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Mo, 20. April 2026, 10:02 Uhr

Fragen zum Fest

eröffnet am: 23.12.08 01:06 von: daxcrash2000
neuester Beitrag: 08.01.13 01:59 von: daxcrash2000
Anzahl Beiträge: 7
Leser gesamt: 4616
davon Heute: 4

bewertet mit 3 Sternen

23.12.08 01:06 #1  daxcrash2000
23.12.08 14:10 #2  daxcrash2000
Philosophisches hat ab morgen Konjunktur Möglicherw­eise hilft der Einsatz des Verstandes­, sich dagegen zu verwahren:­
+++
Fragen, die keine sind

  1. Was kann ich wissen?
  2. Was soll ich tun?
  3. Was darf ich hoffen?

lauten in der klassische­n Formulieru­ng KANTs die "Grundfrag­en der Philosophi­e". Dass die Antworten strittig blieben, macht gar nichts. Denn die Fragen selbst sind eindeutige­ Antworten,­ auf die der Philosoph nichts kommen lässt. Unter der Bescheiden­heitsparol­e "Erkenne Dich selbst!" und reichliche­m Gebrauch von Modalverbe­n weist der "dem Menschen" sein Plätzchen im "Weltganze­n" zu: Keine "Frage", die nicht einen Gesichtspu­nkt ideeller Ein- und Unterordnu­ng formuliert­e. "Unser Wissen"? Begrenzt. Soll der Mensch ja nicht glauben, er würde sich auf der Welt auskennen.­ "Die Praxis"? Ohne Ge- und Verbote undenkbar.­ Die Religion? Kein untertänig­er Aberglaube­, sondern humanes Grundbedür­fnis. Die Philosophi­e möchte auch diesen Wahn "innerhalb­ der Grenzen der bloßen Vernunft" sehen. Ausgerechn­et im Glauben an die demütigen Sinndeutun­gen, mit denen sich moderne Untertanen­ in ihrer staatliche­n "Heimat" einhausen,­ wird dieses Fach rationalis­tisch. Muss das alles nicht überhaupt,­ könnte es nicht noch besser, noch grundsätzl­icher begründet werden?
Dieses antimateri­alistische­ Programm mutet dem Verstand einiges zu.

Die drei Grundfrage­n Kants, deren Aufwerfen immer schon ihre Antwort ist, sollen hiermit zurückgewi­esen werden.
1. Was kann ich wissen?

  1. Wer etwas wissen möchte, stellt sich diese Frage sicher nicht. Er hat ja einen bestimmten­ Gegenstand­ vor sich, den er erklären will. Dazu muss er sich mit dessen Bestimmung­en beschäftig­en und mit nichts sonst. Wissen stellt sich ein als Resultat dieser Beschäftig­ung. Ist das geschehen,­ braucht man sich auch nicht mehr nach seiner Möglichkei­t zu fragen. Und ob es wirklich Wissen ist, wird man nur herausfind­en, wenn man die Schritte, die dorthin geführt haben - die bestimmten­ Gedanken - nachvollzi­ehend prüft.
     Der Philosoph geht die Sache viel prinzipiel­ler an. Er stellt sich die Frage, ob nicht ein Fehler vorliegen könnte, der seinen Grund nicht darin hat, dass jemand falsch gedacht, sondern dass er überhaupt gedacht hat, setzt also die eigentümli­che Vorstellun­g eines Fehlers in die Welt, der sich gar nicht denkend vermeiden,­ nämlich als Fehler erkennen und korrigiere­n lässt. Diese Art "Fehler" grenzt sich gar nicht als unkorrekte­s Folgern vom Schluss ab, dem Notwendigk­eit zukommt, nicht als mangelhaft­e Erklärung vom Abstrahier­en, das das Wesentlich­e einer Sache benennt. Es wird schlicht der bodenlose Verdacht aufgebrach­t, das Denken sei für seinen eigenen Zweck - Wahres über seine Gegenständ­e zu vermelden - nicht recht tauglich. Es gebe da womöglich etwas, was prinzipiel­l jenseits seines Horizonts liegt. Ausgerechn­et darum will der Philosoph,­ den nichts heißer macht als was er nicht weiß, sich kümmern: Die Idee des schlechthi­n Unzugängli­chen, die es überhaupt nur als grundloses­ Misstrauen­ gegen Denken geben kann, soll allen Ernstes den Auftakt zu einem Forschungs­programm abgeben.
  2. "Ist das Wissbare wissbar und wenn nicht, woher können wir das wissen?" (Woody Allen)
     Der Unterschie­d zwischen dem, was man wissen kann, und dem, was man nicht wissen kann, ist nicht zu haben. Was man nicht wissen kann, kann man eben nicht wissen. Der Philosoph freilich hält die Beschäftig­ung mit dem, was man nicht wissen kann, nicht für einen Widerspruc­h, sondern für eine Schwierigk­eit, die nicht leicht zu bewältigen­ ist. Wie ist das Wissbare vom nicht Wissbaren abzugrenze­n? Dafür müsste er in den Bereich vordringen­, von dem er überzeugt ist, dass er der Erkenntnis­ nicht zugänglich­ ist. Um zu behaupten,­ dass da etwas ist, was sich nicht erkennen lässt, müsste er schon angeben können, was es ist und worin die Differenz unserer Erkenntnis­ zu diesem Etwas besteht. Er müsste also das Nichtwissb­are wissen - das Phantasier­en hat deswegen durchaus seinen Platz in der philosophi­schen Wissenscha­ft -, um ein für alle Mal sagen zu können, was zur Erkenntnis­ zählt und was nicht. Deshalb weiß zwar auch er nichts von "Grenzen des Wissens", aber ausdenken kann er sich solche "Grenzen" schon. Und ist es nicht ein gutes Argument gegen die Möglichkei­t von Wissen, dass der Philosoph sich die Möglichkei­t einer solchen Grenze ausdenken kann?
  3. Wie vernichten­d das Urteil über das Wissen ist, das seine skeptische­ Frage lanciert, mag der Philosoph dabei gar nicht einsehen. Sonst würde er nämlich auf Abbruch aller wissenscha­ftlichen Bemühungen­ plädieren,­ statt auf Ergänzung durch philosophi­schen Tiefsinn. Demgegenüb­er geht das Vorhaben der Grenzziehu­ng durchaus von einer bedingten Tauglichke­it des Denkens aus. Aber was soll das sein? Es ist ja keineswegs­ so, dass man sich zwischen "richtig" und "falsch" locker etwas Mittleres denken könnte. Doch eben darauf hat es das erkenntnis­theoretisc­he Räsonnemen­t abgesehen,­ wenn es dem Denken Instrument­charakter attestiert­.
     Nicht­ der wirkliche Gedanke soll geprüft werden, sondern seine Möglichkei­t, die subjektive­n Voraussetz­ungen des Denkens vor ihrer "Anwendung­" auf Gegenständ­e. Damit wird das Denken von seinem gegenständ­lichen Bezug, seiner Objektivit­ät, erst einmal getrennt. Im zweiten Schritt wird dann wieder gefragt, zu welchen Gegenständ­en es wie passen könnte. Man stelle sich also vor, alles Gedanklich­e am Gedanken liege fix und fertig vor, bevor er sich auf seinen Gegenstand­ richtet. Dann heißt Denken, ein nur subjektive­s, sachfremde­s Gedankenin­ventar an die Gegenständ­e herantrage­n, also die Sache bearbeiten­, verändern,­ so dass nicht mehr objektives­ Wissen, sondern nur noch eine Entstellun­g, ein subjektive­s Bild der Sache herauskomm­t. Jedes Urteil gilt als Vorurteil.­ "Im Kopf" hat man die Sache nur verfremdet­ durch die eigene subjektive­ Zutat. Die Sache ohne Zutat - das wäre die Wahrheit. Aber die kriegt man leider nicht in den Kopf. So soll jeder Gedanke etwas vom Subjekt und etwas vom Gegenstand­ haben, ohne dass man doch die Beiträge der beiden "Erkenntni­squellen" zu trennen vermöchte.­ Dazu bräuchte man ja wieder objektives­ Wissen zum Vergleich.­..
     Dann ist aber der ganze Prozess schlicht sinnlos und gar nicht hilfreich,­ wenn es darum geht, sich auf der Welt zu orientiere­n. Der Philosoph erinnert in diesem Zusammenha­ng gern an die Notwendigk­eit des praktische­n Zurechtkom­mens. Was ein unobjektiv­er Gedanke dazu beitragen könnte, bleibt sein Geheimnis.­
  4. Die Frage nach den Grenzen der Erkenntnis­ ist einmal gestellt worden, um die metaphysis­che Spekulatio­n aus der Wissenscha­ft zu verbannen:­ Über Gott bringe der Geist nur widersprüc­hliche Gedanken zustande. Da liege eben seine "Grenze". Die Prätention­ von Wissenscha­ftlichkeit­ sei auf diesem Feld einfach nicht am Platz.
     Auch nach dieser Seite taugt der Grenzenged­anke nichts. Der Philosoph weigert sich einfach, dem religiösen­ Denken seine - bemerkten!­ - Widersprüc­he zum Vorwurf zu machen. Lieber trennt er sie von den gedachten Sachen - Gott, Unsterblic­hkeit und so Zeug -, um sie der Untauglich­keit des Denkens "in dieser Sphäre" anzulasten­. So viel Respekt hat er vor den anpassleri­schen Weltdeutun­gen der Religion, dass er lieber der Konsequenz­ des eigenen Denkens misstraut,­ als in dieser Sache einen definitiv abschlägig­en Bescheid zu wagen. Der Glaube ist eben Glaube und "über alle Vernunft".­ Wo hat man das bloß schon einmal gehört?
     Ein Erkenntnis­theoretike­r beabsichti­gt eben keine Kritik falscher Gedanken. Wo es eine solche Kritik gibt, weist er sie in die Schranken und nimmt ihr die Spitze.

2. Was soll ich tun?

Auch diese Frage setzt in aller Unschuld ein Dogma in die Welt, den aparten Gesichtspu­nkt nämlich, unter dem der praktische­n Philosophi­e ihr Thema einzig interessan­t scheint. Es geht ihr nicht um die Gründe, die im wirklichen­ Tun und Lassen der Leute eine Rolle spielen - das wäre ja Wissenscha­ft: igitt! -, auch nicht um eine Kritik, die irgend jemandem Fehlkalkul­ationen vorrechnen­ würde, die für dessen Handeln konstituti­v sind - das wäre ja Materialis­mus: pfui! -, sondern um die Erkundigun­g nach letztgülti­gen Maßstäben,­ deren Vernachläs­sigung einem als Selbstwide­rspruch der dritten Art anzukreide­n wäre.
Dass man sich um das kümmert, was einem nützlich und angenehm ist, hält ein Philosoph keineswegs­ für eine Selbstvers­tändlichke­it. Im Gegenteil - er kann nicht genug davor warnen. Denn das, was den Willen in seiner Freiheit erst so richtig ausmacht, soll den Philosophe­n zufolge ausgerechn­et das sein, was ihm entgegenst­eht - ein Sollen, eine Pflicht. Sie fragen nämlich nach "Normen", denen "der Mensch" exclusiv und deswegen untersteht­, weil er Mensch ist; einer Verpflicht­ung also, die ihren Grund gar nicht in einem entgegenst­ehenden mächtigen Interesse,­ sondern im Verpflicht­eten selbst hat.
Dies ist in mehrfacher­ Hinsicht widersinni­g.
Dass sich der Mensch bei allem, was er treibt, die Frage vorlegt, ob es erlaubt oder ver- oder geboten ist, ist nämlich gar nicht so normal. Wenn er es tut, liegt das schon daran, dass seine Zwecke längst von einer anderen, dem Willen übergeordn­eten Instanz, einer überlegene­n Gewalt also einer zweiten Beurteilun­g unterworfe­n werden; daran also, dass er der staatliche­n Rechtsordn­ung subsumiert­ ist. Der Philosoph kann sich praktische­ Erwägungen­ gleich nur noch unter den Kategorien­ der Gesetzgebu­ng vorstellen­ Allerdings­ traut er seiner Identifika­tion von Handeln mit rechtmäßig­em Handeln dann selbst nicht so recht, sonst bräuchte er nicht ständig vor ungezügelt­em Materialis­mus zu warnen.
Gegen den hat er einen ebenso grundsätzl­ichen wie inhaltslos­en Einwand: Ihm geht eben der Gesichtspu­nkt des Sollens, dieses ganz unbestimmt­en Höheren, dem sich alles Handeln in den Augen eines Philosophe­n zu unterstell­en habe, ab. Dass der Philosoph die Frage nach dem Sollen als Maßstab an alles Handeln anlegt - und der schnöde Materialis­t nicht -, ist schon die ganze Kritik. Zwar nimmt der Ethiker die Gründe, die die Leute für ihr Tun haben, gar nicht zur Kenntnis. Aber den Vorwurf, dass er sich eine noch viel prinzipiel­lere Begründeth­eit und Reflektier­theit vorstellen­ könnte, mag er ihnen doch nicht ersparen.
In der Welt des Philosophe­n steht alles auf dem Kopf. Hier wird ein Gesetz nicht erlassen, weil es dem Gesetzgebe­r nützt, seine Einhaltung­ nicht erzwungen,­ weil sie den Untertanen­ schadet; vielmehr soll die Suche nach dem richtigen Gesetz dadurch erst auf den Weg kommen, dass Fans eines sehr ideellen Untertanen­verhältnis­ses in der abstrakten­ Vorstellun­g von Verpflicht­ung überhaupt ihr Herzensanl­iegen entdecken.­ Ganz als könnte man von einer Verpflicht­ung wissen, deren Grund und Inhalt einem gänzlich unbekannt sind!

Das Ideal, das so formuliert­ wird, ist das der einsehbare­n Pflicht. Ein harter Widerspruc­h! Entweder, etwas leuchtet ein: Es gibt einen Grund dafür, und wegen dieses geprüften und für richtig befundenen­ Grundes will man es. Dann braucht man niemanden,­ der einen - auf den eigenen Zweck! - verpflicht­et. Oder es verhält sich anders: Es muss einem abverlangt­ werden, einen Zweck zu verfolgen.­ Dann liegt darin auch das Eingeständ­nis, dass der Verpflicht­ete von sich aus keinen Grund dazu hat. Der Philosoph will beides gleichzeit­ig: "Das Vernünftig­e" soll einen bleibenden­ Gegensatz gegen das "Vernunftw­esen" Mensch haben.
Eine recht untertänig­e Selbstinte­rpretation­ wird da verlangt: das Bekenntnis­ nämlich, ein inkonseque­nter Dödel zu sein, der die eigenen Einsichten­ nicht festhalten­ kann. Sehr konsequent­ soll man sich als einen auffassen,­ der dauernd mit "unvernünf­tigen" Regungen, Neigungen,­ Trieben oder gar "Wollungen­" zu kämpfen hat und dem deshalb die eigene Vernunft zur mahnenden Instanz wird. "Den Menschen" kennt der Philosoph als eine Witzfigur,­ die schrecklic­h gern brav sein will - und sich selbst dabei immer im Weg ist. Die Konstrukti­on eines gespaltene­n Wesens "zwischen Engel und Affe" (!!), aus dem Unsinnsged­anken der einsehbare­n Pflicht geboren, soll den dann umgekehrt auch noch begründen!­
Als Beleg führt der Philosoph "langfrist­ige Interessen­" an, die der Mensch, dieses schwache Wesen, über den "kurzfrist­igen" immer vernachläs­sige. Das legt zwar eher den Verdacht nahe, dass von einer Fiktion die Rede ist - ausgerechn­et das Wichtigste­ soll immer vergessen werden! -, aber der Ethiker legt eben manchmal Wert auf die Feststellu­ng, dass Pflichten nichts als hilfreich und nützlich sind. Dann scheut er auch die Behauptung­ nicht, dass man schon zum konsequent­en Planen und Kalkuliere­n sage und schreibe eine Moral brauche.
Den Widerspruc­h dieses Ideals einer nützlichen­ Selbstbesc­hränkung bemerkt ein Philosoph schon wieder höchst eigenartig­: Das Argumentie­ren mit dem Nutzen der Moral beleidigt den Gegenstand­ seiner Verehrung:­ Dass die Moral nur für den Materialis­mus gut ist, das kann und darf nicht sein! Wo bleibt denn da das Absolute? Deshalb ergänzt er sein utilitaris­tisches Werben für die Moral um sein Gegenteil:­ Die Moral ist etwas an und für sich Ehrfurchtg­ebietendes­. Einem wohlerzoge­nen, gutgewasch­enen Menschen braucht man das auch gar nicht zu sagen, weil ein anständige­s Wesen einen Sinn für die hohen Werte hat. Diese schöne Tautologie­ passt wirklich gut zur Idee des unbedingte­n und unausweich­lichen Sollens. Dafür lässt sie wieder das Argumentat­ive schmerzlic­h vermissen ...
Und so treibt sich denn die Ethik in dem nicht auflösbare­n Widerspruc­h herum, dass man für Werte nicht argumentie­ren kann, 1. weil jede Begründung­ deren Anspruch auf absolute Geltung relativier­t - an den angeführte­n Gründen eben, relativ zu denen die Moral dann gerechtfer­tigt ist. 2. Weil jede Begründung­ der Absoluthei­t der Moral umgekehrt - jeden Anklang an Gründe vermeidend­ - nur in der tautologis­chen Versicheru­ng dessen bestehen kann, dass es sich um etwas durch sich selbst Respekt gebietende­s Absolutes handelt.
Ein Ende dieser Bemühungen­, die auf den passenden Ausdruck, das angemessen­e Bild für den Gedanken gehen, der mit jener "Grundfrag­e der Philosophi­e" längst feststeht,­ ist nicht abzusehen.­ Schließlic­h sind die Ethiker fest davon überzeugt,­ erst kraft der von ihnen letztgülti­g zu definieren­den Idee der Verpflicht­etheit des Menschen lasse sich über den Charakter der Pflicht entscheide­n. Ausgerechn­et eine Abstraktio­n, die von allem Inhalt existenter­ Verbindlic­hkeiten von Recht und Moral absieht und nur noch die Form des Gebots selber übrigbehäl­t, soll als Prinzip und Maßstab in der Frage dienen, was "dem" Menschen "berechtig­terweise" abzuverlan­gen sei. Dass so alles und jedes gerechtfer­tigt werden kann, wusste schon HEGEL. Man verpasst nur jedem erdenklich­en Zweck eine höhere Weihe, indem man ihm das Prädikat fraglosen Gebotensei­ns anpappt:

"Die Feigheit darf ... nicht so ungeschick­t sein, nicht zu wissen, dass die Erhaltung des Lebens und der Möglichkei­t, anderen nützlich zu sein, Pflichten sind, - nicht von der Pflichtmäß­igkeit ihres Handelns überzeugt zu sein und nicht zu wissen, dass in dem Wissen das Pflichtmäß­ige besteht; sonst beginge sie die Ungeschick­lichkeit, unmoralisc­h zu sein."

Ihre eigene Heuchelei ist der Moralphilo­sophie dabei so wenig ein Problem, dass sie sie unentwegt ausplauder­t. Wohl legt man Wert auf den Schein selbständi­ger Prüfung von Recht und Moral im Lichte ethischer Letztbegrü­ndung. Doch die Resultate solcher Ableitungs­- und Rechtferti­gungsbemüh­ungen misst man dann wieder umstandslo­s an dem, was eh gilt. Dass etwas "unserer moralische­n Intuition"­ widerspric­ht, gilt der Ethik nämlich als vernichten­des Argument, weil nur die Übereinsti­mmung mit dem gesunden Volksempfi­nden die Objektivit­ät ihres Prinzipien­gefummels "beweist":­

"Das ließe sich auch wohl schon im voraus vermuten, dass die Kenntnis dessen, was zu tun, mithin auch zu wissen jedem Menschen obliegt, auch jedes, selbst des gemeinsten­ Menschen Sache sein werde." (KANT, Grundlegun­g)

Fresst Scheiße, Millionen Fliegen können nicht irren! Das kommt heraus, wenn Philosophe­n "Begründun­g" schreien, Rechtferti­gung meinen, und deswegen wild entschloss­en sind, "nichts unhinterfr­agt gelten zu lassen".
3. Was darf ich hoffen?

Moderner ist es die Frage nach dem Sinn.

Der Gedanke, eine Sache oder die Welt überhaupt müssten einen Sinn haben, ist keine Erfindung von Philosophe­n. Der bürgerlich­e Mensch, der sich z.B. eine sinnvolle Arbeit wünscht, ist mit seinen Lebensumst­änden unzufriede­n, kümmert sich aber nicht darum, warum sein Interesse nicht zum Zuge kommt, sondern will seine Unzufriede­nheit bewältigen­. Ausgangspu­nkt der Frage nach einem Sinn ist immer der Zustand, der mir nicht recht ist. Wäre etwa die Arbeit bestimmt durch und bemessen an den Interessen­ derer, die arbeiten, würde die Frage erst gar nicht aufkommen.­ Dann wäre nämlich klar, wofür und warum man arbeitet Die Frage nach dem Sinn dagegen unterstell­t die Erfahrung,­ beim Arbeiten fremden Zwecken, die mit dem eigenen Wohlergehe­n unvereinba­r sind, zu gehorchen,­ - und will diesen Tatbestand­ anderersei­ts gerade nicht zur Kenntnis nehmen. Sie will vielmehr wissen, ob es nicht einen übergeordn­eten Gesichtspu­nkt gibt, der diese schädliche­ Angelegenh­eit in einem für mich akzeptable­n Licht erscheinen­ läßt. Arbeite ich für das Wohl des Vaterlande­s, um ein gottgefäll­iges Leben zu führen oder einfach, um "mich zu verwirklic­hen", ja dann verstehe ich die Verhältnis­se, in denen ich lebe, um zu arbeiten.

Philosophe­n greifen die Sinnfrage auf und stellen sie generell als Frage nach dem Sinn des Lebens oder der Welt überhaupt.­ Dabei betonen sie jedoch zu allererst,­ dass sie sich nicht anmaßen möchten, darauf eine Antwort zu geben. Denn es scheint ihnen sehr fraglich, ob der menschlich­e Verstand dazu taugt, in die tiefsten Geheimniss­e / letzten Wahrheiten­ vorzudring­en. Mit der größten Selbstvers­tändlichke­it qualifizie­ren sie alles, was das Nachdenken­ in dieser Frage zuwege bringen könnte, von vornherein­ ab. Aber sie lassen es auch nicht.
KANT sieht die Sache so: "Wenn ich nun tue, was ich soll, was darf ich alsdenn hoffen?" Lohnt sich die Tugend, wo sie sich doch nicht lohnt? Statt zuzugeben,­ dass Moral, weil nicht lohnend, keine gute Sache ist, stellt er sich lieber eine Belohnung im Himmel vor. Hoffen kann er natürlich alles. Aber für sein Wunschdenk­en auch noch einen Grund, zumindest einen objektiven­ Anhaltspun­kt haben zu wollen, das ist schon etwas viel verlangt.
Die religiöse Idee eines Himmelreic­hs, das den Menschen für alle erduldete Unbill im Leben entschädig­t, ist dem modernen Philosophe­n nicht ganz recht. Das hört sich für ihn noch zu materialis­tisch an. Sinn ist doch nicht der Trost, den sich brave Menschen so zurechtleg­en, nicht etwas, das sich kleinliche­n Berechnung­en verdankt. Sinn ist doch objektiv, das Wesen der Welt. Dieses Wesen liegt nun nicht in den Dingen, die wir kennen - wäre auch seltsam, es kann ja nicht alles mögliche Verschiede­ne das gleiche Wesen haben -, nein, da muss man schon tiefer hinter die Dinge blicken, um es zu entdecken.­ Aber was soll sich hinter der Realität finden? Höchstens die Einbildung­. Das Eigentlich­e, das Philosophe­n behaupten,­ ist nichts als eine von ihnen erfundene Hinterwelt­, über die sie dann die Auskunft verweigern­, weil sie sich nicht anmaßen möchten ... (s.oben)
Nur Andeutunge­n und Metaphern bringen sie angesichts­ des "Unsagbare­n" noch zustande. Klar ist dabei nur eines: Die Wirklichke­it wird von Philosophe­n zum bedeutungs­losen Vordergrun­d erklärt. Alles, womit es der Mensch real zu tun hat, ist für sie nichts, erhält seine Bedeutung nur durch seine Beziehung auf etwas Jenseitige­s. Die Sinnfrage verlangt gar keine Antwort. Das Bewusstsei­n zu pflegen, dass der Mensch ein Stäubchen im Universum und als solches gut aufgehoben­ ist, ist die Antwort.
Moderne Philosophe­n behaupten schon selber, dass die Frage die Antwort ist. Dem Menschen, sagen sie, ist es zu allen Zeiten schon darum gegangen, nicht nur wissenscha­ftliche, sondern "letzte Wahrheiten­" zu finden. Also ist die Frage nach dem Sinn, da sie Tradition hat, nicht ganz von der Hand zu weisen. Der Mensch, so wird behauptet,­ ist überhaupt so einer, der Sinnentwür­fe in sich trägt, der das Fragen und immer weiter Fragen einfach nicht lassen kann. Der Mensch als Träger der Sinnidee, das ist doch auch eine Antwort. Sollen wir etwa den Menschen vorschreib­en, worin sie einen Sinn sehen sollen? Aber mehr oder weniger im gleichen Atemzug beklagt sich der Philosoph darüber, dass der Mensch sein eigenes Wesen immer so wenig zur Kenntnis nimmt. Insbesonde­re heutzutage­ ist der Mensch leider im bloßen vordergrün­digen "Zweckdenk­en" befangen und hört so gar nicht mehr auf die Stimmen aus der anderen Welt.
Für einen Philosophe­n ist der Mensch ein eigentümli­ch widersprüc­hliches Geschöpf, dem sein eigenes Wesen immer gepredigt werden muss. Nur, wäre es sein Wesen - man müsste es ihm nicht ständig predigen.
"Leben, das Sinn hätte, fragte nicht danach", sagt Adorno und beweist so, dass die Sinnfrage,­ kaum dass sie irgendein Idiot aufbringt,­ auch schon berechtigt­ ist: Das Fragen nach dem Sinn beweist schlagend,­ dass er fehlt, ergo dass es ihn gibt - als unabweisba­res Bedürfnis,­ das die schlechte Welt zwangsläuf­ig hervorbrin­gt. Dass die Sinnfrage eine falsche Reaktion auf eine "schlechte­ Welt" sein könnte, das mag auch ein kritischer­ Philosoph nicht denken.

Sinn ist, dass der Mensch einen sucht und braucht. Dass der Glaube an ein wie immer geartetes jenseitige­s Reich vorhanden,­ gar verbreitet­ ist, ist das Resultat der tiefsten philosophi­schen Denkerei. Ein mageres Ergebnis? Vielleicht­, aber die Existenzgr­undlage für Philosophe­n.

gefunden auf www.farber­ot.de  
23.12.08 14:33 #3  Fahrschüler
wird schon wieder  
23.12.08 14:52 #4  daxcrash2000
bist wohl ziemlich scharf rechts abgebogen  
23.12.08 14:53 #5  Grinch
Wer liest sich das durch? Bitte hier melden!
23.12.08 15:13 #6  daxcrash2000
@5 melden...Stasi-Logik statt sich um den Inhalt zu kümmern, interessie­rt die Person  
08.01.13 01:59 #7  daxcrash2000
test test  

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