Spiegel-Kritik trifft Rheinmetall, Renk und Hensoldt – Rüstungsrally abrupt gebremst
Autor: Redaktion, aktiencheck.de
Datum: 2. Juni 2025
Düsseldorf / Berlin – Die Luft wird dünner an der Rüstungsfront. Nach einem historischen Kursanstieg von über 2.000 % in nur drei Jahren musste die Rheinmetall-Aktie (ISIN: DE0007030009) am Montag spürbar Federn lassen. Zeitweise fiel der Kurs von einem Tageshoch bei 1.944 EUR bis auf ein Tagestief von 1.744,50 EUR. Aus dem Handel ging die Aktie bei 1.852,00 EUR mit einem Minus von 1,80 %.
Grund für den Rücksetzer war ein kritischer Artikel im Nachrichtenmagazin Der Spiegel, der eine stärkere Besteuerung von Rüstungsgewinnen forderte. In dem Beitrag ist von Übergewinnsteuer und sogar Teilverstaatlichungen die Rede.
"Eine Sondersteuer wäre kontraproduktiv", kommentiert Sven Weier, Analyst bei UBS. "Gerade jetzt, wo Europa seine Verteidigungskapazitäten hochfahren muss."
Seit dem Beginn des Ukrainekriegs hat sich die Rheinmetall-Aktie verzwanzigfacht. 2025 allein hat sich der Kurs nochmals verdreifacht. Doch mit der politischen Debatte rücken ethische und fiskalische Fragen stärker in den Fokus.
Rüstungsaktien reagieren nervös – Hensoldt und Renk dennoch mit Gewinnen
Auch Hensoldt (ISIN: DE000HAG0005) und Renk (ISIN: DE000RENK730) standen im Fokus. Hensoldt überschritt intraday erstmals die 100-EUR-Marke und schloss mit einem Tagesplus von +7,99 % bei 99,35 EUR aus dem XETRA-Handel. Renk erreichte ein Hoch bei 85,70 EUR und schloss bei 81,50 EUR mit einem Gewinn von +3,98 %.
Auslöser war eine Hochstufung durch JPMorgan-Analyst David Perry, der Hensoldt auf "Overweight" setzte und damit an die Bewertung von Rheinmetall und Renk anpasste.
"Deutschland hat von 1990 bis 2020 strukturell unterinvestiert –
das muss sich nun schnell ändern", so Perry.
Ukraine-Krieg bleibt Unsicherheitsfaktor
Während am Montag neue Friedensverhandlungen angesetzt waren, sorgten Drohnenangriffe beider Seiten am Wochenende erneut für Eskalation. Analystin Chloe Lemarie von Jefferies warnte: "Diese Ereignisse schaffen kaum Voraussetzungen für einen dauerhaften Waffenstillstand."
Politische Fantasien vs. Realität
Trotz aller Schlagzeilen sehen Analysten weiterhin kein fundamentales Problem bei Rheinmetall. Die Auftragsbücher sind voll, die Marge hoch, die internationale Nachfrage ungebrochen.
Und auch wenn die Spiegel-Diskussion über Kriegsgewinne und Sozialabgaben mediale Wirkung zeigt, dürfte ihre Umsetzung unter einer CDU-geführten rot-schwarzen Koalition vorerst illusorisch bleiben. Zu groß ist der Rückhalt für die Industrie – als sicherheitspolitischer Anker und wirtschaftlicher Wachstumsmotor zugleich.

