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Fr, 17. April 2026, 13:53 Uhr

Marktstimmung: "Aufgewacht"


04.09.25 12:01
Redaktion boerse-frankfurt.de


Durch die Aktienmärkte ist ein Ruck gegangen, die heimischen Aktionäre reagieren mit Aktienkäufen und neuen Short-Positionen. Für Goldberg kein schlechtes Vorzeichen. 


Zusammenfassung


Beklemmende Nachrichten, kritischie Kommentare und der schlechte Ruf des Septembers drücken Börsenpreise nach unten. Die mittelfristig orientierten Anlegerinnen und Anleger reagieren sehr unterschiedlich. Von den Profis wechseln einige sowohl auf die Long- als auch auf die Short-Seite. Nur von den Privaten setzt niemand neuerdings auf steigende Preise. Die Sentiment-Indizes beider Gruppen liegen im negativen Bereich bei -18 und -12 Punkten nahe beieinander.


Joachim Goldberg weist darauf hin, dass mit 47 Prozent nahezu die Hälfte aller Profis negativ gestimmt seien. Er sieht dahinter viel echten Pessimismus. Es habe zudem so gut wie keine Gewinnmitnahmen der Bären gegeben. Die Käufe hielten das Sentiment jedoch stabil. Der Verhaltensökonom sieht deutsche Bluechips “trotz aller Unkenrufe” nicht verloren. An der Unterseite sieht er jetzt bei 23.200/250 Punkten eine Stütze.


3. September 2025. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Dass das Handelsgeschehen an den hiesigen Aktienmärkten in der vergangenen Woche teils in recht ruhigen Bahnen verlief, mag mancher als Ruhe vor dem Sturm interpretiert haben. Verdächtig schien auch, dass der DAX nach oben kaum Momentum entwickeln konnte. Aber nach dem US-Feiertag am vergangenen Montag war plötzlich alles anders. Ob es nun US-Hedge-Fondsmanager Ray Dalio war, der vor einer US-Finanzkrise warnte, oder der Anstieg der Renditen an den Bondmärkten, wo etwa britische Gilts mit 30-jähriger Laufzeit ein neues 27-Jahreshoch markierten – oder noch wahrscheinlicher die Addition von Nachrichten, durch die auch der DAX deutlich in Mitleidenschaft gezogen wurde. 


Hinzu kam vermutlich noch die Angst vor dem in den vergangenen 100 Jahren stets schwierigen September für die US-Aktienmärkte, der bei manchem Akteur die Warnglocken schrillen ließ. Ganz zu schweigen von den übrigen politischen Nachrichten aus den USA, wenn man etwa an den vielerorts befürchteten Verlust der Unabhängigkeit der US-Notenbank denkt. Diese Mischung muss wohl entscheidend gewesen sein, dass der DAX im Wochenvergleich 2,1 Prozent an Wert verlor.


Gewinne nicht mitgenommen


Unterdessen hat sich die Stimmung unter den von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont gegenüber der Vorwoche kaum verändert. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index hat sich gerade einmal um einen Punkt auf einen neuen Stand von -18 verbessert. Allerdings ist die Polarisierung zwischen Bullen und Bären gestiegen. Tatsächlich hat sich die Gruppe der neutral gestimmten Investoren deutlich reduziert, und zwar um 7 Prozentpunkte – etwas mehr als die Hälfte ist zu den Bullen, der Rest zu den Bären gewandert. Dass die Bären mit 47 Prozent aller Befragten noch stärker als in der Vorwoche vertreten sind, ist insofern bemerkenswert, als wir an der Unterseite aus diesen Quellen etwas mehr Nachfrage aus Gewinnmitnahmen erwartet hätten. Die Angst vor weiteren Kursverlusten war offensichtlich stärker, als der Wunsch, Gewinne festzuschreiben.


Anders sieht es bei den Privatanlegern aus, deren Börse Frankfurt Sentiment-Index um 5 Punkte auf einen neuen Stand von -12 gefallen ist. Dabei gab es unter dem Strich eine Wanderung vom Bullen- zum Bärenlager, bemerkenswerterweise handelt es sich bei dem Sentimentniveau in diesem Panel um den niedrigsten Stand seit dem 16. August 2023. Denn normalerweise gelten Privatanleger  als grunssätzlich eher optimistisch eingestellt. In der relativen Betrachtung kann man in der Sicht auf drei und sechs Monate durchaus behaupten, dass die Stimmung sogar noch schlechter ist, als der absolute Stand des Sentiment-Index vermuten lässt. Optimistisch zeigten sich zuletzt nur noch diejenigen Privatanleger, die wir über Social Media befragen, die übrigen Anlegenden sind dagegen in der Mehrheit pessimistisch eingestellt.


Pessimismus bei den Privaten


Mit der heutigen Befragung hat sich die Stimmungskluft zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren ein wenig verringert. Wenn man allerdings nur den Anteil derjenigen Privatanleger, die wir nicht über Social Media befragen, mit der Stimmung der institutionellen Investoren vergleicht, ist gar kein besonderer Unterschied im Verhalten mehr festzustellen. In dieser Betrachtung erscheinen die Privatanleger dann sogar etwas pessimistischer als ihre institutionellen Pendants.


Unter dem Strich hat vor allem der gestrige Handelstag den Börsianern offenbar einen gehörigen Schrecken eingejagt. Manche waren sogar bereit, sich trotz der fallenden Kurse spät auf die Bärenseite zu schlagen. Auch hat es seitens der institutionellen Bären so gut wie keine Gewinnmitnahmen gegeben.  Aber immerhin haben sich einige vormals neutral eingestellte Anleger offenbar ein Herz gefasst und sind neue Engagements auf der Bullenseite eingegangen, allerdings wurden auch neue bearishe Positionen eröffnet. Dabei fällt bei genauerer Analyse auf, dass die Gruppe der neutral gestimmten Investoren während der vergangenen drei Wochen dafür genutzt wurde, ursprünglich bullishe Positionen verdeckt auf die Bärenseite zu verschieben. An der Sentiment-technischen Situation des DAX hat sich insgesamt gegenüber der Vorwoche nicht viel verändert, und trotz aller Unkenrufe ist der DAX nicht verloren, zumal heimische Nachfrager (die Pessimisten von heute) dem DAX an der Unterseite (bei 23.200/250 Zählern?) eine Stütze sein könnten. 
 


von Joachim Goldberg


3. September 2025, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de




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