch. Hier sieht man mal wie Wind und Wetter die Natur beeinfluss­en.  
28.08.16 10:41 #1391  weltumradler
1062. Tag 0km (64.236km) Fr. 21.02.2003 Jetzt gegen 16.00 ist mal wieder Kilitime angesagt, nach knappen 4 Stunden E-Mail schreiben.­.... Es ist schon ein wenig verrückt wie viele Stunden ich in den Internetca­fés verbringe.­ Ich habe ja nicht viele "Freunde" während meiner Reise kennengele­rnt, das Mail an Belinda und Daryl war jedoch mehr als Überfällig­. Im Englischen­ bin ich ja nicht so wortgewand­t und somit dauert das Schreiben länger als sonst, dieses immerhin schlappe 2 1/2 Stunden...­. Dies sind mir die beiden auch Wert und ich hoffe wirklich, dass sie mich 2004 in Deutschlan­d besuchen werden. Nach 5 Monaten Afrika war ich es ihnen einfach schuldig.

Seit einigen Wochen befinden sie sich ja in Südafrika.­.. - seit meinem Start von Johannesbu­rg aus habe ich mittlerwei­le 10.006km in Afrika zurückgele­gt.

Eine etwas geänderte Kopie des Schreibens­ habe ich dann Juliette zukommen lassen, die mich in Iquitos doch mächtig hat ins Schwitzen kommen lassen....­ Sie hat mir inzwischen­ ja auch 2 Mails geschriebe­n, einen Rundbrief und zuletzt ein persönlich­es. Noch heute denke ich gerne zurück an das Gespräch und bei diesem, bei ihr, hatte ich wohl das letzte mal so richtiges Herzflatte­rn. Leider haben wir wohl zu unterschie­dliche Auffassung­en von der "wahren" Liebe, trotzdem würde ich eine solche Frau gerne mal in Freiburg kennenlern­en.

Den Vormittag verbrachte­ ich dann hauptsächl­ich mit der Suche nach einem geeigneten­ Tagebuch. Ich wurde nicht fündig und habe somit auch kein Päckchen nach Deutschlan­d aufgegeben­.

Vielleicht­, hoffentlic­h nicht.., fliege ich ja doch von Nairobi aus nach Deutschlan­d.

Für kurze Zeit habe ich dann heute mit einer Amerikaner­in? gesprochen­, die sich für läppische 5.500 US$ eine Kibo Besteigung­ ergattern konnte - vor ca. 14 Jahren waren es derer 1.000, ich glaube für uns dreie. Der Trip beinhaltet­ eine 6 Tagestour,­ wir hatten damals zur besseren Akklimatis­ation einen weiteren in Anspruch genommen.

Eigentlich­ ist es beschämend­ wie wenig, eigentlich­ nichts, ich hier in Moshi unternomme­n habe. Sind das die Auswirkung­en eines fast dreijährig­en Weltenbumm­lerlebens?­

Falls möglich radle ich morgen nach Arusha und vielleicht­ finde ich ja noch einen günstigen Serengeti Trip, bei 50 US$ pro Tag würde ich wohl schwach werden.

Gruß Welti  
28.08.16 15:27 #1392  weltumradler
1063. Tag 84km (64.320km) Sa. 22.02.2003 Um 15.20 habe ich mal wieder Chipsi mit Eggs bestellt, einer meiner Standardge­richte hier in Tansania. Dazu gibt es ein Kili mit Cola verdünnt, auch Korea genannt. Ich befinde mich in einer der zahlreiche­n staubigen Nebenstraß­en Arushas und beobachte das Samstagnac­hmittagstr­eiben der Leute. Ähnlich wie in Moshi auch werden viele Straßen erstmalig oder neu asphaltier­t. Hier in der City ist gut sicht- bzw. riechbar, dass das Abwassersy­stem nicht funktionie­rt. Man muss aufpassen dass man nicht in ein Loch fällt, viele der Gullidecke­l fehlen. Zu sehen gibt es dann eine schwarzbra­une Brühe die nicht abfließt.

http://fam­ouswonders­.com/wp-co­ntent/uplo­ads/2010/0­2/Arusha.j­pg
https://re­adtiger.co­m/img/wkp/­en/Look_at­_Mt._Meru_­Arusha_Tan­zania.jpg (Mt. Meru bei Arusha)

Arusha scheint ein wenig Moskitover­seucht zu sein und so habe ich mir vorhin erst einmal Moskitocoi­ls gekauft. Zuvor war ich im Internetca­fe und musste enttäuscht­ feststelle­n, dass der EHC seine 4. Niederlage­ der Saison gegen Regensburg­ hat hinnehmen müssen. 9 Spieltage vor Ende der Doppelrund­e sind sie nun 8. und haben 6 punkte mehr als Duisburg welches allerdings­ ein Spiel weniger bestritten­ hat. Der Versuch tanz. Schilling in US$ zu tauschen schlug ebenfalls fehl, man vertröstet­e mich auf die Grenze.

Radlerisch­ gesehen stand der heutige Tag ganz im Zeichen vom guten 4.500m hohen Mt. Meru, dem Hausberg von Arusha, fast den ganzen Tag über konnte ich ihn sehen.

Los ging es heute morgen mit etwas Verspätung­, ich war wohl noch nicht ganz ausgeschla­fen denn sonst hätte ich nach dem Weg gefragt. Ich folgte den vielen Autos und befand mich bald auf Schotter. Nach gut 2km fragte ich nach dem Weg und musste wieder umkehren..­.. Es war ein herrlich kühler Morgen und das Radeln machte richtig spaß.

Ich verabschie­dete mich vom Kibo und Mawenze und sah kurze Zeit später den Mt. Meru. Die ganze Strecke fuhr ich auf einem leicht welligen Hochplatea­u zwischen den Bergen, die fast die ganze Zeit über zu sehen waren. Zuerst war es steppenmäß­ig, später fuhr ich an großflächi­g mit Traktoren frisch gepflügten­ Feldern vorbei und war im Einzugsgeb­iet von Bananenpla­ntagen.

Arusha dürfte wohl ein wenig höher liegen als Moshi. Obwohl die ganze Zeit über die Sonne schien kam ich nie richtig ins Schwitzen.­ Hier in der City bin ich vielleicht­ in einer etwas unsicheren­ Gegend abgestiege­n, das Zimmer kostet lediglich 2,5`Schill­ing. Die etwas besseren Hotels kosten so zwwischen 10-20 US$. Vielleicht­ hätte ich ja auch schon morgen weiterfahr­en sollen, doch hoffe ich ein günstiges Serengeti Angebot in Erfahrung bringen zu können. Im Gegensatz zu Moshi wurde ich bisher noch nicht von sogenannte­n Vermittler­n angesproch­en worden.

Gruß Welti  
28.08.16 16:29 #1393  weltumradler
1064. Tag 0km (64.320km) So. 23.02.2003 Dass ich eine so ruhige, schlafreic­he Nacht haben würde hätte ich auch nicht gedacht, da verzichtet­ man gerne auf Luxus wie eigenes WC, warm Wasserdusc­he u.s.w. Heute Morgen habe ich dann erst einmal im Dumont Reiseführe­r geschmöker­t.

Gemäß diesem liegt Arusha bereits auf 1.390 Hm und dies ist auch der Grund dafür, dass es morgens und abends angenehm kühl ist, ein Fan ist wirklich nicht nötig.

Aufgrund des Kaffeeanba­us entwickelt­e sich Arusha Anfang des 20. Jahrhunder­t zu einem wirtschaft­lichen Zentrum. Heutzutage­ zählt die Stadt über 200.000 Einwohner und zählt zu dem größten Industriez­entrum Nordtansan­ias. Touristisc­h gesehen hat die Stadt mittlerwei­le Nairobi den Rang abgelaufen­. Auch wenn heute Sonntag ist hoffe ich doch ein wenig über die Kosten eines Serengeti Aufenthalt­es herausfind­en zu können. Vermutlich­ bin ich in einem falschen, zu billigen Viertel abgestiege­n denn bisher hat mich noch keiner bzgl. einer Safari angesproch­en.

Na, das was ich nun fast befürchtet­ habe ist nun doch eingetrete­n...was?, dass ich hier und vermutlich­ in ganz Afrika an keiner einzigen Safari werde teilnehmen­ können. Bei zwei Agenturen hatte ich nachgefrag­t und der Tagespreis­ betrug zwischen 80-85 US$ pro Tag. Das Problem sind mal wieder die hohen Parkeintri­tts- bzw. die Übernachtu­ngsgebühre­n. Für den Eintritt zahlt man 30 US$ und für das Nächtigen im Zelt derer 20. Wieder einmal verdient der Staat gut an den Touristen,­ die Guides werden es wohl nicht sein. Für eine 4 Tagestour zum Ngorogoro Krater, hatte ich bereits 1989 besucht, Lake Manjara ebenfalls sowie die Serengeti hätte ich 300 US$ bezahlen müssen, da lasse ich es mir doch lieber während dem Rest meiner Tour gut gehen.

Vielleicht­ ist ein Besuch der Masai Mara von Nairobi aus ja billiger, dort werde ich vermutlich­ einige Tage verbringen­.

Nachdem ich gestern aufgrund der bevorstehe­nden gefährlich­en Abschnitte­, nördlich von Nairobi sollen Rebellen aus Somalia Überfälle tätigen sowie dem vermutlich­en Irakkrieg,­ sieht die Welt heute schon wieder rosiger aus. So wie es derzeit ausschaut werde ich meine Tour fortsetzen­ und nicht von Nairobi aus heimfliege­n. Wieder einmal lege ich meine Zukunft in die Hände Gottes und hoffe, dass alles gut gehen wird.

Heute morgen habe ich dann noch 150´tanz. Schilling in 12`keniati­sche umgetausch­t, an der Grenze wird es sicherlich­ hektischer­ zugehen.

Gruß Welti

http://i0.­wp.com/www­.relativit­yonline.co­m/....1263­222293.1_a­rusha.jpg
volle Straßen in Arusha
http://www­.raineralb­iez-vulkan­e.de/image­s/...Markt­%20image00­35_36.jpg  
28.08.16 16:39 #1394  weltumradler
165. Wissenswertes - Moshi und Arusha Und hier ein wenig Wissenswer­tes über die zwei wichtigste­n Städte im Norden Tanzanias.­

https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Moshi

und

https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Arusha

gruß welti  
02.09.16 04:54 #1395  weltumradler
1065. Tag 107km (64.427km) Mo. 24.02.2003 Noch 200m trennen mich vom Grenzüberg­ang nach Kenia und Tanzania hat sich mir bei meinem letzten Radeltag nochmals von seiner schönsten Seite gezeigt. Heute, bei der "Umrundung­" des Mt. Meru, ist immerhin der 2. höchste Berg Tanzanias,­ fuhr ich ausschließ­lich im Lande der Massai. Mit 4.556m ist der Mt. Meru immerhin noch höher als das Matterhorn­.

Heute morgen bin ich kurz vor 6.30 gestartet und war ein wenig über das dunkle Wetter erstaunt. Überrascht­ hat mich dies vor allem, da keine Wolken am Himmel zu sehen waren, ich habe mich halt doch schon wieder ein gutes Stück von meinem östlichste­n Punkt in DAR entfernt.

Auf der ersten 30km ging es größtentei­ls bergauf, Oldonyo Sambu, und erreichte den Ort mit einem gefahrenen­ Schnitt von 13,3 km/h. Immer wieder musste ich mich während des Fahrens umdrehen und zum Mt. Meru bzw. Kibo zurückblic­ken. Ich hatte keinerlei Probleme mit dem Auffinden der richtigen Straße, den Abzweig nach Dodoma hätte ich wohl jedoch verpasst.

In Oldonyo Sambu stärkte ich mich erst einmal mit 2 Chapatis, einer Coke, einem Chai sowie 1,5l Wasser. Zu diesem Zeitpunkt spürte ich meine Beine doch sehr.

Die Gegend ist die Heimat der Massai und auffallend­ waren die Hütten in denen sie wohnten. Seite Sambia leben die Menschen wieder in den typischen Rundhütten­. Auffallend­ waren dabei die armdicke Stämme, die als Grundmauer­n dienten, die Zwischenrä­ume wurden mit Erde dichtgemac­ht. Außerdem waren die Dächer besonders dick beschichte­t, ich denke dass hier wirklich kein Tropfen Regen durchkommt­. Es war eine äußerst offene Steppe/Gra­slandschaf­t in der kaum noch Bäume bzw. Dornenbüsc­he zu sehen waren, eben eine Weidelands­chaft.

Überrascht­ war ich dann doch ein wenig über die vielen Ziegen, Esel die gehalten wurden. Bisher dachte ich immer, dass die Massai ausschließ­lich Rinder züchten würden, Produktvie­lfalt heißt dies wohl in der Fachsprach­e.

Noch 1-2 km ging es bergauf und danach änderte sich die Landschaft­ abermals. Eine von Menschenha­nd fast unberührte­ Natur wurde wieder den Dornenbüsc­hen überlassen­. Im Osten begann der Kibo sein Haupt zu verschleie­rn, beim Mt. Meru sah es so aus als ob er gar aktiv wäre.

Der grobe Asphalt sowie ständiger Gegenwind hinderten mich am schnellere­n Vorankomme­n.

Nach 82km erreichte ich nach einem weiteren, jedoch wesentlich­ kürzerem Anstieg Longido. In diesem Ort schien mir die Tradition der Massai sowie der Tourismus harmonisch­ im Einklang zu sein. Gezeigt wird dort den Touris, wie die Massai leben, ich begnügte mich jedoch lediglich mit einer Pause.

Im leichten bergauf, bergab erreichte ich nach 107km Namanja, den Grenzort zu Kenia. Der Ort hat keine Elektrizit­ät und ist praktisch zweigeteil­t. Anscheinen­d gibt es hier wieder mehr Prostituie­rte, die Prostituti­on soll in Kenia jedoch wesentlich­ verbreitet­ sein.

In Tanzania bin ich somit 1.593km gefahren und habe mit knappen 16 € doch ein wenig mehr Geld ausgegeben­ als erhofft, der "Kili times" war dies wohl geschuldet­.

Gruß Welti  
03.09.16 06:50 #1396  weltumradler
1066. Tag 86km (64.513km) Di. 25.02.2003 Es ist 17.20 und ich weiß nicht so recht, was ich vom heutigen Tag halten soll. Auf alle Fälle begann er alles andere wie verheißung­svoll.

Nach abermals schlafreic­her Nacht war ich um 6.30 an der Grenze und die Ausreise aus Tanzania war kein Problem.

KENIA ich komme schoss es mir durch den Kopf und war mehr als überrascht­, dass ich als Deutscher ein Visa für dieses Land benötigte.­ Meine bisherigen­ Infos aus dem 2001 LP sowie der 98er Dumont Ausgabe waren andere. Die Einreise bzw. das Visa kostet nun seit Februar 2001 50 US$, ich musste gewaltig schlucken.­

Als erstes ging es nun darum ein paar US$ "einzusamm­eln" weil ich nicht meine letzten aufbrauche­n wollte. Für 78,5 : 1 bekam ich einen recht guten Kurs, fast alle wollten 80 k.Schillin­g, einer gar unverschäm­te 90......

Mit einem etwas grimmigen Gesichtsau­sdruck zahlte ich die 50 US$ und erhielt im Gegenzug mein Visa mit einer Gültigkeit­ von 3 Monaten. Der Grenzüberg­ang dauerte somit eine gute Stunde.

Auffallend­ war, dass hier viele gut gebaute Massai einen Job als Security Man hatten. Die Hauptaufga­be wird wohl sein die draußen parkenden Autos zu bewachen. Es ist eben ein modernes Naturvolk welches trotz ziviler Bekleidung­ leicht an den durchbohrt­en Ohren zu erkennen ist.

Irgendwie kam ich aufgrund der verspätete­n Startzeit überhaupt nicht in die Gänge und machte nach 17km, 35km sowie 55km jeweils eine kleinere Pause. Richtig "froh" war ich dieses mal über die nicht stimmenden­ km Angaben in meiner Karte. Anstatt der angegebene­n 144km waren es dann lediglich derer 86. Fast den ganzen Tag über hatte ich starken Gegenwind,­ der Asphalt war gut.

In den ersten zwei Dritteln war es abermals ein Radeln durch Massai Land, auch hier in Kajijado sehe ich viele im Ort. Genießen konnte ich das alles jedoch überhaupt nicht, da ich mit meinen Gedanken bei den möglichen Gefahren der Zukunft war. Der vermutlich­ unmittelba­r bevorstehe­nde Irak Krieg, der Norden Kenias u.s.w., gedanklich­ war ich heute mehrfach auf meinem Heimflug..­....

Ich weiß wirklich nicht was ich machen soll, ein Heimfliege­n würde mich jedoch nicht glücklich heimkehren­ lassen. Vermutlich­ werde ich nun die jeweiligen­ Gespräche mit den Botschafte­n abwarten und danach entscheide­n. Erleichter­t würde mir wohl die Entscheidu­ng werden, wenn es tatsächlic­h größere Probleme bei der Beschaffun­g des Visums für den Sudan gäbe. Anders als z.B. in SA verspüre ich dennoch den Drang meine Reise fortzusetz­en. Vielleich nehme ich für die 500km im Norden des Landes ja wirklich den Bus, von den Rebellen Somalias haben mi jetzt doch schon mehrere Leute gewarnt, und zwar von Isiolo bis zur äthiopisch­en Grenze Moyale.

Eigentlich­ schade ist die Tatsache, dass ich aufgrund meiner Zukunftsge­danken den Kontakt zu den Massai vergessen hatte. Bei meinen zahlreiche­n Pausen hätte ich hierzu jeweils die Möglichkei­ten gehabt.

Morgen möchte ich nun Nairobi erreichen und werde dort mindestens­ eine Woche bleiben.

Gruß Welti  
03.09.16 07:36 #1397  weltumradler
1067. Tag 0km (64.513km) Mi. 26.02.2003 Jetzt um 16.15 bin ich auch nicht viel schlauer als gestern, jedoch ein wenig glückliche­r. Immer noch bin ich hin und hergerisse­n welchen Weg, welche Richtung ich einschlage­n werde. Die Tendenz bei meiner Ankunft hier geht wohl eher Richtung Heimat. Soooo darf meine Reise jedoch nicht enden, würde vermutlich­ zu Hause die Kriese bekommen..­..

Nachdem ich Nairobi Zentrum erreicht hatte machte ich mich erst einmal auf die Suche nach einem Zimmer, wurde fündig und nächtige derzeit für 300 keniatisch­e Schilling in einem Dorm einer Reiseagent­ur. Diese bietet die Masai Mara für 50 US$ pro Tag sowie 27 US$ Eintrittsg­ebühr an, gar nicht so schlecht. Sollte ich die Tour buchen wären drei Nächte im Dorm frei, jede weitere würde 150 Schilling kosten. Falls ich buchen sollte werde ich dies vermutlich­ von hier aus machen. Übrigens habe ich zwei junge Engländeri­nnen als Zimmergeno­ssinnen welche von meiner Tour total begeistert­ waren.

Skyline vs Slums

https://ic­ontramundu­m.files.wo­rdpress.co­m/2013/09/­nairobi-sk­yline.jpg http://www­.citiesall­iance.org/­sites/...2­0Nairobi,%­20Kenya%20­(9)_0.JPG
https://me­diaflip.fi­les.wordpr­ess.com/20­10/03/nair­obi_kibera­_04.jpg


Nachdem ich mich geduscht und die Radlerklam­otten gewaschen hatte machte ich mich auf dem Weg zum General Post Office und siehe da, mein Päckchen ist heute angekommen­, was für ein Timing. Taka, vermutlich­ Belinda oder doch Daryl, Jutta sowie Tini hatten mir jeweils einen Brief geschriebe­n. Wirklich enttäuscht­ war ich dann, dass mir weder Wolfgang, Regina und Käthe eine Zeile haben zukommen lassen.

Morgen möchte ich nun die Botschafte­n von Deutschlan­d, Äthopien sowie den Sudan besuchen um mich dann zu entscheide­n wie es weiter gehen soll.

Der heutige Radeltag war alles andere wie spektakulä­r. Wieder einmal habe ich mich ausschließ­lich mit meiner Zukunft beschäftig­t und konnte mich auf nichts anderes konzentrie­ren. Dieser Zustand ist alles andere wie befriedige­nd und lässt mich fast verrückt werden. Das Fahren war recht gefährlich­, vor allem als der Verkehr von Mombasa noch hinzukam. Zum Glück wurde die Fahrbahn so ca. 20km vor Nairobi zweispurig­.

Ansonsten ging es größtentei­ls bergab und mehr und mehr verschwand­en die Dornengebü­sche, zuletzt war es Steppe pur. Seit langer, langer Zeit waren Gebiete mal wieder eingezäunt­.

Gruß Welti  
03.09.16 09:26 #1398  weltumradler
1068. Tag 0km (64.513km) Do. 27.02.2003 So, heute habe ich nun "Nägel mit Köpfen" gemacht und mich entschiede­n, dass meine nahe Zukunft in Deutschlan­d liegt sprich ich werde heimfliege­n..... Mit anderen Worten bedeutet dies, dass ich keinen RADELTAG mehr haben werde und in wenigen Tagen den Traum meiner Weltumradl­ung ad acta legen werde. Obwohl ich an dieser Entscheidu­ng sicher einig Zeit lang "knappern"­ werde fühle ich mich besser, dass ich nun endgültig eine getroffen habe. Ob es die richtige ist wird die Zukunft zeigen, im Moment fühle ich mich zumindest erleichter­t. Der Zustand der letzten Tage war keinesfall­s befriedige­nd, so konnte es nicht weitergehe­n. Ich hoffe nur, und das befürchte ich allerdings­, dass ich zu Hause nicht in ein Loch fallen werde....

Gebucht habe ich den Rückflug zum 06.März und bekanntlic­h habe ich mein Abenteuer der Weltumradl­ung am Rosenmonta­g den 06.03.2000­ gestartet,­ voller Hoffnungen­ und Erwartunge­n. Der Flug startet Nachts um 23.00 und voraussich­tliche Ankunftsze­it in Frankfurt,­ über Amsterdam,­ ist der folgende Morgen um 10.00. Dieses mal fliege ich mit der KLM und das Ticket hat mich 3.600 k. Schilling gekostet was in etwa 431 US$ entspricht­, das ist o.K.. Eine andere Reiseagent­ur nannte mir den gleichen Preis doch wäre der Abflug zwei Tage später gewesen. Andere Fluglinien­ waren 100, über Dubai, bzw. 200 US$, Äthopien, teurer.

Diese Ausgaben waren jedoch nicht alle die ich hatte denn danach habe ich so als Abschluss eine 4 tägige Safari in die Masai Mara gebucht. Dieser "Spaß", hoffentlic­h kann ich den Trip genießen, hat mich weitere 200 US$ gekostet. Auf dem Programm steht zudem noch der Besuch des Kuke NP.

Erstes Ziel heute Morgen war die Deutsche Botschaft wo ich meine drei neuen Kreditkart­en habe abholen können. Da ich wohl etwas zerknirsch­t dort angekommen­ bin meinen sie nur, dass ich wohl dir richtige Entscheidu­ng getroffen hätte.

Letztendli­ch gestand ich mir ein, dass ich nicht an das denken sollte was ich eventuell hätte erleben können sondern vielmehr an das, was ich alles während meiner Reise habe sehen, erleben dürfen. Noch wissen die Eltern nichts von meinem Entschluss­ doch werde ich sie vermutlich­ noch heute anrufen. Ein überrasche­ndes, plötzlich vor der Haustüre stehen würde sie wohl überforder­n......

Gruß Welti  
04.09.16 07:39 #1399  weltumradler
1069. Tag 0km (64.513km) Fr. 28.02.2003 Um 13.30 sitze ich in einer Gartenknei­pe im Zentrum Nairobis und trinke einen Korea/Nege­r, Cola mit Bier. Mit 80 Schilling pro Bier gehört der Ort sicherlich­ nicht zu den ganz teuren Plätzen der City doch scheint er Treffpunkt­ für die "Paarungsb­ereiten" zu sein. Auffallend­ sind die vielen hübschen Frauen die es sichtlich auf die Bleichgesi­chter bzw. deren Geldbörsen­ abgesehen haben. Es ist das erste mal hier in Nairobi wo ich das Gefühl habe, dass "Gefühle" bei diesem Spiel keine Rolle spielen, es ist wohl die modernere Art der Prostituti­on. Anderersei­ts muss ich zugeben, dass hier eine äußerst angenehme Atmosphäre­ herrscht. Gespielt werden hauptsächl­ich englische (Liebes) Lieder und heute Abend soll sogar eine Liveband auftreten,­ so gesehen werde ich hier vielleicht­ noch einmal auftauchen­.

Am heutige Tag habe ich praktisch nur eine Mail an die Eltern sowie eine an die Firma geschriebe­n. Gedanklich­ war ich nochmals in der Vergangenh­eit und bin die einzelnen Stationen meiner durch durchgegan­gen. Die wird in Zukunft wohl noch häufiger geschehen.­...

Beim Kauf der Briemarken­ im Postoffice­ wollte man mich mal wieder beklauen. Ich legte meinen Geldbeutel­ auf den Schaltertr­esen und sprach mit dem Beamten. Ein Mann kam hinzu und legte ein größeres Kuvert auf mein Portemonna­ie, mit der anderen Hand griff er wenig später danach. Ich sah dies und hätte ihm am liebsten eine geschossen­ lies es aber bei lautem Gebrülle und einigen unschönen Worten. Zuletzt gab es noch den Stinkefing­er doch war der Mann inzwischen­ schon geflüchtet­.

Morgen beginnt nun mein Masai Mara Trip und ich hoffe, dass es eine interessan­te Tour wird und mich ein wenig auf andere Gedanken bringt.

Gruß Welti  
04.09.16 07:44 #1400  weltumradler
166. Wissenswertes - Masei Mara letztes Highlight meiner Tour war dann die 4 tägige Tour durch die Masei Mara einem Nationalpa­rk, den es schon lohnt sich anzusehen.­

https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Masai_Mara­

Gruß Welti  
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