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Fr, 17. April 2026, 21:24 Uhr

Mergerbereich laue Lage


02.04.02 16:21
Investor-Village

Das Vertrauen, welches die Märkte in den vergangenen Monaten demonstrierten, greift offensichtlich nicht überall, so die Analysten von "Investor-Village".

Insbesondere die Chefetagen der Unternehmen auf der ganzen Welt scheinen eher skeptischer, als optimistischer zu werden. Beleg für das Vertrauen in die Zukunft der Wirtschaft sei aber doch vor allem das Vertrauen der Unternehmenslenker in die wirtschaftliche Zukunft. Denn Anleger würden schließlich über Investitionen bestimmen, die ihrerseits wieder den Konjunkturmotor antreiben würden. Grund genug, selbst wieder pessimistisch zu sein?, fragen die Analysten.

Die Konzernchefs seien derzeit wenig positiv gestimmt. Ablesbar sei dies an den Aktivitäten bei den Mergers & Akquisitions, deren Volumen mit 243 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal 2002 auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren abgesackt sei. Die Zahl der weltweit durchgeführten Fusionen und Übernahmen sei erstmals seit Anfang 1995 unter 5.200 gefallen.

Dies stehe offensichtlich im Gegensatz zu den jüngsten Prognosen, dass sich die US-Wirtschaft wieder erhole. Möglicherweise sei bei vielen Unternehmen nach den Vorfällen um Enron auch die Skepsis gegenüber den allgemeinen Bilanzierungspraktiken gestiegen.

Der Niedergang der Merger-Aktivitäten habe auch Auswirkungen im Finanzgewerbe. Nach den Rekordjahren 1999 und 2000 hätten viele Investmentbanken ihre Kapazitäten im Vertrauen auf eine Fortdauer des Booms massiv ausgebaut. Nun müssten viele den Gürtel enger schnallen. Obendrein blieben die hohen Gewinne der Vorjahre aus diesem Bereich aus. Die Deutsche Bank, einer der Global Player in diesem Sektor, habe dies im vergangenen Geschäftsjahr deutlich zu spüren bekommen.

Ob das erste Quartal der Tiefpunkt bei den Mergers gewesen sei, sei schwer zu sagen. Tatsache sei aber auch: Die Merger-Aktivitäten hätten ihren Höhepunkt im Jahre 2000 erreicht, nachdem die Stimmung an den Aktienmärkten gekippt gewesen sei. Seien viele Konzernchefs vorher bereit gewesen, andere Firmen zu praktisch jedem Preis zu übernehmen (sie hätten ja schon bald noch teurer sein können), hätten die sinkenden Aktienkurse für ein Umdenken gesorgt.

Daraus folge, dass die Masse der Konzernchefs längst nicht immer rational handele. Seit dem September 2001 hätten die Aktienmärkte weltweit im Trend gedreht. Möglich, dass die Bosse nun bald erkennen würden, dass ihre potenziellen Übernahmeziele nicht mehr billiger, sondern wieder teurer würden.