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Fr, 17. April 2026, 9:18 Uhr

Marktstimmung: "Pluspunkte statt Pattsituation"


19.02.26 09:40
Redaktion boerse-frankfurt.de


Hinter den moderaten Kursgewinnen stehen Käufe der Profis und Geld aus dem Ausland. Ob der gestiegene Optimismus schon eine Kontraindikation bedeutet, weiß Joachim Goldberg.


Zusammenfassung


Das leichte DAX-Plus seit vergangenem Mittwoch verdeckt größere Umschichtungen. Von den befragten Profis sind 19 Prozent in DAX-Aktien eingestiegen. Davon kamen 6 Prozent von der Short-Seite, die vielen anderen von der Seitenlinie. Unterstützung komme von internationalen Kapitalströmen, ergänzt Joachim Goldberg und berichtet von Zuflüssen in europäische Aktien laut Bank of America. Währenddessen gab es bei den Privaten nur wenige Gewinnmitnahmen durch Aktienverkäufe.


Unterm Strich wertet der Verhaltensökonom den Optimismus aber nicht als bedrohlich. Nur zwischen 25.600 und 25.650 Punkten könnte es etwas Gegenwind geben. Die Unterseite sei dagegen jetzt schlechter gesichert, da weniger Nachfrage ab 24.700/24.750 Punkten warte. Außerdem könne der Strom internationaler Investitionen jederzeit versiegen.


18. Februar 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Bereits zum dritten Mal in Folge musste der DAX zwischen zwei Sentiment-Erhebungen zunächst einen Rücksetzer hinnehmen, bevor er am Ende wieder gut erholt dastand. Und das ist ihm trotz ordentlichem Gegenwind aus den USA gelungen, der durchaus mehr Schaden hätte anrichten können. 


Dort hielten sich, unterbrochen nur durch den Feiertag am vergangenen Montag, die Bedenken wegen einer massiven Störung bestehender Geschäftsmodelle durch die KI am Leben. Ganz zu schweigen von den geplanten massiven Steigerungen der Investitionsprogramme der großen US-Technologieunternehmen, auf die vor allen Dingen die Aktienmärkte jenseits des Atlantiks zuletzt noch mit großer Skepsis reagierten. Umso bemerkenswerter die Haltung des deutschen Börsenbarometers, das abermals mit einem Wochengewinn von 0,9 Prozent etwas glänzen konnte.


Was hierzulande kurstechnisch wie eine stabile Pattsituation aussah, verdankt sich vermutlich der ungebremsten Nachfrage internationaler Fondsmanager. Wie nämlich die gestern publizierte Fondsmanagerumfrage der Bank of America für den Monat Februar ergab, hat die Eurozone – allen voran deutsche Werte – höchstwahrscheinlich in drei aufeinanderfolgenden Monaten von Kapitalzuflüssen profitiert. Denn dieses Mal gaben netto 35 Prozent (Vormonat: 25 Prozent) der befragten Fondsmanager an, in Aktien der Eurozone übergewichtet zu sein. 


Im gleichen Zuge ergab sich für US-Aktien eine Entwicklung in die andere Richtung. Denn netto 22 Prozent der Befragten erklärten, dort untergewichtet (Vormonat: 3 Prozent) zu sein – ein starkes Indiz für eine Wanderung der Aktienanlagen aus den USA hierher. 


Wichtig dabei: Global büßten Aktien gegenüber dem Vormonat nicht an Beliebtheit ein; wie im Vormonat gaben 48 Prozent der Fondsmanager an, in dieser Anlageklasse übergewichtet zu sein.


Ausnahmesituation Deutschland?


Aber auch sentimenttechnisch hat sich die Pattsituation zwischen Bullen und Bären bei den institutionellen Investoren aufgelöst. Denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index ist um 25 Punkte auf einen neuen Stand von +25 gestiegen. Im gleichen Zuge konnte das Bullenlager um 19 Prozentpunkte zulegen, wobei etwas mehr als zwei Drittel der neuen Optimisten von vormals neutral gestimmten Investoren gestellt wurde, knapp ein Drittel speiste sich aus ehemaligen Bären, die ihre Engagements um 180 Grad von bearish nach bullish gedreht haben, vermutlich verbunden mit überschaubaren Gewinnen.


Ganz anders stellt sich die Situation bei den Privatanlegern dar. Unser Deutsche Börse Sentiment-Index fällt in diesem Panel gegen den Trend um 2 Punkte auf einen neuen Stand von +18. Offenbar hat es bei den Bullen kleinere Gewinnmitnahmen gegeben. Dies gilt in erster Linie für diejenigen Anlegenden, die wir nicht über Social Media befragt haben. Deren Stimmung hat sich gegen den Trend von derjenigen der institutionellen Investoren abgekoppelt. Dafür haben sich diejenigen Privatanleger, die wir über Social Media befragen, von bearishen Positionen getrennt, die aber allesamt zu den neutral gestimmten Anlegern verschoben wurden.


Kleines Stimmungshoch


Mit der heutigen Befragung sind die institutionellen Investoren also in Sachen Optimismus an den Privatanlegern vorbeigezogen. Demnach haben also nicht nur – wie eingangs erwähnt – die internationalen Investoren zu einer Stabilisierung des DAX beigetragen, sondern der Anstieg gegenüber der Vorwoche verdankt sich auch heimischen institutionellen Anlegern. 


Diese recht deutliche Stimmungsveränderung zum Positiven hat dabei zum höchsten Deutsche Börse Sentiment-Index in diesem Jahr geführt. Allerdings relativiert sich der Optimismus im Vergleich zur Entwicklung des Sentiments auf Sicht von drei Monaten und ist so gesehen nur halb so hoch wie in der absoulten Betrachtung. Bei dieser relativen Sichtweise fällt der Optimismus bei den Privatanlegern sogar zurück auf ein fast neutrales Niveau.


Per se ist der heutige Optimismus also nicht bedrohlich für den DAX, wobei natürlich zeitweise Gewinnmitnahmen, möglicherweise zwischen 25.600 und 25.650 Zählern, für Gegenwind sorgen könnten. Die Unterseite ist dagegen schlechter als zuvor gesichert, da sich die Nachfragesituation aus heimischen Quellen im Falle eines Rückgangs auf ein Niveau vermutlich bei 24.700/24.750 Zählern verschlechtert hat. Ein viel größeres Risiko bestünde allerdings, sollten aus welchen Gründen auch immer die Kapitalströme aus dem Ausland, von denen der DAX während der vergangenen drei Monate besonders profitieren konnte, irgendwann versiegen.


von Joachim Goldberg


18. Februar 2026, ? Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse


 




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