Aktienmarkt vor oberer Trendwende?
25.06.24 09:40
S. Feuerstein
Am kommenden Wochenende findet in Frankreich die vorgezogene Parlamentswahl statt. Nach dem starken Ergebnis der rechten Parteien bei der Europawahl hatte der französische Präsident Emmanuel Macron Neuwahlen ausgerufen. Aktuellen Umfragen zu Folge könnte die rechtspopulistische „„Ressemblement National (RN)“ von Marine Le Pen dabei sogar die absolute Mehrheit erlangen. Das starke Ergebnis der rechten Parteien bei der Europawahl ist an den Finanzmärkten auf wenig Gegenliebe gestoßen. Sollte die RN nun tatsächlich auch noch die absolute Mehrheit im französischen Parlament erreichen, wäre eine entsprechend negative Reaktion an den Finanzmärkten keine Überraschung.
Risikoaufschlag für französische Staatsanleihen
Die Unsicherheit über den Ausgang der französischen Wahl und damit auch der künftigen Politik in Europa sorgt für einen Risikoaufschlag für französische Staatsanleihen. So wurden unter anderem 10-jähre französische Staatsanleihen in der Spitze mit einem Renditeaufschlag von rund 0,8 Prozent gegenüber den deutschen Bundesanleihen gehandelt. Betroffen von der Unsicherheit der Marktteilnehmer waren zuletzt auch die französischen Banken, welche nach dem Rechtsruck bei der Europawahl einen entsprechenden Dämpfer erhalten haben. Ein erneuter Aufschlag nach einer absoluten Mehrheit der „Ressemblement National“ wäre nach der Wahl am kommenden Wochenende daher keine Überraschung.
Wünsch dir was?
Solange eine Partei keinerlei Aussicht auf eine Regierungsbeteiligung hat, ist es einfach, mit üppigen Versprechen zu werben. Erreicht eine Partei hingegen ein Ergebnis, welches zu einer Regierungsbeteiligung führt, sind viele Versprechen in der angekommenen Realität nicht durchführbar. Selbst wenn die RN am kommenden Wochenende die absolute Mehrheit im französischen Parlament erhält, dürfte Marine Le Pen genötigt sein, konstruktiv mit Emmanuel Macron zusammenzuarbeiten. Schließlich wäre eine deutliche Verwerfung an den Finanzmärkten auch für Le Pen kein erstrebenswertes Ziel. Zur besseren Orientierung bietet sich daher ein Blick nach Italien an. Dort waren die Sorgen nach dem Sieg der rechts-nationalen Giorgia Meloni zunächst groß. Allerdings gelang es Meloni, die Märkte zu beruhigen und damit deutliche Verwerfungen an den Kapitalmärkten zu verhindern. Die grundsätzliche Ausrichtung dürfte zwar sowohl in Italien wie auch in Frankreich unverändert bleiben, die Auswirkungen daraus werden sich allerdings erst mittel- bis langfristig bemerkbar machen. Aus saisonaler Sicht könnte sich aus der Wahl in Frankreich aber dennoch ein negativer Impuls ergeben. Schließlich sind die Sommermonate an den Börsen im langfristigen Vergleich uneinheitlich bis schwach verlaufen, so dass auch in diesem Jahr die alte Börsenweisheit „sell in may ... „ weiterhin ihre Gültigkeit haben sollte. Mit dem Start in das letzte Quartal des Jahres hellt sich dieser Indikator allerdings dann wieder deutlich auf!
Viel Erfolg in der kommenden Börsenwoche
Stephan Feuerstein
Hebelzertifikate-Trader
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