DAX-Reform: Pro und Contra
31.08.21 11:45
Spectrum Markets
Frankfurt am Main (www.aktiencheck.de) - Ab September 2021 wird der DAX von 30 auf 40 Werte aufgestockt, so die Experten von Spectrum Markets.
Die Deutsche Börse schaffe mit dieser Neuausrichtung einen Index, der die deutsche Wirtschaft noch umfassender und besser abbilden solle. Der MDAX werde hingegen auf 50 Unternehmen verkleinert. Diese Reform stoße bei Marktteilnehmern auf gemischte Reaktionen.
PRO:
Tobias Stöhr, Börsenexperte bei Spectrum Markets: "Die Verkleinerung des MDAX kann sich zu einem großen Vorteil für die Attraktivität des MDAX erweisen."
"Wir sehen den Schritt als ersten in einer Reihe weiterer Anpassungen, die auf veränderte Marktbedingungen reagieren und dann auch die Attraktivität des Leitindex steigern werden. So werden früher oder später sicher weitere Governance-Kriterien über Aufnahme und Verbleib im DAX entscheiden. Das Nachziehen der zehn nächststärkeren Werte ist konsistent mit dem Hauptgewicht auf Streubesitz-Marktkapitalisierung als Aufnahmekriterium; ob dies qualitativ zwingend zulasten des MDAX geht, bleibt unserer Ansicht nach abzuwarten. Durch die Verkleinerung des MDAX, d.h., durch den ersatzlosen Wegfall der Schwergewichte, verschiebt sich der Fokus auf zwar weniger stark kapitalisierte, aber dafür wachstumsstärkere Unternehmen. Das kann sich zu einem großen Vorteil für die Attraktivität des MDAX erweisen.
Eines der DAX-Aufnahmekriterien ist, dass das gelistete Unternehmen einen Sitz in Deutschland hat oder, wenn der Sitz im EU-Ausland ist, der Handelsumsatz in der Aktie in Frankfurt am höchsten ist. Frankfurt müsste hier zunächst insgesamt als Finanzplatz im europäischen Wettbewerb stärker werden, damit mehr Unternehmen den Standort als Hub zur Eigenkapitalaufnahme über die Börse suchen. Dann ist natürlich wichtig, dass mehr Menschen in Deutschland in Aktien investiert sind, Stichwort wiederum Kapitalmarktkultur. Denn nur dann kann der Finanzplatz relativ zum europäischen Wettbewerb zulegen. Die Frage ist, inwieweit eine Indexreform hier etwas bewirken kann. Hier sind eher strukturelle politische Entscheidungen wichtig und nicht zuletzt die Verankerung der Vermittlung von Finanz- und Kapitalmarktwissen bereits in der Schulbildung."
CONTRA:
Dr. Manfred Schlumberger, Portfoliomanager bei StarCapital: "Der MDAX wird logischerweise durch die Reform eher leiden"
"Die Reform war wegen der Blamage mit dem "Luft"-Unternehmen Wirecard notwendig. Durch die Erweiterung wird der DAX aber nicht attraktiver. US-Aktienindices sind viel attraktiver als ihre europäischen Pendants, weil sie einen sehr hohen Anteil in zukunftsträchtigen Branchen wie Technologie und Kommunikation haben. Die bekommt der DAX auch durch die Reform nicht, weil es die hierzulande schlicht nicht gibt.
Der MDAX wird logischerweise durch die Reform eher leiden. Das nimmt man in Kauf, weil man hofft, dass der DAX durch die Aufnahme neuer Mitglieder besser performt. Die würde sich auch nicht bessern, wenn man noch mehr Mitglieder aufnimmt. Weltmarktführer findet man in Deutschland nur im Mittelstand und die gehen nicht an die Börse. Das bedeutet das Aus für Delivery Hero. Verlustunternehmen haben wie in den USA in den großen Indices nichts verloren. Traurig genug, dass vermutlich wieder ein Essensdienst wie HelloFresh in den DAX kommt. Das sagt viel über den "High Tech"-Standort Deutschland aus. Start-ups haben übrigens im DAX nichts verloren. Dafür gibt es andere Börsensegmente." (31.08.2021/ac/a/m)
Die Deutsche Börse schaffe mit dieser Neuausrichtung einen Index, der die deutsche Wirtschaft noch umfassender und besser abbilden solle. Der MDAX werde hingegen auf 50 Unternehmen verkleinert. Diese Reform stoße bei Marktteilnehmern auf gemischte Reaktionen.
PRO:
Tobias Stöhr, Börsenexperte bei Spectrum Markets: "Die Verkleinerung des MDAX kann sich zu einem großen Vorteil für die Attraktivität des MDAX erweisen."
Eines der DAX-Aufnahmekriterien ist, dass das gelistete Unternehmen einen Sitz in Deutschland hat oder, wenn der Sitz im EU-Ausland ist, der Handelsumsatz in der Aktie in Frankfurt am höchsten ist. Frankfurt müsste hier zunächst insgesamt als Finanzplatz im europäischen Wettbewerb stärker werden, damit mehr Unternehmen den Standort als Hub zur Eigenkapitalaufnahme über die Börse suchen. Dann ist natürlich wichtig, dass mehr Menschen in Deutschland in Aktien investiert sind, Stichwort wiederum Kapitalmarktkultur. Denn nur dann kann der Finanzplatz relativ zum europäischen Wettbewerb zulegen. Die Frage ist, inwieweit eine Indexreform hier etwas bewirken kann. Hier sind eher strukturelle politische Entscheidungen wichtig und nicht zuletzt die Verankerung der Vermittlung von Finanz- und Kapitalmarktwissen bereits in der Schulbildung."
CONTRA:
Dr. Manfred Schlumberger, Portfoliomanager bei StarCapital: "Der MDAX wird logischerweise durch die Reform eher leiden"
"Die Reform war wegen der Blamage mit dem "Luft"-Unternehmen Wirecard notwendig. Durch die Erweiterung wird der DAX aber nicht attraktiver. US-Aktienindices sind viel attraktiver als ihre europäischen Pendants, weil sie einen sehr hohen Anteil in zukunftsträchtigen Branchen wie Technologie und Kommunikation haben. Die bekommt der DAX auch durch die Reform nicht, weil es die hierzulande schlicht nicht gibt.
Der MDAX wird logischerweise durch die Reform eher leiden. Das nimmt man in Kauf, weil man hofft, dass der DAX durch die Aufnahme neuer Mitglieder besser performt. Die würde sich auch nicht bessern, wenn man noch mehr Mitglieder aufnimmt. Weltmarktführer findet man in Deutschland nur im Mittelstand und die gehen nicht an die Börse. Das bedeutet das Aus für Delivery Hero. Verlustunternehmen haben wie in den USA in den großen Indices nichts verloren. Traurig genug, dass vermutlich wieder ein Essensdienst wie HelloFresh in den DAX kommt. Das sagt viel über den "High Tech"-Standort Deutschland aus. Start-ups haben übrigens im DAX nichts verloren. Dafür gibt es andere Börsensegmente." (31.08.2021/ac/a/m)
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