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Anleihen: Nach der EZB kommt die Fed


28.07.25 08:56
Redaktion boerse-frankfurt.de

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Die EZB belässt die Leitzinsen unverändert, überrascht aber mit ihrem Ausblick. Das bewegt die Anleihekurse. Im Fokus steht jetzt der Fed-Termin am kommenden Mittwoch. Im Segment der Unternehmensanleihen gerät ein Bond von The Platform Group unter Druck.


25. Juli 2025. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Sitzung der Europäischen Zentralbank hat in dieser Woche die Anleihemärkte dominiert. Dass die Leitzinsen erstmals seit Juli 2024 unverändert geblieben sind, war dabei noch erwartet worden. Eine Überraschung lieferte jedoch der Ausblick. „Notenbankchefin Lagarde hält zwar die Tür für eine weitere Zinssenkung im späteren Jahresverlauf offen, lässt jedoch erkennen, dass bis auf Weiteres kein Handlungsdruck bestehe“, fasst Elmar Völker von der LBBW zusammen. Daraufhin stieg die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf 2,75 Prozent, nachdem sie zuvor am Dienstag unter die Marke von 2,60 Prozent gefallen war.


„Die Stimmung hat sich etwas gedreht“, stellt Arthur Brunner von der ICF Bank fest. Demnach taxiert der Markt die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im September aktuell nur noch auf 30 Prozent. „Vor der EZB-Sitzung waren es noch 47 Prozent“. Laut Ilona Korsch von Hauck Aufhäuser Lampe müsste sich die konjunkturelle Entwicklung schon „deutlich verschlechtern, um mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von einer weiteren Leitzinssenkung auszugehen“.


Auch Tim Oechsner von der Steubing AG erwartet, dass sich der Zyklus der Zinssenkungen nach acht Schritten „am Ende befindet“.


Arthur Brunner


Arthur Brunner


Fed-Sitzung unter politischem Druck


In der kommenden Wochen sind alle Augen auf die US-amerikanische Notenbank gerichtet. Zwei von US-Präsident Donald Trump nominierte Fed-Mitglieder haben sich zuletzt offen für eine Senkung der Leitzinsen gezeigt. „Nach dem Tenor der anderen Geldpolitiker zu schließen, bleibt dies aber eine Minderheitsmeinung“, schreiben die Strategen der Helaba, die deshalb nicht mit einer Zinsänderung rechnen.


Christian Reicherter von der DZ Bank stellt sich auf eine „kontroverse Debatte im Federal Open Market Committee (FOMC)“ ein. Weil die Zölle und ihre Auswirkungen auf die zukünftige Inflations- und Konjunkturentwicklung ein Unsicherheitsfaktor bleiben und sich der US-Arbeitsmarkt bislang als „weitgehend solide“ präsentiert, bestehe für die Notenbank aber „keine Eile, die Zinsen weiter zu senken“. Erst eine klare Abschwächung des US-Arbeitsmarkts im Herbst könnte neue Zinsspielräume eröffnen.


Auch Oechsner ist der Ansicht, dass die Fed aktuell „nicht unter Druck steht, die Geldpolitik schnell lockern zu müssen“. Angesichts der hohen konjunkturellen Unsicherheit und des robusten Arbeitsmarktes sei Geduld offenbar das Gebot der Stunde. „Das dürfte Donald Trump nicht gefallen“, ergänzt der Anleihe-Händler.


Der US-Präsident hatte sich zuletzt mehrfach kritisch zu dem „Nicht-Handeln“ der Notenbank geäußert und Fed-Chef Jerome Powell öffentlich angezählt. Der ist offiziell noch bis Mai 2026 im Amt. Die politische Wett-Seite „PredictIt.org“ gibt einem frühzeitigen Abgang Powells noch im Jahr 2025 nach Informationen der Helaba derzeit eine Chance von rund 20 Prozent.


Oechsner


Tim Oechsner


Medienberichte sorgen für Verkaufsdruck


An der Börse Frankfurt berichtet Brunner von „guten Umsätzen“ mit einer noch drei Jahre laufenden Anleihe von The Platform Group (NO0013256834). Deren Kurs war in den vergangenen sechs Wochen recht stetig gestiegen, bevor jetzt Verkaufsdruck aufkam. Hintergrund dürfte ein sehr kritischer Artikel im „Manager Magazin“ sein.


Gesucht sind hingegen eine hochverzinsliche Anleihe des Autozulieferers Booster Precision Components GmbH (NO0012713520) und ein Bond der ABO Energy GmbH & Co. KGaA (DE000A3829F5).


Zudem nutzen Anlegerinnen und Anleger die gesunkenen Kurse von Anleihen etablierter Unternehmen für einen Einstieg. „Die bevorzugte Laufzeit beträgt unverändert ca. drei bis fünf Jahre“, konkretisiert Brunner. Als Beispiel nennt er einen Bond von Volkswagen Financial Services (XS2152061904), der 2028 fällig wird. Die Gewinnwarnung des VW-Konzerns zum Wochenschluss hat bislang keine Auswirkungen auf den Kurs der Anleihe gehabt.


Von Thomas Koch, 17. Juli 2025, © Deutsche Börse AG


Über den Autor

Thomas Koch ist CEFA-Investmentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte und geprüfter Zertifikateberater. Seit Anfang 2006 beschäftigt er sich als freier Journalist mit dem Geschehen an den Kapitalmärkten.


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