Anleihen: Erste „Safe-Haven-Zuflüsse“
10.11.25 12:32
Redaktion boerse-frankfurt.de
Die Sorgen vor einer Überhitzung an den Aktienmärkten stärken die Nachfrage nach europäischen Staats- und Unternehmensanleihen. Vor allem Langläufer sind gefragt. Für fallende Renditen hat das Kaufinteresse in der Breite aber noch nicht gereicht.
7. November 2025. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Anstieg der Renditen geht weiter, wenn auch in moderatem Tempo. „Die Rentenbären bleiben im Vorteil, Risk-off-Tendenzen bremsen aber deren Elan“, kommentiert Elmar Völker von der LBBW. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt bei 2,66 Prozent. Damit konnte das zuletzt deutlich erhöhte Niveau leicht ausgebaut werden. In den USA rentieren die zehnjährige Treasuries weiterhin über der Marke von 4 Prozent. Im Wochenverlauf wurde bei 4,16 Prozent der höchste Stand seit gut vier Wochen markiert. Auf Sicht von sechs Monaten ist der Trend aber noch abwärtsgerichtet.
Eine „Mahnung“ für die Fed
Den zwischenzeitlich recht deutlichen Anstieg der US-Renditen erklärt Völker mit „bearishen Impulsen von Seiten der US-Makrodaten“. Demnach scheinen die Rezessionsgefahren in den USA einstweilen entschärft. Das lässt nach Ansicht der LBBW-Analysten eine neuerliche Leitzinssenkung im Dezember weniger zwingend erscheinen lässt. Völker sieht die auf den höchsten Stand seit Oktober 2022 gekletterte Preiskomponente des ISM Services Index zudem als Mahnung für die Fed, die Inflationsgefahren nicht aus dem Blick zu verlieren. Trotzdem geht er davon aus, „dass sich die Notenbanker schlussendlich für eine Senkung entscheiden werden“.
Die von dem LBBW-Experten angesprochenen „Risk-off“-Tendenzen beziehen sich auf die Aktienmärkte, wo die Sorge bezüglich einer Überbewertung der großen US-Tech-Konzerne zuzunehmen scheint. „Sollte es zu einer ausgeprägteren Korrektur der zurückliegenden Kurshausse kommen, könnte dies die Anleger u.E. verstärkt zu Umschichtungen in Rentenpapiere motivieren“, erklärt Völker.
Anleihen aus Frankreich und der Niederlande gesucht
Von ersten „Safe-Haven-Zuflüsse“ an den Rentenmärkten berichtet Raffaele Antacido von der ICF Bank. „Staatsanleihen von Frankreich und der Niederlande waren in großen Volumen gesucht“, konkretisiert der Händler die Suche nach vermeintlicher Sicherheit in Staatsanleihen. Gekauft wurden Bonds mit Laufzeiten von sechs (FR0012993103) bzw. acht Jahren (NL0010071189), die Renditen von 2,8 bzw. 2,6 Prozent abwerfen.
Eine regelrechte Flut an neuen Bonds gibt es von der Google-Mutter Alphabet. Das US-Unternehmen hat laut Antacido Anfang der Woche gleich vierzehn Anleihen (USD- und EUR-Tranchen) in Milliardenhöhe ausgegeben, um die massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz und Cloud-Infrastruktur zu finanzieren. Gut gehandelt wurden vor allem Papiere mit längeren Laufzeiten. Bei einer erst im Jahr 2064 fälligen EUR-Anleihe liegt die Rendite aktuell bei 4,4 Prozent (XS3224609613).
Lange Laufzeiten werden bevorzugt
Einen Trend zu Langläufern sieht auch Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank und nennt als Beispiele eine 2044 fällige Anleihe von E.ON (XS2791960664) und einen bis 2031 laufenden Bond von MTU Aero Engines (XS2887896574). Ebenfalls nachgefragt war diese Woche die in knapp drei Jahren fällige Anleihe der Deutschen Pfandbriefbank (DE000A382665). „Im Zuge des Kursverfalls der Aktie kam auch die Anleihe unter Druck, was zum Kauf genutzt wurde“, bemerkt Daniel.
Ohne passende Nachrichten ging es bei einer bis 2029 laufenden Anleihe von Formycon bergab (NO0013586024).
Im Vorfeld der für den 13. November avisierten Neunmonatszahlen des Unternehmens fiel der Kurs am Donnerstag von 96 auf 90 Prozent. „Mangels Käufer gab es einen massiven Verlust bei allerdings geringen Umsätzen“, wie Daniel berichtet.
Von Thomas Koch, 7. November 2025 © Deutsche Börse AG
Über den Autor
Thomas Koch ist CEFA-Investmentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte und geprüfter Zertifikateberater. Seit Anfang 2006 beschäftigt er sich als freier Journalist
mit dem Geschehen an den Kapitalmärkten.
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