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Goldbranche treibt digitales Transaktionsregister voran


12.04.22 11:14
GoldGeldWelt

Die Goldbranche setzt auf Digitalisierung mittels Distributed Ledger Technologie. Ähnlich wie die Blockchain bei der Kryptowährung Bitcoin soll künftig der Weg von Goldbarren von der Mine über die Raffinerie bis in den Tresor nachverfolgt werden können. Jedes einzelne Stück Gold, das die Mine verlässt, soll künftig eine Art Pass erhalten.

Hinter dem Projekt stehen die beiden Branchenverbände London Bullion Market Association (LBMA) und der World Gold Council (WGC). Das „Goldbarren Integritätsprogramm“ soll das Produkt einer Kooperation zwischen den beiden Vereinigungen sowie mit Goldminenbetreibern, Raffinerien und Händlern sein.

Den Weg eines Goldbarren digital und öffentlich einsehbar aufzeichnen
Worum geht es? Die beiden Verbände haben ein Pilotprojekt ins Leben gerufen. Das Ziel: Die Herkunft von Goldbarren sowie deren weiterer Weg sollen vollständig digital erfasst und dokumentiert werden.

Dabei wollen die Goldverbände auf eine öffentlich einsehbare Transaktionshistorie setzen. Die Basis dafür soll die Distributed Ledger Technologie bilden. Diese kommt auch bei Kryptowährungen wie Bitcoin zum Einsatz. WGC und LBMA haben für das Pilotprojekt die Blockchain-Firmen aXedras und Peer Ledger ins Boot geholt.

In der ersten Testphase geht es darum aufzuzeigen, wie mit der Technologie eine Dokumentation der Herkunft eines Goldbarrens sowie seiner Aufbewahrungskette geschaffen werden kann. Die Distributed Ledger Technologie bietet einen zentralen Vorteil: Aufzeichnungen sind hier unveränderlich. Es ist nicht möglich, die Herkunft eines Goldbarrens durch Manipulation nachträglich zu verändern.

Das Ziel der Branche: Alle Goldbarren sollen künftig rückverfolgbar sein – und zwar von der Mine über die Raffinerie bis hin zur Verwendung. Dabei soll es keine Rolle spielen, ob ein Goldbarren als Schmuckstück endet, an einen Privatanleger verkauft wird oder als Investment im Tresor lagert.

Gestärktes Vertrauen soll neue Investoren anziehen
WGC Chef David Tait wurde vor wenigen Tagen im Handelsblatt zitiert: „Wir wollen eine unverfälschbare Datenbasis des gesamten Goldmarktes erschaffen, aus der hervorgeht: Wo kommt das Gold her und wo geht es hin.“

Die Verbände wollen das Vertrauen in Gold vergrößern und dadurch attraktiv für neue Investorengruppen werden. So lassen sich nach den Vorstellungen der Initiatoren auch illegale Aktivitäten rund um das Edelmetall reduzieren – etwa im Bereich der Geldwäsche.

LBMA Chef Ruth Crowell betonte, der internationale Handel mit physischen Gold sei stark vertrauensabhängig. Das Projekt solle das Vertrauen in den Edelmetallmarkt fördern und damit einen Beitrag zur Prosperität der Goldindustrie leisten.

An Unterstützern mangelt es nicht. Minenkonzerne wie Barrick Gold (WKN: 870450, ISIN: CA0679011084) und Newmont (WKN: 853823, ISIN: US6516391066), Goldbarrenhersteller wie Argor Heraeus und Valcambi und Händler (in Deutschland zum Beispiel Degussa und ProAurum) machen mit.

Die Verbände hoffen, dass sich bald auch die im Edelmetallhandel vertretenen Banken anschließen. Unterstützung haben LBMA und WGC zufolge auch wichtige Staaten wie USA, China, Indien und die VAE zugesagt.

Die Initiatoren erhoffen sich durch das Projekt auch handfeste wirtschaftliche Vorteile. So könnte die Transparenz in Verbindung mit wirksamen Maßnahmen gegen Geldwäsche auch bürokratische Hürden abbauen und den grenzüberschreitenden Handel günstiger machen. Dadurch sollen die Kosten des Projekts amortisiert werden.

ESG Kriterien im Blick
Jin Chang, Managing Director und Global Head of Metals bei der CME Group zufolge könnte das „Gold Bar Integrity Programme“ auch dazu beitragen, Nachhaltigkeitsziele Kunden zu erfüllen. Die CME Group setze sich dafür ein, Kunden bei der Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Zukunft zu unterstützen. Das Projekt könne dazu beitragen, sowohl in der Branche selbst als auch auf Seiten der Kunden Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Für immer mehr Unternehmen spielen sogenannte ESG Kriterien eine Rolle. So legen etwa Fondsgesellschaften Geld nur noch in Aktien von Unternehmen, die bestimmte Nachhaltigkeitsziele erfüllen und z.B. nicht in Berührung mit bestimmten Problemfeldern wie Kinderarbeit gelangen.

Der Edelmetallhandel wird durch den Gesetzgeber verdächtigt, Aktivitätsfeld von Geldwäschern zu sein. Nicht zuletzt deshalb gilt seit Januar 2020 eine Obergrenze für den anonymen Kauf von Edelmetallen mit Bargeld. Diese auch als Tafelgeschäft  bezeichneten Käufe sind nur noch für Beträge bis unter 2.000 EUR möglich.




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