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Di, 27. September 2022, 1:02 Uhr

Die London Metal Exchange will OTC Markt transparenter machen


31.05.22 14:32
GoldGeldWelt

Das Chaos im Nickelhandel lässt die Metal Exchange (LME) nicht los. Nun arbeitet die Börse daran, sich neu aufzustellen. Es geht um aufgeschreckte Aufsichtsbehörden, einen intransparenten OTC Markt (Over The Counter) und den Verdacht von Interessenkonflikten.

LME Chef Matthew Chamberlain versucht, die Reputation der LME wiederherzustellen. Chamberlain hat vorgeschlagen, dass LME Mitglieder wöchentliche Berichte über OTC Positionen vorlegen sollen – also Positionen außerhalb der Börse. Dadurch soll die Monitoringfähigkeiten der LME erweitert werden.

Stärkeres Monitoring des OTC Marktes
Auf dem OTC Markt können Bergbauunternehmen, Rohstoffhändler und andere Akteure wie z.B. Autohersteller Preisrisiken absichern. Auf der Gegenseite stehen häufig Finanzinvestoren wie Hedgefonds, die auf steigende oder fallende Rohstoffpreise spekulieren.

Der OTC Markt bietet komplexere und individuellere Produkte als der standardisierte Börsenhandel an der LME. Außerdem können Marktteilnehmer hier Clearing und Marginanforderungen aus dem Weg gehen.

Gerade im Zuge der massiv gestiegenen Preisvolatilität an den Rohstoffmärkten sind viele Akteure auf außerbörsliche Produkte ausgewichen. Bei steigenden Preisen und steigender Volatilität erhöhen sich die Marginanforderungen enorm. Nicht alle Marktteilnehmer können den dadurch steigen Liquiditätsbedarf kurzfristig decken.

Marktbeobachter erwarten deshalb, dass die Aktivitäten auf dem OTC Markt weiter ansteigen – zumal das Vertrauen in die börsliche Abwicklung über die LME durch die „Causa Nickel“ nachhaltig beeinträchtigt ist. Auch Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich legen nahe, dass das Volumen auf dem außerbörslichen Rohstoffmarkt zuletzt gestiegen ist.

Chamberlain will am OTC Markt aktive Banken verpflichten, eigene Positionen sowie Position ihrer Kunden an die LME zu melden. Auf dieser Basis will die Metallbörse Berichte über die Aktivitäten auf dem OTC Markt erstellen und veröffentlichen. Dies soll die Transparenz auf dem Markt verbessern. Mit den Maßnahmen könnte die Börse zudem mögliche Krisen früher erkennen und gegensteuern.

„Kunden denken darüber nach, ob sie weiterhin mit uns Geschäfte machen wollen“
Chamberlain wurde im Hinblick auf die Notwendigkeit der Maßnahmen deutlich. Alle an der LME wüssten, dass Partner, Nutzer und Kunden darüber nachdenken würden, ob sie weiterhin mit der Börse Geschäfte machen wollten. Die von ihm vorgeschlagene Roadmap solle die Wogen etwas glätten.

Händler rechnen mit einer stärkeren Regulierung des Rohstoffmarktes – zumindest auf börslicher Ebene. Die britische t Financial Conduct Authority (FCA) hat bereits mitgeteilt, die Maßnahmen der LME mit großem Interesse zu verfolgen.

Die FCA arbeitet bereits an einer stärkeren Überwachung der britischen Märkte mit neuen Marktüberwachungssystemen. Hier geht es darum, mehr Daten zum Monitoring zu verwenden. Die Systeme könnten an den global wichtigen Londoner Rohstoffmärkten erstmals zum Einsatz kommen.

Bereits infolge der Finanzkrise hatten Aufsichtsbehörden weltweit darauf hingearbeitet, den OTC Markt zu verkleinern und stärker in Richtung börslich regulierter Handel zu verschieben.

Verkompliziert wird die Angelegenheit durch den Umstand, dass die Aufmerksamkeit bezüglich der LME Regulierung auch eine politische Dimension besitzt. Der Finanzplatz London befindet sich nunmehr außerhalb der Europäischen Union.

Einerseits hatte die Regierung versprochen, den Finanzplatz von vielen EU bedingten Regulierungsauflagen zu befreien. Andererseits verlangen Marktteilnehmer weltweit den Nachweis, dass auch die Londoner Märkte nach höchsten Standards reguliert werden.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete kürzlich unter Berufung auf Vieraugengespräche mit Händlern, dass bereits ein Teil des OTC Marktes in den Orderbüchern der LME Platz finde – weil Akteure ihr Risiko aus OTC Geschäften auf diese Weise absicherten. Dies scheint aber nicht für die großen Akteure zu gelten, die Positionen ihrer Kunden häufig auf internen Plattformen zunächst gegeneinander verrechnen und allenfalls sehr große Exposures extern absichern.

Das aktuelle Problem besteht also darin, dass einerseits der OTC Markt als Risiko wahrgenommen wird – andererseits der regulierte Börsenhandel im März nachweislich versagt hat. Damals kam es infolge von Wiedereindeckungskäufen zu massiven Preisturbulenzen, einer Aussetzung des Handels und der Stornierung zahlreicher Kontrakte.

Ein wichtiges Detail: Die extreme Preisentwicklung im Nickelhandel am 8. März ging auf eine Fehlspekulation des chinesischen Metallmoguls Xiang Guangda und seines Eisen- und Nickelkonzerns Tsingshan Holdings zurück. Die LME gehört seit rund zehn Jahren zum Hongkonger Börsenbetreiber HKEX, der mittlerweile fest im Griff der Pekinger Regierung ist. Es wird gemutmaßt, dass China Einfluss auf die Entscheidungen der LME genommen haben könnte.




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